erweiterte Suche
Sonntag, 12.08.2018

Die Sammlung ist komplett

Von Daniel Klein

Mit perfekter Spannung bis in die Fußspitzen überzeugte Tina Punzel. Foto: Rex/Shutterstock
Mit perfekter Spannung bis in die Fußspitzen überzeugte Tina Punzel. Foto: Rex/Shutterstock

© WILL OLIVER/EPA-EFE/REX/Shutters

Am Sonntag war der Medaillensatz vom Dreimeter-Brett dann komplett. Nach Gold im Mixed und Bronze im Einzel gewann Tina Punzel noch Silber im Synchronspringen. „Vier Starts, drei Medaillen – das ist fast eine optimale Ausbeute“, rechnete die 23-jährige Dresdnerin vor. „Deshalb werde ich mich immer gerne an diese EM erinnern.“ Es ist bisher ihre erfolgreichste, vor vier Jahren in Berlin hatte sie ebenfalls drei Medaillen gewonnen, da war die Sammlung mit einmal Silber und zweimal Bronze aber nicht vollständig.

Mit den drei Podestplätzen ist Punzel nicht nur die beste deutsche Wasserspringerin, zusammen mit dem Schwimm-Traumpaar Florian Wellbrock und Sarah Köhler sowie Bahnradsportler Stefan Bötticher gehört sie damit innerhalb der deutschen Mannschaft zum erfolgreichsten Quartett bei den ersten European Championships.

Nicht nur mit der Medaillenausbeute darf die Sportsoldatin und Studentin mehr als zufrieden sein, am Samstag hatten ihr beim Einzel 3,54 Millionen Zuschauer im ZDF zugeschaut. Das ist für eine Wassersprung-Europameisterschaft ein unglaublicher Wert. Sonst begrenzt sich das mediale Interesse an den Titelkämpfen auf lokale TV-Sender und regionale Tageszeitungen, im Glücksfall überträgt der Spartensender Eurosport. Aber live im Vorabendprogramm von ARD und ZDF? „Die Quoten zeigen, dass sich die Leute auch eine Randsportart wie Wasserspringen gerne ansehen“, frohlockte Bundestrainer Lutz Buschkow und verteilte einen kleinen Seitenhieb auf die sonst desinteressierten Anstalten.

Der Name Tina Punzel ist nun jedenfalls ein bisschen bekannter als zuvor. Nach dem Einzelfinale hatte sie ihren britischen Konkurrentinnen fair und freundlich gratuliert, das nur hauchdünn verpasste Gold ärgerte sie fast gar nicht. „Ich bin super happy mit Bronze. Ich wollte diese Einzelmedaille unbedingt“, sagte die Springerin vom Dresdner SC. In einem Herzschlagfinale fehlten ihr nur 4,75 Punkte. Die Überraschungs-Europameisterin von 2013 leistete sich keine größeren Fehler, für den Sprung nach ganz oben fehlte ihr aber der Ausreißer nach oben. Punzel, die im Einmeter-Finale mit einem verpatzten Zweieinhalb-Auerbachsalto das mögliche Gold im letzten Durchgang noch aus den Händen gegeben hatte und nur Vierte geworden war, zeigte sich erneut in guter Verfassung. Die beiden anderen Dresdner haderten dagegen ein wenig mit ihrem Abschneiden. Louisa Stawczynski hatte den Wettbewerb vom Einmeter-Brett als Elfte beendet, Timo Barthel kam vom Turm nicht über die Plätze vier (Synchron) und acht (Einzel) hinaus.

Vereinskollege Martin Wolfram fehlte bei der EM ebenso wie der Leipziger Stephan Feck, Rekordeuropameister Patrick Hausding aus Berlin war wegen seiner Oberschenkelverletzung, die er sich beim abschließenden Lehrgang in Dresden zugezogen hatte, weit von seiner Topform entfernt. Trotzdem fischten die deutschen Springer acht Medaillen aus dem Becken in Edinburgh. „Das ist eine Ausbeute, die uns sehr, sehr stolz macht“, sagte Buschkow.

Mit Blick auf die WM 2019 im südkoreanischen Gwangju und die Olympischen Spiele ein Jahr später ist Buschkow zuversichtlich. „Wir sind in Europa Top drei und in der Welt gehören wir zu den Top sechs“, sagte er. „Daher sind wir auf einem guten Weg Richtung Olympia in Tokio 2020.“ Der Bundestrainer hofft, dass dann auch die Verletzten wieder fit sind, auf den Kampfgeist seiner Sportler kann er sich in jedem Fall verlassen. (mit sid)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.