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Dienstag, 10.06.2014

Die Puhdys lassen den Hutberg beben

Und das doch nicht zum letzten Mal: Auf der Abschiedstour 2015 soll es ein Doppelkonzert geben. Das wäre auch diesmal gut gewesen. Nicht alle kamen rein.

Von Kerstin Unterstein

Rappelvoll war der Hutberg beim Auftritt der Puhdys am Pfingstsonnabend. Die Kultrocker spielten bekannte Lieder wie „Alt wie ein Baum“ oder „Wenn ein Mensch lebt“, aber auch unbekannte Titel.Der Auftritt der Puhdys ist der jährliche Höhepunkt der Konzertsaison in Kamenz. 8.000 Zuhörer waren bei dem Konzert dabei.
Rappelvoll war der Hutberg beim Auftritt der Puhdys am Pfingstsonnabend. Die Kultrocker spielten bekannte Lieder wie „Alt wie ein Baum“ oder „Wenn ein Mensch lebt“, aber auch unbekannte Titel. Der Auftritt der Puhdys ist der jährliche Höhepunkt der Konzertsaison in Kamenz. 8.000 Zuhörer waren bei dem Konzert dabei.

© Matthias Schumann

Pfingstsonnabend auf dem Hutberg – natürlich, die Puhdys kommen. Aber seit die Meldungen über das baldige Band-Ende der Ostrocker nicht abreißen und sogar eine große Abschiedstour auf dem Programm steht, wissen die Fans: das Kamenzer Konzert wird eins der Letzten sein. So war es auch kaum verwunderlich, dass der Kartenvorverkauf, gepaart mit allerbesten Wettervoraussagen, boomte. Bereits 19 Uhr musste Frank Hohlfeld am Sonnabend die Schilder „Konzert komplett ausverkauft“ anbringen. Später würde er verkünden können, dass mit 8 000 Besuchern die Hutbergbühne wirklich knackevoll war. Für mehrere Dutzend traurige Menschen führte der Weg mit den Sitzkissen unterm Arm allerdings noch bei Tageslicht wieder bergab. Andere entschieden sich, nur zuzuhören und schlugen in der Nähe des Eingangs ihre Lager auf.

Zu dieser Zeit befanden sich die fünf Musiker gerade nach einer Ruhepause im Hotel auf dem Weg zurück auf den Hutberg, wo sie bereits am Nachmittag beim Soundcheck ihr „Wohnzimmer“ für das 29. Kamenzer Konzert präpariert hatten. Für die SZ nahmen sich Quaster (Dieter Hertrampf) und Eingehängt (Peter Meyer) hinter den Kulissen ein paar Minuten Zeit für ein entspanntes Gespräch. Die aktuelle Stimmungslage fasste Peter Meyer dabei so zusammen: „Wir verspüren das jährliche, ehrliche Gefühl der Vorfreude auf das Konzert in Kamenz“. Natürlich konnte die Frage nicht ausgespart bleiben, ob man nach über 45 Jahren Puhdys einfach so loslassen kann. Der älteste Puhdy war auch darauf gut vorbereitet und antwortete: „Wir haben ja noch anderthalb Jahre Zeit, um immer trauriger zu werden und uns daran zu gewöhnen.“ Gerade Quaster und Eingehängt wollten von einem möglichen Comeback nach dem Abschied nichts wissen und verwiesen vielmehr darauf, sich ihren Lebensabend auf dem Wasser auf ihren Booten auch ganz gut vorstellen zu können. Gesprochen wurde ebenfalls über Kamenzer Erinnerungen, so das Entstehen des ersten Musikvideos - es muss wohl 1977 gewesen sein, als Dieter Birr seinen legendären Sprung vom Klostertor wagte. Auch mit dieser Geschichte, da waren sich Hertrampf und Meyer einig, habe es zu tun, dass die Band gerade in Kamenz so toll Fuß gefasst hat und Jahr für Jahr Tausende Fans auf den Hutberg zieht.

Die große Überraschung durfte dann kurz nach 21 Uhr Frank Hohlfeld vom Kamenzer Kulturbetrieb selbst auf der Bühne verkünden, nachdem er vom Puhdys-Tour-Manager als derjenige angekündigt wurde, „ohne den der Laden hier auf dem Hutberg nicht läuft“. Hohlfeld machte es dann spannend: „Zuerst die gute Nachricht - die Puhdys stehen hinter der Bühne bereit. Jetzt die sehr gute Nachricht - sie kommen nächstes Jahr wieder nach Kamenz.“ Was dann kam, sorgte für ohrenbetäubenden Jubel: „Es folgt die alles überragende Nachricht - sie spielen nächstes Jahr am Pfingstsonnabend und Pfingstsonntag gleich zwei Konzerte auf dem Hutberg.“ Für die ganz harten Fans werde es sogar ein günstigeres Kombi-Ticket für beide Tage geben. Der Vorverkauf starte bereits in vier Wochen. Damit war eine geniale Stimmung für die nächsten 180 Minuten vorprogrammiert, in denen die Puhdys ihr Publikum nicht enttäuschten und sogar in einigen Momenten überraschten. Einer Fan-Abstimmung im Internet folgend, sangen sie auch Titel, die nicht zu allen Konzerten zu hören waren. So gab es zahlreiche stille Momente in dem prall gefüllten Areal. Wie immer lautstark ging es bei den großen Hits zu, als die Menschen aus vollen Kehlen bei „Wenn ein Mensch lebt“ oder „Alt wie ein Baum“ mit- oder allein sangen. Das seit 1984 mahnende Lied „Das Buch“ bildete erneut ein Gänsehaut-Finale mit Feuerzeugen, Wunderkerzen und sich in den Armen haltenden Puhdys-Anhängern. Unter die Gute-Laune-Stimmung nach der gewünschten Zugabe „Hey, wir woll’n die Eisbär’n sehn“ mischte sich bei vielen Fans natürlich auch Wehmut, verbunden mit der Frage, wer wohl die neuen Zugpferde auf der Kamenzer Hutbergbühne werden können. Schließlich waren die Puhdys-Konzerte immer bestens besucht - zumindest das kommende Pfingstfest ist noch gerettet.