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Donnerstag, 15.02.2018 Serie: Mach was für Dresden

Die Parkplatz-Sucher

Zwei Studenten haben ein Handyprogramm geschrieben, das freie Plätze anzeigt und die Zukunft vorhersagt.

Von Sandro Rahrisch

Mach was!

Sie haben die App entwickelt: Kilian Költzsch (l.) und Johannes Kliemann
Sie haben die App entwickelt: Kilian Költzsch (l.) und Johannes Kliemann

© Christian Juppe

Vorm Karstadt ist die Hölle los. Der Parkplatz: dicht. Die Straße davor ist es auch. Autofahrer warten ausdauernd, dass sich die Schranke hebt. Das Blech staut sich bis zum Margonhaus – ein gewöhnlicher Samstagmittag im Dresdner Zentrum. Hätten sich die Fahrer mal das Programm von Johannes Kliemann und Kilian Költzsch aufs Handy geladen. Womöglich hätten sie gleich ein anderes Parkhaus angesteuert.

ParkenDD“ heißt die kostenlose App der beiden Dresdner Studenten. Sie zeigt, wo gerade wie viele Stellplätze frei sind – von A wie Altmarkt-Galerie bis W wie Wiener Platz. Über Farben bekommen Nutzer schnell einen Überblick, wo sie noch Chancen haben. Volle Plätze sind rot gefärbt. Parkhäuser, in denen freie Flächen knapp werden, sind gelb dargestellt. Und Grün zeigt an, dass man sich keine Sorgen machen muss, sein Auto während des Einkaufsbummels loszubekommen.

Neu ist diese Technik nicht: Die Stadt veröffentlicht auch Echtzeit-Daten auf ihrer Homepage. Allerdings bietet Dresden kein Programm, das sich einfach auf dem Handy öffnen lässt. Man müsste die Internetseite erst aufrufen. Und noch einen praktischen Vorteil hat die App: Sie kann die Auslastung der Innenstadt-Parkplätze vorhersagen. So können Autofahrer schon heute schauen, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten sie das Parkdeck auf der Centrum-Galerie meiden sollten. Die Prognose reicht bis Weihnachten. Gut für auswärtige Besucher: Mit einem Fingertipp können sie sich auf einer Karte zeigen lassen, wie sie zu ihrem Dresdner Wunsch-Parkhaus gelangen.

Mach was!

Wer etwas vom Programmieren versteht und Ideen für Apps hat, die auf bestehenden Geo-, Verkehrslage- und Betriebsdaten basieren, kann sich an das Projekt Excell-Mobility wenden: www.excell-mobility.de

Die Daten für die Echtzeit-Anzeige werden von der Landeshauptstadt öffentlich zur Verfügung gestellt. Für die App werden sie automatisch erfasst und gesammelt. Das passiert über das Pilotprojekt „Excell Mobility“, an dem mehrere Universitäten beteiligt sind, auch die Dresdner.

Speziell für die Vorhersage gilt: Je mehr Daten aus den vergangenen Jahren zur Verfügung stehen, umso genauer wird die Prognose. Zumindest ist das für die Innenstadt-Parkhäuser der Fall. „Außerhalb der City wird es schwierig“, sagt Kliemann. Zu unregelmäßig sei dort das Nutzungsverhalten, etwa im Parkhaus Mitte. Bei der Centrum-Galerie zeigten sich dagegen immer wiederkehrende Muster, die auch durch die Öffnungszeiten der Geschäfte bestimmt werden. Über einen Algorithmus wird dann die Nachfrage prognostiziert, auch feiertagsabhängig.

Inzwischen haben rund 1 000 Menschen die App auf ihrem Handy, sagen Kliemann und Költzsch. Um die 20 Zugriffe zählen sie pro Woche. Mit Ausnahme der Adventszeit. Im Dezember griffen Nutzer wöchentlich über 400-mal zu. Zweidrittel kämen aus Tschechien. Überhaupt sei die App vor allem für auswärtige Besucher gedacht. „Ich habe auch einen Führerschein, nutze das Programm als Einheimischer aber so gut wie nie“, so Kliemann. Schließlich kenne man als Dresdner die besten Stellen. In den letzten Jahren haben sie weitere Städte hinzugefügt, Zürich, Ingolstadt und Hamburg zum Beispiel.

Geld verdienen die beiden Programmierer mit der App nicht. „Im Gegenteil, wir geben eher was aus“, sagen Kliemann und Költzsch, die vor zweieinhalb Jahren auf eigene Faust ausprobieren wollten, was man mit Verkehrsdaten anstellen kann, die frei verfügbar im Internet zu finden sind. „Wir denken, es ist nicht das Schlechteste, was dabei herausgekommen ist.“ „ParkenDD“ spart Autofahrern nicht nur Zeit. Wer sich gar nicht erst in die Schlange vorm vollen Parkplatz einreiht, pustet außerdem weniger Schadstoffe in die Luft.

Ob das Programm eine Zukunft hat, wissen die jungen Dresdner nicht. Da sind zum einen die großen Autohersteller. Ihr Plan: Sensoren im Auto registrieren im Vorbeifahren freie Parklücken an den Straßenrändern und geben diese Informationen an andere Autofahrer weiter, die einen Platz für ihren Wagen suchen. Das könnte die App der Studenten schnell überflüssig machen. „Diese Unternehmen haben viel mehr Ressourcen zur Verfügung.“ Eine weitere Hürde: Johannes Kliemann, 24 Jahre alt, schreibt bald seine Abschlussarbeit und wird anschließend in der IT-Branche arbeiten. Viel Zeit bleibt dann nicht mehr, die App zu pflegen. Auch der 25-jährige Kilian Költzsch ist gerade dabei, seinen Abschluss zu machen.


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