erweiterte Suche
Donnerstag, 17.05.2018

Die Polizei plant mehr Blitzereinsätze

Die Zahl der Schwerverletzten bei Unfällen hat zugenommen. Raserei ist dabei noch nicht einmal die Hauptursache.

Von Christoph Springer

13

Einer von vier Dresdner Verkehrstoten ließ sein Leben im September 2017 auf der Bautzner Straße.
Einer von vier Dresdner Verkehrstoten ließ sein Leben im September 2017 auf der Bautzner Straße.

© Roland Halkasch

Der 36-Jährige hatte keine Überlebenschance. Als er am 2. September 2017 am Weißen Adler nahe der Straßenbahnhaltestelle die Bautzner Landstraße überquerte, war es schon dunkel. Richtung Innenstadt fuhr ein 43-Jähriger mit einem VW Golf. Das Auto erfasste den Fußgänger. Der 36-Jährige schlug heftig auf der Motorhaube und Frontscheibe auf. Der Rettungsdienst brachte ihn schnell ins Krankenhaus, dort war eine Notoperation geplant. Doch die Mediziner konnten ihm nicht mehr helfen. Der Mann überlebte den Unfall nicht. Das war einer von vier tödlichen Verkehrsunfällen, die sich im vergangenen Jahr in Dresden ereignet haben. Die Polizeistatistik belegt: Die Zahl solch schwerer Unglücke ist deutlich gesunken.

Pro Tag registriert die Polizei in der Stadt fast 40 Unfälle

In den vergangenen sechs Jahren haben sich die Unfallzahlen in Dresden kaum verändert. 14 483 Zusammenstöße registrierten die Beamten 2017. Das entspricht knapp 40 Zusammenstößen pro Tag. Mehr als 15 000 waren es zuletzt 2011. Seitdem pendelt die Zahl zwischen knapp 14 500 und reichlich 14 900. Das ist eine gute Nachricht, denn die Zahl der Fahrzeuge, die in Dresden zugelassen waren, ist im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen. 2012 waren es laut der aktuellen Rathausstatistik rund 243 700 und Ende 2016 bereits über 13 000 mehr.

Seit drei Jahren sinkt die Zahl der Verkehrstoten

Auch das ist eine gute Nachricht: Von 2015 bis 2017 hat die Zahl der Unfalltoten stetig abgenommen. Elf waren es 2015, vier im letzten Jahr. Ein Trend lässt sich allerdings nicht ablesen. Dazu sind die Fallzahlen zu gering. Außerdem zeigt die Statistik, dass die Zahl der tödlich Verunglückten auch 2014 niedrig war. Damals kamen auf den Dresdner Straßen fünf Menschen ums Leben. 2010 gab es sogar nur einen einzigen Verkehrstoten.

Mehr Radarkontrollen sollen die Straßen sicherer machen

Gerald Baier, der Chef der Dresdner Verkehrspolizei, will die Zahl der Kontrolleinsätze auf den Dresdner Straßen weiter steigern. Das trägt dazu bei, Unfälle zu verhindern, ist er überzeugt. 1 450 mal haben die Beamten 2016 ihre Blitzer im gesamten Einsatzgebiet der Direktion aufgebaut und dabei reichlich 32 500 Raser erwischt. Im vergangenen Jahr steigerten sie die Zahl solcher Einsätze. Bei fast 2 200 Geschwindigkeitskontrollen gingen ihnen knapp 43 200 Raser ins Netz.

Dass solche Einsätze nötig sind, belegt nach Baiers Ansicht die steigende Anzahl Schwerverletzter bei Unfällen. 390 waren es 2016, 408 im vergangenen Jahr. Dazu gehörten auch 38 Kinder, die als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs waren oder in Autos mitgefahren sind. Insgesamt ist die Zahl der Verletzten aber leicht gesunken, von 2 581 im Jahr 2016 auf 2 509 im vergangenen Jahr. Das liegt an verbesserten Sicherheitseinrichtungen in den Fahrzeugen, ist Baier überzeugt. Dazu gehören unter anderem neuere Airbags und Sensoren, die die Autofahrer aktiv unterstützen.

