erweiterte Suche
Donnerstag, 11.10.2018

Die treue Nummer vier

Ronny Simon kickt seit mehr als zwei Jahrzehnten für Kreischa. Das Pokalspiel gegen Stolpen am Wochenende wird sein 500. Spiel für den TSV.

Von Stephan Klingbeil

Vor Kurzem ist Abwehrspieler Ronny Simon wieder ins Training eingestiegen. Im Kreispokal-Achtelfinale gegen Stolpen will er sein 500. Spiel im Trikot des TSV Kreischa bestreiten.
Vor Kurzem ist Abwehrspieler Ronny Simon wieder ins Training eingestiegen. Im Kreispokal-Achtelfinale gegen Stolpen will er sein 500. Spiel im Trikot des TSV Kreischa bestreiten.

© Andreas Weihs

Kreischa. Eine Überraschung ist schon vorbereitet. Marco Müller, Vereinsvorsitzender und Spieler des Fußball-Kreisligisten TSV Kreischa, will noch nicht verraten, was Abwehrspieler Ronny Simon zum runden Jubiläum bekommt. „Es ist etwas geplant, das kann ich schon mal sagen“, erklärt Müller.

An diesem Sonntag wird Simon beim Achtelfinal-Duell im Kreispokal gegen den favorisierten Kreisoberligisten Blau-Gelb Stolpen sehr wahrscheinlich sein 500. Spiel für den TSV Kreischa bestreiten. Eine beachtliche Bilanz: Laut Kreisfußballverband kommt es sehr selten vor, dass ein Spieler so viele Einsätze für eine Mannschaft vorweisen kann.

Kreischas Vereinsvorsitzendem Müller zufolge hatte sich Vize-Vereinschef Erik Milde die Mühe gemacht und sämtliche Spielprotokolle sowie Statistiken der Kreischaer durchforstet und den Taschenrechner gezückt. Im Ergebnis stand Ronny Simon vor Saisonbeginn bei 496 Partien.

„Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm“, sagt Simon, der erst mit 17 Jahren anfing, im Verein zu kicken. „Zuerst hatte ich in der Schule Basketball gespielt und bin dann, wie meine Kumpels vorher auch schon, hier zum TSV“, erklärt der 1,90 Meter große Kreischaer.

Mit Ausnahme eines halbjährigen Gastspiels bei Empor Possendorfs Jugend lief er seitdem nur für seinen Heimatverein auf. Beim TSV waren sie Ende der 1990er-Jahre besonders froh über jeden neuen Nachwuchsspieler. Inzwischen kann der Verein deutlich mehr Talente vorweisen. In allen Altersklassen, von der G- bis zur A-Jugend, gibt es mittlerweile eigene Kreischaer Teams oder Spielgemeinschaften.

Simon sagt, er hätte in den vergangenen 21 Jahren viele schöne Erlebnisse gehabt, besondere Höhepunkte waren der dieses Jahr im letzten Spiel doch noch erkämpfte Aufstieg in die Kreisliga A – und viele Jahre zuvor der gegen Seifersdorf gewonnene Zweikampf um den Staffelsieg in der Kreisklasse. „Damals waren, glaub ich jedenfalls, 80 Leute zum direkten Duell mitgekommen, die uns angefeuert hatten, es ging hin und her“, blickt Simon zurück.

Schon zu dieser Zeit, als klassischer Vorstopper, ging es für ihn vor allem darum, Tore zu verhindern. „Ich bin dabei aber nicht so der Typ, der das dann spielerisch löst“, sagt der Abwehrrecke. Seine Mannschaftskollegen schmunzeln.

Überhaupt sind sein Verein und das Team stolz, das sie so einen Spieler in ihren Reihen haben. Sie schätzen seine bescheidene Art und seine Zuverlässigkeit. Der selbstständige Klempner aus dem Kreischaer Ortsteil Quohren ist die Nummer vier des TSV – und eine treue Seele. „Mit seiner Erfahrung ist er ein echter Gewinn, auch menschlich ist Ronny ein feiner Kerl“, erklärt Klubchef Müller.

Eigentlich sollte Simons Jubiläum bereits Anfang September stattfinden. Doch der 38-Jährige, der noch ledig ist, hatte sich im Sommer am Knie verletzt und laborierte wochenlang an einer Schleimbeutelentzündung. Nachdem er vor Kurzem wieder ins Training eingestiegen war, durfte er Anfang Oktober gegen Hainsbergs Reserve sein erstes Saisonspiel und seine erste Partie überhaupt in der Kreisliga A bestreiten.

In der 88. Minute wurde der Abwehrrecke eingewechselt. „Schön, dass ich noch diesen Kurzeinsatz bekommen habe“, sagt der 38-Jährige und schmunzelt. „Ich hoffe, ich kann noch einige Spiele bestreiten, ich schaue da von Einsatz zu Einsatz. Das Niveau in der Kreisliga A ist allerdings schon ein höheres als in den Ligen darunter.“

Die Partie bei den Freitalern ging zwar auf dem Platz mit 3:5 verloren, es wäre die dritte Niederlage für die Kreischaer nach dem Aufstieg in der Kreisliga A gewesen. Jedoch hatte der TSV Einspruch eingelegt gegen die Wertung der Partie. Ein Spieler der Hainsberger Reserve hatte zuvor bereits im Kader der Ersten Mannschaft gestanden.

Der Protest hatte Erfolg. Die Partie wurde mit 2:0-Toren und drei Punkten für Kreischa gewertet. „Das Spiel zählt trotzdem als Einsatz für Ronny“, versichert Müller. Daher steht der Ehrung Simons zum Pokalduell gegen Stolpen nichts im Wege.