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Donnerstag, 11.12.2003

Die unendliche Geschichte des Möchtegern-Entführers

Von Petra Pape

CHEMNITZ - Justizfall Kurt Fischer (45): Es ist schon fast wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Gestern saß der Ex-Sparkassenchef von Hainichen schon wieder vor Gericht. Versuchte, seine Unschuld zu beweisen. Das vierte Mal in acht Jahren. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.

Doch von vorn: Fischer war 1996 zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er geplant hatte, den Mittweidaer Landrat Andreas Schramm (CDU) zu entführen (Morgenpost berichtete). Gegen 15 Millionen Mark Lösegeld. Der Coup flog auf, weil sein Komplize, der Regensburger Privatdetektiv Rainer Kapelke, zur Polizei ging. Fischer beteuerte seine Unschuld. Er habe nur einen großen Medien-Coup landen wollen. Bis heute sieht sich der Ex-Banker als Justizopfer.

Kaum wieder auf freiem Fuß, strengte er 1998 vorm Zwickauer Landgericht ein Wiederaufnahmeverfahren an. Vergeblich. Das Urteil blieb rechtskräftig. Auch der zweite Versuch 2001 vorm Chemnitzer Landgericht blieb ergebnislos.

Die Sache wurde immer mysteriöser. Ende 2002 präsentierte er der Staatsanwaltschaft zwei Tonbänder, die ihn entlasten sollten. Dumm gelaufen. Oberstaatsanwalt Hartmut Meyer-Frey ist überzeugt, dass die Bänder, angeblich von 1995, gefälscht sind. Er erhob Anklage gegen Fischer wegen Nötigung und Anstiftung zur Falschaussage. Der Vorwurf: Fischer habe den Privatdetektiv Kapelke mit einem Schuldschein erpresst und ihn 2002 zu diesem „Hörspiel“ gezwungen.

Gestern begann der Prozess vorm Amtsgericht. Fischer erschien ohne Anwalt. Der hatte das Mandat inzwischen niedergelegt. In einer 80-Minuten-Rede erklärte Fischer das Gericht für befangen und nicht zuständig. Dumm gelaufen: Sein Antrag entsprach nicht der Prozessordnung. Das Gericht entschied: Das Verfahren kann nur mit einem Verteidiger fortgesetzt werden. Fischer hat jetzt zwei Wochen Zeit, sich einen neuen Anwalt zu suchen.