Die Autobahnen werden immer gefährlicher

Das Einsatzgebiet der Dresdner Autobahnpolizei umfasst rund 125 Kilometer auf der A4, der A13 und der A17. Es reicht vom Dreieck Nossen bis etwa Ottendorf-Okrilla, vom Dreieck Dresden-Nord bis zur Landesgrenze mit Brandenburg und vom Dreieck Dresden-West bis zur tschechischen Grenze. Die Zahl der Unfälle auf diesen drei Teilstücken ist seit 2012 stetig gestiegen. 2017 zählten die Beamten 1 839 Zusammenstöße mit 319 Verletzten. Ein Mensch kam ums Leben. Baier führt diesen Anstieg auf die steigende Zahl der Autos auf den Autobahnen zurück. Allein auf der A4 sind es mittlerweile mehr als 100 000 am Tag. Dieser Entwicklung wollen die Beamten weitere Lkw-Kontrollen entgegensetzen. Außerdem sollen Gefahrenquellen wie etwa Baustellen besonders überwacht werden, kündigt der 41-Jährige an.

Die Hauptunfallursachen haben sich nicht verändert

Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren führen besonders häufig zu Unfällen. Das belegt bereits die Statistik für 2015, das gilt aber auch für 2016 und 2017. Jeweils weit mehr als 2 000 Unfälle wurden so verursacht. Platz 2 der häufigsten Unfallursachen belegt in allen drei Jahren zu geringer Sicherheitsabstand. Mehr als 1 640 Auffahrunfälle registrierte die Polizei allein im vergangenen Jahr. Ebenfalls vierstellig ist die Zahl der Unfälle, die auf Vorfahrtsfehler zurückzuführen war. Auch das gilt für alle drei Jahre. Raser haben 2017 in Dresden 646 mal die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren und Unfälle verursacht. Ähnliche Zahlen meldete die Polizei bereits für 2015 und 2016.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 3

Insgesamt 13 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Pendlerin

    Mehr Blitzereinsätze nützen gar nix, wenn immer nur an einschlägig bekannten Stellen geblitzt wird. Mehr mobile Kontrollen wären da hilfreicher! Vor allem auf der Autobahn in Stadtnähe, auf der sich die Wenigsten an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten. Vor allem die elektronischen Anzeigetafeln werden geflissentlich ignoriert. So wie gestern auf der A4 von Dresden Nord Richtung Elbe Park. Aufgrund des dortigen beginnenden Staus wurden ab Dresden Nord 60 und ein Überholverbot angezeigt. Ich war die Einzige, die wenigstens auf 80 drosselte, und wurde promt von einem wild hupenden LKW überholt!!

  2. Dresdner Bürger

    Die Hauptunfallursachen haben sich nicht verändert; Fehler beim Abbiegen, Wenden, Vorfahrtsfehler - da gilt es auch, die Kraftfahrer weniger zu nerven und flüssigen Verkehr zu gestalten! Sorry, wir haben in DD eine Verkehrs Hochschule, aber signifikant zu wenig Kreisverkehr bspw.!

  3. hugo

    Wir haben in Dresden seit 26 Jahren keine Verkehrshochschule mehr, nur noch eine Fakultät Verkehrswissenschaften an der TU. Auf der Autobahn wären Abstandsmessungen sinnvoller. Rund um Dresden sollte man jede Brücke dafür heranziehen.

  4. Lehmann

    Wie man in anderen Medien lesen konnte, ist die Anzahl der verunfallten Radfahrer gegen den Trend um über 10% gestiegen. Wieso setzt man nicht da mal mit Kontrollen an?

  5. Radebeuler

    Auffallend ist, dass die wenigsten Autofahrer rechtzeitig blinken, wenn sie es überhaupt tun. Auch Spurwechsel beim Überholen müssen angezeigt werden. Und es wird beim Abbiegen die Gegenspur geschnitten. Man könnte fast meinen, dass kaum noch jemand die immer länger und breiter werdenden Fahrzeuge richtig beherrscht. --- Was wurde eigentlich aus der Idee die Fahrerlaubnis mit Ablaufdatum und zwingenden Wiederholschulungen zu versehen? Das würde zumindest die unzuverlässigsten und unfähigsten Fahrzeuglenker aus dem Verkehr rausziehen.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 3

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.