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Dienstag, 28.08.2018

Die vulkanischen Tiefen der Farbe

Der Maler Jürgen Wenzel stellt in der Dresdner Villa Eschebach aus.

„Selbst mit Fasan“ (nach Rembrandt), Öl auf Leinwand, 2016/18.Foto: PR
„Selbst mit Fasan“ (nach Rembrandt), Öl auf Leinwand, 2016/18.Foto: PR

Jürgen Wenzel ist Maler, einer, der mit den vulkanischen Tiefen von Farben auf ewig verschmolzen ist. Mit einer großartigen Serie von eindringlichen Schlachthausbildern ist er in den 1980er-Jahren bekannt geworden. Abstrakt-gegenständlich entfaltet sich das Bild als Metamorphose des Gesehenen und Erlebten. Drei monumentale, farbgewaltige Bilder mit ausgeweideten Ochsenhälften aus der Serie beeindrucken den Betrachter in der aktuellen Ausstellung, die den Titel „Vanitas“ trägt.

Lebensgenuss bis zur wollüstigen Ekstase

Vanitas-Stillleben waren beliebte Sujets der barocken, niederländischen Malerei, in der eine Steigerung des Lebensgenusses bis zur wollüstigen Ekstase, durch den Hinweis auf die Vergänglichkeit der irdischen Freuden mit Stundenglas und Totenschädel gestaltet wurde. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen ist tatsächlich auch das Grundthema, dem sich Jürgen Wenzel in zahllosen Variationen malerisch hingegeben hat. Ein leidenschaftlich vorgetragener Pinselduktus kennzeichnete bislang die pastos leuchtende Farbmaterie seiner Malerei. Auf den Bilduntergründen entfachte er ein lebendiges, orgiastisches und den noch diszipliniertes koloristisches Feuerwerk. Es hat sich Einiges geändert!

Nunmehr leuchten aus einer dunkel bewegten Malhaut, die von allem Nebensächlichen befreiten Motive, ohne starke Konturierung dem Betrachter entgegen: ausgeweidete Tiere, tanzende tote Fasane, Fruchtstillleben, ein abgegessenes Festmahl mit Karpfen.

Ganz Augenmensch,

weiß er, wovon er malt
Jürgen Wenzel zelebriert über die Thematik hinweg immer ein Fest der Sinne, indem er sich mit der Materie verbindet, sich in sie einwurzelt, mit ihr eins wird, mit der Lust an der Malerei in einem Wechsel von Lasurtechnik und Primamalerei, mit einem ausgesprochenen Vergnügen an der Form, die entsteht und einen Raum entfaltet, der den Betrachter und ihn selbst als Künstler mit einschließt. Ganz Augenmensch, weiß er, wovon er malt und tut dies mit ausdauernder Beharrlichkeit. Carpe diem! Grundlagen für seine malerische Verwirklichung waren die Auseinandersetzung mit der Farbdramatik des Expressionismus und darüber hinaus der Kunst Alter Meister, die er studiert hat, wie die von Rembrandt und Tizian.
Besonders beeindruckt war er vom Werk des Vorimpressionisten Chardin, der auch den Rochen in seine Bildwelt integrierte. KaWe

Service

Was: Jürgen Wenzel – Malerei

Wann: bis 19. Oktober, Mo/Mi 8.30-16 Uhr, Di/Do 8.30-18 Uhr, Fr 8.30-13 Uhr

Wo: Kunst in der Villa Eschebach Georgenstraße 6, Dresden

Tickets: Eintritt frei