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Donnerstag, 18.08.2016

Die unvollendete Dresdner Silhouette

Wo einst das Belvedere stand, klafft heute eine Lücke. Nun holt ein Investor alte Pläne wieder aus der Schublade.

Von Tobias Hoeflich

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Bis 1945 markierte das Belvedere den Auftakt der Brühlschen Terrasse.
Bis 1945 markierte das Belvedere den Auftakt der Brühlschen Terrasse.

© Sammlung Holger Naumann

  • Bis 1945 markierte das Belvedere den Auftakt der Brühlschen Terrasse.
    Bis 1945 markierte das Belvedere den Auftakt der Brühlschen Terrasse.
  • Wo einst gespeist und gefeiert wurde, lädt heute eine Grünfläche zum Blick aufs Neustädter Elbufer ein. Dabei will es der Freistaat als Eigentümer auch belassen.
    Wo einst gespeist und gefeiert wurde, lädt heute eine Grünfläche zum Blick aufs Neustädter Elbufer ein. Dabei will es der Freistaat als Eigentümer auch belassen.

Bernd Dietze ist überzeugt, die Mehrheit der Dresdner im Rücken zu haben. „90 bis 95 Prozent hätten feuchte Augen bekommen, wenn das Belvedere in historischer Form wiederentstanden wäre“, sagte der Chef der Baywobau einst. Dietzes Zitat stammt zwar aus dem Jahr 2008. Doch es gilt noch immer. Mit seinem Unternehmen plante er damals, das Gebäude auf der Brühlschen Terrasse zu rekonstruieren und Dresdens historische Silhouette zu vollenden. Doch an der Lücke im Brühlschen Garten hat sich nichts geändert. Nun will Dietze einen neuen Anlauf starten.

Seit dem 16. Jahrhundert war die Fläche der Brühlschen Terrasse fast durchgängig bebaut – wenn auch in unterschiedlicher Form. Vier Belvederes markierten im Laufe der Zeit den östlichen Auftakt zum Balkon Europas. Das letzte aus dem Jahr 1842 stand den Dresdnern als Gaststätte offen, ging aber im Bombenhagel 1945 unter. Entworfen hatte es Otto von Wolframsdorf. Der Architekt plante auch die Orangerie an der Herzogin Garten, die wieder aufgebaut wird. Geht es nach Dietze, könnte das auch mit dem Belvedere geschehen: „Man kennt ja den Dresdner Kulturkampf zwischen modern und historisch. Aber dort muss man das bauen, was dort auch hingehört“, ist er überzeugt. „An dieser Stelle kann man den Bürgern keine aufregende oder einfache moderne Architektur zumuten. Ein futuristischer Bau geht nicht.“

Genau bei der Frage gab es einst wohl Differenzen zwischen dem Freistaat, dem das Areal gehört, und dem Dresdner Stadtplanungsamt. Während das Land auf eine historische Bebauung setzte, tendierte das Rathaus wohl zu einem modernen Entwurf. Letztlich stoppte der Freistaat die Ausschreibung des Grundstücks im Jahr 2008. Man sehe dort keinen Bedarf für eine gastronomische Einrichtung, lautete die offizielle Begründung.

An einer neuen Debatte haben Stadt und Land offenbar wenig Interesse. „Das Gesamtensemble Brühlsche Terrasse und Brühlscher Garten bleibt beim Status quo. Wir sehen hier keine Nutzungsanforderung“, sagt Uli Kretzschmar vom Schlösserland Sachsen. Pläne für eine neue Ausschreibung des Grundstücks gebe es deshalb keine. Auch die Stadtplaner im Rathaus halten sich zurück. Ein neues Belvedere habe keine Priorität, heißt es. „Wichtiger war die Rekonstruktion der Stadtsilhouette durch den Wiederaufbau der Frauenkirche, der Quartiere am Neumarkt und des Schlossquartiers.“ Die Frage nach Rekonstruktion oder Neubau des Belvederes lässt das Amt unbeantwortet.

