erweiterte Suche
Dienstag, 06.02.2018

Die Struga soll intensiver überwacht werden

Von Mirko Kolodziej

Die Struga, unmittelbar nachdem sie am nördlichen Dorfrand von Neustadt/Spree die Dorfstraße unterquert hat. Das Wasser des aufgrund von Schadstoffbelastung ökologisch toten Bächleins fließt nach vielleicht zwei Kilometern in die Spree.Foto: Mirko Kolodziej
Die Struga, unmittelbar nachdem sie am nördlichen Dorfrand von Neustadt/Spree die Dorfstraße unterquert hat. Das Wasser des aufgrund von Schadstoffbelastung ökologisch toten Bächleins fließt nach vielleicht zwei Kilometern in die Spree.Foto: Mirko Kolodziej

Kein Geheimnis ist seit Langem, dass das Bächlein Struga am nördlichen Dorfrand von Neustadt/Spree, auch Wellenbach genannt, biologisch tot ist. Wie man diesen Zustand ändern kann, scheint im Moment niemand zu wissen. Immerhin soll es nun jedoch eine intensivere Überwachung geben. „Demnächst werden in diesem Gebiet weitere Messstellen eingerichtet“, sagt Gernot Schweitzer vom Landratsamt Bautzen im Namen von dessen Umweltamt.

Seit nunmehr einem reichlichen halben Jahrzehnt bemühen sich die Mitglieder des Naturbildungs- und Kulturvereins „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben“, an deren Gelände die Struga entlangfließt, die zuständigen Stellen für eine Verbesserung der Wasserqualität zu gewinnen. Zuletzt haben sie über ein Auskunftsersuchen nach Umweltinformationsgesetz vom Landratsamt Daten erhalten, die der Tagebaubetreiber Vattenfall bereits 2013 am Bächlein erhoben hat. Zwar hatte damals der Vattenfall-Chef-Geotechniker Ingolf Arnold in einer öffentlichen Versammlung erklärt, man könne bestätigen, dass die Wasserqualität nicht in Ordnung sei. Konkrete Zahlen gab es dazu allerdings nicht.

Die nun vorliegenden Angaben zeigen unter anderem, dass der Nickelgehalt klar dem Grenzwert aus der Oberflächengewässerverordnung widerspricht. Zulässig sind 34 µg je Liter Wasser. Die Vattenfall-Messungen von 2013 belegen Werte von bis zu 50,5 µg. Da Nickel, ein Schwermetall, laut Wasserrahmenrichtlinie als sogenannter prioritärer Stoff gilt, sind die Behörden nach Auskunft des Bundesumweltamtes angehalten, der Sache zumindest auf den Grund zu gehen, sprich, die Ursache für die Belastung zu ermitteln.

Quelle nahe den Himmelsteichen

Auch andere Werte sprechen dafür. So ist die Struga den Vattenfall-Messungen zufolge mit pH-Werten um 3,7 deutlich zu sauer. Diese Versauerung ist chemisch auch für die Nickelwerte verantwortlich. Denn in saurem Wasser werden Schwermetalle leichter gelöst. Aber auch Aluminium, für das es zwar keine verbindlichen Grenz-, aber doch so eine Art Richtwerte gibt, ist im Strugawasser reichlich vorhanden.

Obendrein zeigen die jetzt vorliegenden Werte noch eine leichte Erhöhung der Sulfat-Orientierungswerte. In jedem Fall bestätigen die Messungen die Ergebnisse einer Beprobung, die die Leute von der „Spinnerei“ zeitlich bereits vor Vattenfall selbst hatten untersuchen lassen. Dabei waren auch erhöhte Mengen an Mangan und Eisen festgestellt worden.

Klar ist: In diesem Wasser kann keinerlei Leben existieren. Weniger klar scheint die Ursache zu sein. Das Quellgebiet für die Struga liegt nordöstlich von Neustadt an den sogenannten Himmelsteichen, Überbleibseln des Kiesabbaus. Das Landratsamt hatte schon 2012 wissen lassen, ein nicht unwesentlicher Teil des Zustroms von Grundwasser käme aus dem Bereich der Innenkippe des Tagebaus Nochten. Und die Behörde bleibt dabei: „Der Zustand der Struga (...) rührt unseren Erkenntnissen zufolge aus der langen bergbaulichen Nutzung des Gebietes, die mit einer Absenkung des Grundwassers einhergeht. Nach Aufgabe des Bergbaus bis auf einzelne Tagebaue kommt es zu einem Wiederanstieg des Grundwassers, welches einen niedrigen pH-Wert hat und nunmehr aus dem Lockergestein dort enthaltene Stoffe löst, zum Beispiel Schwermetalle wie Nickel“, erklärt Gernot Schweitzer. Der Haken ist, dass der Tagebau Nochten noch in Betrieb ist – samt den Sümpfungsbrunnen.

Vattenfall scheint 2013 jedenfalls auch andere mögliche Ursachen zumindest nicht ausgeschlossen zu haben. Auf den im Unternehmensauftrag vom Lausitz-Märkischen Ingenieurbüro aus Welzow erstellten Analysekarten sind rund um die Himmelsteiche auch eine alte Hausmülldeponie der Gemeinde Schleife, eine Eisenerzdeponie, eine Bauschuttdeponie sowie eine „Altablagerung Neustadt“ eingezeichnet.

Wo immer die Schadstoffe jedoch herkommen, klar ist: Sie landen letztlich an der Struga-Mündung in der Spree. Das Landratsamt sieht allerdings keine Gefahr. Im Mittel führe der Fluss 14 400 Liter Wasser je Sekunde. Die Struga führe im selben Zeitpunkt aber nur gut zehn Liter zu. Das soll wohl heißen, dass die bedenklichen Stoffe in der Spree so stark verdünnt werden, dass auf die Menge gesehen zumindest hier keine Befürchtungen nötig sind.