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Dienstag, 11.09.2018

„Die Regionen beiderseits der Grenze wachsen zusammen“

Der Gastauftritt des Landkreises zum Sommerfest des Freistaates in Prag am Wochenende wird eine Premiere. Was das der Region bringt.

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Das Jugendblasorchester Sebnitz wird beim Sommerfest in Prag für stimmungsvolle Unterhaltung sorgen.
Das Jugendblasorchester Sebnitz wird beim Sommerfest in Prag für stimmungsvolle Unterhaltung sorgen.

© Archivfoto: Daniel Förster

  • Das Jugendblasorchester Sebnitz wird beim Sommerfest in Prag für stimmungsvolle Unterhaltung sorgen.
    Das Jugendblasorchester Sebnitz wird beim Sommerfest in Prag für stimmungsvolle Unterhaltung sorgen.
  • Unser Gesprächspartner: Michael Geisler (CDU) ist 58 Jahre alt und von Beruf Lehrer. Seit 14 Jahren ist er Landrat, zuerst in der Sächsischen Schweiz, nach der Gebietsreform im fusionierten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er wohnt mit seiner Familie in Struppen.
    Unser Gesprächspartner: Michael Geisler (CDU) ist 58 Jahre alt und von Beruf Lehrer. Seit 14 Jahren ist er Landrat, zuerst in der Sächsischen Schweiz, nach der Gebietsreform im fusionierten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er wohnt mit seiner Familie in Struppen.

Pirna/Prag. Die SZ sprach mit Landrat Michael Geisler (CDU) über die erste Teilnahme des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am jährlichen Sommerfest des Freistaates Sachsen im Nachbarland.

Herr Geisler, zum Sommerfest des Freistaates im Prager Verbindungsbüro präsentiert sich der Landkreis am 14. und 15. September. Wie kam es dazu?

Ich denke, das jährliche Sommerfest ist eine gute Gelegenheit, uns als gute Nachbarn vorzustellen und bei der Prager Bevölkerung für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge zu werben. Wir sind übrigens der einzige Landkreis, der sich in diesem Rahmen noch nicht präsentiert hat. Also wollen wir die Chance nutzen.

Was erwartet die Gäste?

Wir haben ein buntes Programm für alle Sinne zusammengestellt. Für gute Laune sorgen unter anderem Beat Basement von der Musikschule Sächsische Schweiz, die Galaband Fridjof Laubner und das Jugendblasorchester Sebnitz. Zu sehen gibt es Bilderimpressionen aus dem Landkreis und kulinarisch wird etwa das Romantikhotel Deutsches Haus Pirna mit Sauerbratensuppe und Krautwickel die Gäste verwöhnen. Dazu wird Bier aus der Schmik’schen Brauerei gereicht. Das wird doch für die Prager interessant sein, mal ein anderes Bier zu probieren.

Sommerfest in Prag

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Wo? In der Ulice U Luzickeho seminare 13, 11800 Prag

Wann? Am Freitag, 14. September, 18 bis 21 Uhr, und am Sonnabend,
15. September, 12 bis 19 Uhr

Was? Kultur, Kulinarisches und Unterhaltung

Wer? Ausrichter ist der Freistaat Sachsen, Partner sind neben dem Landkreis u.a. die Tourismusverbände Sächsische Schweiz und Erzgebirge, die beiden Nationalparks, die regionalen Botschafter Capron und Bärenhecke, die Wintersport Altenberg GmbH, Ostsächsische Sparkasse Dresden und die Toskanaworld GmbH.

Wie viel? Der Eintritt ist frei. (SZ)

Nun kooperieren der Landkreis und die Nachbarregion Nordböhmen schon lange. Wie zufrieden sind Sie mit dem Erreichten?

Ob Tourismus, Verkehr oder Katastrophenschutz – beide Seiten arbeiten eng zusammen. Beispiele dafür sind etwa der direkte Austausch zwischen den Nationalparks auch auf persönlicher Ebene oder die gemeinsamen Katastrophenschutzübungen an der Autobahn. Die Regionen beiderseits der Grenze wachsen zusammen. Nicht so schnell, wie das etwa zwischen Frankreich und Deutschland oder Holland und Deutschland der Fall war, aber wir sind auf einem guten Weg.

Wirtschaftlich würde aber noch mehr gehen, oder?

Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der tschechischen Arbeitnehmer im Landkreis fast versechsfacht und liegt nun bei etwa 1 300. Insbesondere in der Gastronomie wurden große Hoffnungen in den Arbeitskräftezuzug aus dem Nachbarland gesetzt, aber Arbeitnehmer werden natürlich auch in Tschechien benötigt. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich Tschechien selbst wirtschaftlich sehr gut entwickelt hat. Beeindruckend jedenfalls ist der Einkaufstourismus, der sich nach Sachsen richtet.

Wo aber gibt es noch Potenzial?

Die Sparkasse zum Beispiel sucht immer nach Projekten, die sie jenseits der Grenze finanzieren kann. Dass dies nicht einfach ist, liegt mehr an der deutschen Bürokratie als an den Tschechen. Die Österreicher schaffen es doch auch, in Tschechien als Geldgeber präsent zu sein.

Ein weiterer Ausbau der Elbe als Wasserstraße ist ein Wunsch, der vor allem von der tschechischen Seite aufrechterhalten wird. Können Sie das nachvollziehen?

Im Hintergrund stehen starke wirtschaftliche Interessen, die etwa an Investitionen hängen, die bereits in Häfen und andere Anlagen getätigt wurden, auch in Deutschland. Die Naturschutzbedenken müssen aber mindestens gleichwertig mit den wirtschaftlichen Überlegungen behandelt werden. Am Ende könnte eine Kompromisslösung stehen – etwa ein Einsatz von Schiffen, die eine hohe Tonnage bieten, aber nicht auf eine tiefere Fahrrinne angewiesen sind.

Das Gespräch führte Domokos Szabó