Für Torsten Kulke von der Gesellschaft Historischer Neumarkt ist klar, dass ein modernes Haus nicht auf die Brühlsche Terrasse gehört. „Das ist kein Ort für Experimente. Wenn ein Wiederaufbau infrage kommt, kann es nur diese Lösung geben.“ Damit meint er das Belvedere in der Version von Wolframsdorf. „Wenn das jemand bauen will, sind wir Feuer und Flamme.“

Kulke glaubt jedoch nicht, dass es dafür eine politische Mehrheit gibt. Das fürchtet auch die Dresdner FDP, die 2008 einen Antrag für den Wiederaufbau des alten Belvederes eingebracht hat. Sie zog ihn zurück, weil sich wohl keine Mehrheit im Stadtrat gefunden hätte. Auch heute zweifelt Holger Zastrow von der Fraktion FDP/Freie Bürger daran. „Das Thema ist uns zu wichtig, um es im Stadtrat aus ideologischen Gründen tot zu diskutieren, nur weil der Vorschlag von der falschen Seite kommt. Deshalb halten wir uns mit Initiativen zurück.“ Zu einem Wiederaufbau des historischen Belvederes stehe die Fraktion laut Zastrow nach wie vor: „Sollte der Freistaat weiter untätig bleiben, führt an einer erneuten öffentlichen und politischen Debatte kein Weg vorbei.“

Das dürfte Bernd Dietze von der Baywobau gern hören. Sein Konzept von damals hat der Geschäftsführer noch in der Schublade liegen. Zuletzt hatte sein Unternehmen mit Großprojekten wie am Neumarkt und auf dem Weißen Hirsch zwar reichlich zu tun, doch nun könne man sich durchaus erneut der Brühlschen Terrasse widmen. Dietze: „Die Pläne fürs Belvedere liegen noch da und wir stehen bereit, sie wieder aufzunehmen.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 30 Kommentare

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  1. Thomas

    Ich gehöre zwar nicht zu den vermuteten 90-95 Prozent, die feuchte Augen bekämen, mir gefällt die jetzige Parkanlage, aber ok, darüber nachdenken kann man ja. Interessant finde ich allerdings was für ein Foto als Vergleich mit der historischen Aufnahme verwendet wurde: blass, überbelichtet und schlechte Farben. Vermutlich hatte man in der Radaktion kein besseres zur Verfügung, aber es entsteht der Eindruck, hier wird das Anliegen des Herrn Dietze unterstützt indem man den aktuellen Zustand in buchstäblich schlechtem Licht darstellt.

  2. Besucher

    Ich bin immer noch von meinem neulichen Dresden-Besuch geschockt. Die unsägliche Betonwüste im Discounter-Look, die einen erwartet, wenn man den Hauptbahnhof Richtung Prager Strasse verlässt, treibt einem die Tränen in die Augen. Wer bitte ist für diesen ganzen stadtplanerischen Frevel verantwortlich? Die Chance war doch da, nach 1989 etwas aus der Innenstadt zu machen und alte Wunden zu heilen. Gründlicher kann man es nicht versauen, wirklich erschreckend. Man kann nur hoffen, dass wenigstens an der Brühlschen Terrasse keine "Modernisierer" ihre Unfähigkeit zur Schau stellen.

  3. Torsten

    Dresden ist ja schon jetzt ein grässliches Openairmuseum. Ein historisierendes Monument mehr oder weniger macht das Kraut auch nicht mehr fett. Mit einer lebendigen Stadt hat das allerdings nichts zu tun. Mit einem Friedhof schon eher.

  4. Hauke Christiansen

    Die Wiederherstellung des wundervollen Wolframsdorfschen Belvedere wäre ohne jeden Zweifel ein Gewinn für die Brühlsche Terrasse. Ich fand es schon damals (2008) äußerst bedauerlich, dass die Stadt (und auch das Land Sachsen als Eigentümer des Grundstücks) dem Projekt der Baywobau so ablehnend gegnüberstand. Die Begründung war auch hanebüchen... "es gibt für weitere Gastronomie im Viertel keinen Bedarf", einfach lächerlich. Danach haben noch mindestens ein Dutzend Restaurants und Cafés im Bereich Neumarkt aufgemacht. Es wäre zu wünschen, dass Herr Dietze nicht locker lässt. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen.

  5. Willy

    Ich bin ebenfalls nicht bei den 90-95 Prozent dabei - die Zahl scheint mir sehr zweckdienlich... Begreifen wir doch endlich, dass DD Grün braucht und nochmals Grün! DAS macht den Flair aus, um den uns viele Gäste beneiden - nicht noch ein historisierendes Gebäude mehr. Von den Innenstadt-klimatischen Bedingungen mal abgesehen, mit denen die Stadt ja z.B. beim Neumarkt sträflich umgegangen ist.

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