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Donnerstag, 13.09.2018

Die Sonne hat den Wind überholt

Bis 2022 müssen im Landkreis mindestens zwölf neue Windkraftanlagen wachsen. Einer von vielen spannenden Fakten im Klimaschutzbericht.

Von Jens Fritzsche

Einträglich nebeneinander: Sonne und Windräder in der Nähe von Kleinpraga. Mittlerweile wird im Landkreis mehr erneuerbare Energie aus der Sonne produziert als mithilfe von Windkraftanlagen.
Einträglich nebeneinander: Sonne und Windräder in der Nähe von Kleinpraga. Mittlerweile wird im Landkreis mehr erneuerbare Energie aus der Sonne produziert als mithilfe von Windkraftanlagen.

© Steffen Unger

Bautzen. Spätestens nach dem verheerenden Reaktorunglück in Fukushima und natürlich dem sogenannten Diesel-Skandal hat sich ein Wort zum Dauerbrenner entwickelt: Energiewende. Der Landkreis Bautzen hat dabei längst fleißig Hausaufgaben gemacht, wie ein Blick in den jetzt vorgelegten Energie- und Klimaschutzbericht des Kreises zeigt. Waren im Jahr 2000 im Kreisgebiet gerade mal 55 Anlagen zu finden, die Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewannen, sind es mittlerweile knapp 4 000. Über 553 400 Megawattstunden Strom werden so erzeugt. Zum Vergleich: Die Stadt Dresden verbraucht jährlich rund 705 000 Megawattstunden Strom.

Im Kreis konnte damit in den vergangenen Jahren der Ausstoß an Treibhausgas um ein Viertel gesenkt werden. Zudem liegt die erzeugte Menge erneuerbarer Energie mit 1 820 Kilowattstunden pro Jahr und Einwohner deutlich über dem Sachsen-Schnitt von 1 240 Kilowattstunden.

Dabei hat im Landkreis Bautzen sozusagen die Sonne den Wind überholt. Denn den größten Anteil an der hier produzierten erneuerbaren Energie machen mittlerweile Photovoltaikanlagen aus. Immerhin 245 480 Megawattstunden zapfen die insgesamt 3 738 Anlagen im Landkreis der Sonne ab. Dabei hatte 2010 noch die Windenergie mit 185 293 Megawattstunden jährlich deutlich den Hauptanteil ausgemacht. Doch während die Zahl der Windräder mit derzeit 95 Anlagen nahezu konstant blieb, hat das Thema Photovoltaik kräftig aufgeholt. Wobei laut der Vorgaben des Sächsischen Energie- und Klimaprogramms aus dem Jahr 2012 eigentlich ein spürbarer Zuwachs an Windrädern vorgeschrieben ist; auch im Landkreis Bautzen. Bis 2022 müssten hier demnach 19 neue Anlagen mit jeweils zwei Megawatt Leistung oder zwölf Anlagen mit je drei Megawatt errichtet werden. Allerdings ist der Neubau bekanntlich heftig umstritten; weshalb wohl eher der Weg des sogenannten Repowerings beschritten werden dürfte – die Leistungserhöhung bestehender Anlagen durch größere Windräder.

Nach wie vor kaum eine Rolle spielt das Thema Wasserkraft. Mit aktuell 23 Anlagen sind es nur unwesentlich mehr, als die 17 Anlagen im Jahr 2010. Wobei diese damals mit rund 5 700 Megawattstunden sogar noch mehr Energie erzeugten. Aktuell sind es 4 515 Megawattstunden pro Jahr. Nach der monatelangen Trockenheit in diesem Sommer dürfte es diesmal wohl noch weniger werden …