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Donnerstag, 13.09.2018

Die Probleme der Späteinsteiger

Maik Walpurgis ist nicht der erste Trainer, der bei Dynamo nach Saisonbeginn einspringt. Die Erfolgsquote ist nicht die beste.

Von Daniel Klein

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Erst Aufstieg, dann Klassenerhalt – lange lief es gut für Ralf Loose in Dresden.
Erst Aufstieg, dann Klassenerhalt – lange lief es gut für Ralf Loose in Dresden.

© Robert Michael

  • Erst Aufstieg, dann Klassenerhalt – lange lief es gut für Ralf Loose in Dresden.
    Erst Aufstieg, dann Klassenerhalt – lange lief es gut für Ralf Loose in Dresden.
  • Abstieg am letzten Spieltag – danach musste Olaf Janßen gehen.
    Abstieg am letzten Spieltag – danach musste Olaf Janßen gehen.
  • Erst im zweiten Anlauf – funktionierte Peter Pacult als Retter.
    Erst im zweiten Anlauf – funktionierte Peter Pacult als Retter.

Zwei englische Wochen, fünf Spiele innerhalb von 17 Tagen warten auf Dynamo und den neuen Trainer Maik Walpurgis. Zieht man die Fahrt- oder Flugzeiten und die Regenerationsphasen ab, bleibt fast keine Zeit mehr für Übungseinheiten. Dabei wären die gerade so wichtig. Der Nachfolger von Uwe Neuhaus muss nicht nur sämtliche Spieler kennenlernen, er will auch so schnell wie möglich seine Ideen umsetzen und mit der Mannschaft einstudieren. Das geht nur auf dem Trainingsplatz. Walpurgis ordnet das Eingewöhnen unter verschärftem Wettkampfmodus als Herausforderung ein.

Es ist jedoch nicht die Einzige. Der Kader und der Betreuerstab wurden im Sommer zusammengestellt, also nicht von ihm. Ändern kann der 44-Jährige frühestens in der Winterpause etwas. Bis dahin muss er mit dem Gegebenen klarkommen. Auch das könnte zu einer Herausforderung werden – etwa, wenn die Spielertypen nicht zu seinem System passen. Allerdings dürfte dies ein wichtiger Punkt bei den Verhandlungen mit den Sportdirektoren Ralf Minge und Kristian Walter gewesen sein. Walpurgis jedenfalls lobt die Transferpolitik seines neuen Arbeitgebers ausdrücklich. Er und seine beiden Co-Trainer hätten den Kader analysiert, und der sei „sehr gut zusammengestellt“. Eine andere Aussage hätte allerdings auch verwundert.

Ideal ist die Konstellation trotz allem nicht. Das zeigt auch ein Blick in die jüngere Dynamo-Geschichte. Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren trat Olaf Janßen seinen Dienst bei den Schwarz-Gelben an. Die waren nach sechs Spieltagen und mit lediglich drei Punkten Tabellenletzter. Zunächst lief es gut, in elf Partien holte Dynamo unter seiner Regie 17 Zähler. Doch in der Rückrunde rutschte die Mannschaft erst ab, nach der 2:3-Heimniederlage gegen Bielefeld stieg sie auch ab.

Janßen hatte von seinen Vorgängern einen Kader geerbt, in dem es eine große französisch sprechende Gruppe gab. Die sei „eine Mannschaft in der Mannschaft“ gewesen, räumte er rückblickend ein. Zudem hätte er strenger die Grundsätze durchsetzen müssen und sei zu viele Kompromisse eingegangen. Anders formuliert: Janßen, der nun Co-Trainer beim VfL Wolfsburg ist, war zu brav für ein gespaltenes Team.

Aus anderen Gründen endete die erste Amtszeit von Peter Pacult in Dresden, doch auch der Österreicher konnte den Zweitliga-Abstieg 2006 nicht verhindern. Allerdings war er erst kurz vor dem Jahreswechsel als Retter geholt worden, hatte also weniger Zeit. Sechs Jahre später wurde Pacult kurz vor Weihnachten verpflichtet, diesmal schaffte es Dynamo in die Relegation und verhinderte den Abstieg. In der neuen Saison war nach vier Spieltagen Schluss. Zuletzt arbeitete Pacult in Albanien.

Es gibt jedoch auch ein Positivbeispiel. Als Ralf Loose im April 2011 an seinem ersten Arbeitstag in der Kabine fragte, wer noch an den Aufstieg glaubt, ging kein einziger Finger nach oben. Der Optimismus kehrte rasch zurück, nach einer Aufholjagd gelang die Rückkehr in die zweite Liga. Loose wurde auch in der neuen Saison gefeiert, weil der Klassenerhalt nie in Gefahr geriet. Als die Erfolge dann aber ausblieben und er die Lage schönredete, musste er gehen. Derzeit trainiert er den FC Winterthur in der Schweiz.

Walpurgis wurde nicht als Retter geholt, der Begriff wäre unpassend. Seine Aufgabe ähnelt aber der seiner Vorgänger, die auch mitten in der Saison ihr Amt antraten: Er soll die Mannschaft stabilisieren und helfen, das Saisonziel zu erreichen. Das wurde noch von Neuhaus mit 47 Punkten definiert. „Damit können wir uns absolut identifizieren“, so Walpurgis. „Der Klassenerhalt muss natürlich die Basis sein.“

Dafür wären Siege in den nächsten zwei Wochen wichtig, am besten schon am Freitag in Regensburg. „Die nächsten Tage, Wochen und Monate werden ein Anpassungsprozess sein. Aber wir wollen schon die ersten Pflöcke einschlagen“, sagt er.

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