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Dienstag, 05.06.2018

Die Stahl-Orgel ist da

Das Instrument steht seit Sonntag in der Stadtkirche. Es wird mit Orgelfesttagen und fünf Konzerten eingeweiht.

Von Elke Braun

Kantor René Michael Röder steht an der neuen Stahl-Orgel in der Waldheimer Stadtkirche. Das Instrument wird ab Donnerstag mit Konzerten an fünf unterschiedlichen Veranstaltungsorten eingeweiht.
Kantor René Michael Röder steht an der neuen Stahl-Orgel in der Waldheimer Stadtkirche. Das Instrument wird ab Donnerstag mit Konzerten an fünf unterschiedlichen Veranstaltungsorten eingeweiht.

© Dietmar Thomas

Waldheim. Kantor René Michael Röder ist Feuer und Flamme. „Dieser Klang!“ Immer wieder drückt er die Tasten der neuen Orgel und entlockt dem Instrument so die unterschiedlichsten Töne. „Eigentlich sind in der Orgel zwei Instrumente vereint“, sagt er. Das sogenannte Schnarrwerk erzeugt Töne, die wie Instrumente des Mittelalters klingen – sie schnarren, wie es der Name schon sagt. Eher an den Klang einer klassischen Orgel erinnern die Töne, die aus den Messing-Pfeifen kommen.

Mit elf Hebern kann der Kantor fünfeinhalb unterschiedliche Klangfarben erzeugen. „Durch den geringen Winddruck, den der Motor an den Blasebalg und dann an das Schnarrwerk und die Pfeifen weitergibt, hat des den Anschein, als schweben die Töne im Raum“, erklärt Röder. Die längste Pfeife des Registers misst 1,20 Meter und erzeugt das tiefe C, die kleinste ist gerade einmal zwei Zentimeter groß. „Bei den Maßen handelt es sich um die sogenannte schwingende Länge, das ist der Teil der Pfeife, wo der Ton entsteht“, erklärt der Kantor.

Der Dresdner Orgelbauer Marcus Stahl hat das Instrument extra für Waldheim und nach den Wünschen der Kirchgemeinde gebaut. Hauptsächlich war es der Kantor, der Stahl gegenüber seine Wünsche äußerte. Das Instrument wurde aus Eichenholz gefertigt und trägt Verzierungen aus Blattgold. Die hellen Tasten der Klaviatur bestehen aus Fliederholz, die dunklen aus Moor-Eiche. „Damit haben wir die einzige Orgel in Sachsen mit einer Klaviatur aus diesem Material“, sagt der Kantor stolz. Die Pfeifen stellte ein befreundeter Pfeifenbauer aus Göttingen nach den Anweisungen Stahls her.

Angeschafft wurde die Truhenorgel eigentlich für die Waldheimer Friedhofskapelle und zur Ergänzung des großen Instruments – der Kreuzbach-Orgel – in der Stadtkirche. Doch nicht nur dort kann sie gespielt werden. Die Orgel ist transportabel, zum einen durch Räder und andererseits durch einen hölzernen Rahmen und Tragegurte, mit denen sie wie eine Sänfte getragen werden kann. Das ist nicht leicht – immerhin bringt sie rund 100 Kilogramm auf die Waage – „aber es geht“, so Röder.

Insgesamt 60 000 Euro hat die Orgel gekostet. Daran beteiligten sich die Stadt und die François Maher Presley-Stiftung mit jeweils 3000 Euro. Den größten Teil finanzierte der Friedhof mit 25 000 Euro. Die Landeskirche nahm 10 000 Euro aus ihrem Fördertopf. Weitere 3 000 Euro stellten die Waldheimer Ober- und Förderschule im Rahmen einer Projektarbeit des Kantors zur Verfügung. Und auch sehr viele private Spenden sind schon eingegangen, sodass der Betrag fast vollständig ist. Der Rest solle nun noch bei den Orgelfesttagen eingespielt werden.

Festtage vom 7. bis 10. Juni

Marcus Stahl und der Waldheimer Kantor werden in den nächsten Tagen noch Feineinstellungen und Korrekturen am Instrument vornehmen. „Schließlich sollen auch die Kirchgemeinde und das Publikum vom fantastischen Klang überzeugt werden und die Vielfalt des Instrumentes entdecken“, sagt der Organist. Er weist vor allen Dingen darauf hin, dass sich Interessierte für das Konzert am Freitag, 8. Juni, 18 Uhr, in der Schlosskirche St. Otto der Justizvollzugsanstalt bis 5. Juni anmelden müssen. Bei diesem Konzert erklingt die Orgel zusammen mit einer Trompete, gespielt von Joachim Karl Schäfer aus Radebeul. Auch auf der Orgel der JVA-Kirche wird gespielt. Einlass ist von 17.15 bis 17.45 Uhr an der Torwache der JVA an der Dresdner Straße 1. Die Konzertbesucher müssen ein Personaldokument mitbringen und dürfen weder Handys noch Fotoapparate oder gefährliche Gegenstände mit in die JVA hinein nehmen.

Die Orgelfesttage beginnen aber bereits einen Tag früher. Am Donnerstag, 7. Juni um 18 Uhr wird die Orgel im großen Sitzungssaal des Rathauses erklingen. „Dies ist eine öffentliche Orgelprobe, und das Instrument wird vorgestellt“, sagt Röder. Erläuterungen geben der Orgelbauer selbst, der Orgelsachverständige Reimund Böhmig-Weißgerber aus Dresden und der Kantor. Die Karten kosten 10 Euro und sind ab 17.15 Uhr an der Abendkasse erhältlich.

Am Sonnabend, 9. Juni, gehen die Festtage in der Katholischen Kirche Waldheim weiter. Unter dem Motto „Orgel und Rotwein“ werden unter anderem 40 Vaterunser-Variationen von Johann Ulrich Steigleder gespielt (Eintritt frei, Kollekte).

Gleich zweimal ist die Truhenorgel am Sonntag, 10. Juni, zu hören. Um 10.30 Uhr beginnt der Festgottesdienst zur Orgelweihe mit Musik für zwei Orgeln in der Stadtkirche Waldheim. Im Anschluss sind der traditionelle Orgelschmaus und eine Prozession zur Friedhofskapelle geplant. In der Friedhofskapelle selbst erzeugt ab 14 Uhr Scotty Böttcher aus Dresden Klänge auf der Orgel, die wahrscheinlich so schnell nicht wieder zu hören sein werden. Das Konzert steht unter dem Motto „Improvisationen in Jazz“ (Eintritt frei, Kollekte).

Anmeldung für das Konzert am 8. Juni in der JVA unter Telefon 0173 3689496, per Mail unter sylke.friedrich@t-online.de oder auch direkt über den Kartenvorverkauf (12 Euro) im Pfarramt oder bei Juwelier Popko.

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