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Freitag, 15.06.2018

Die Olympiasiegerinnen im Fokus

Von Michaela Widder

Auf dem Altmarkt in Dresden wird ab Freitag wieder gebaggert. Am Start sind auch einige Nationalteams.
Auf dem Altmarkt in Dresden wird ab Freitag wieder gebaggert. Am Start sind auch einige Nationalteams.

© Robert Michael

Es ist ein spezieller Gruß nach Watutinki. Ihr mit einem Fußballbild bemalter Babybauch soll der Nationalmannschaft Glück bringen. „Alle vier Daumen sind gedrückt. Ich hoffe, dass es wieder ein kleines Sommermärchen wird“, übermittelte Laura Ludwig, die ja ihr „persönliches Sommermärchen“ vor sich hat. Die 32 Jahre alte Beachvolleyball-Olympiasiegerin erwartet in den nächsten Tagen ihr erstes Kind, einen Jungen, und fiebert trotzdem mit den Fußballern mit. „Ich bin gespannt, wie der Titelverteidiger mit dem Druck und den Erwartungen umgeht – wir stehen 2019 ja vor der gleichen Aufgabe.“

Ihre Karriere will Ludwig also nur kurz unterbrechen und noch in diesem Jahr ins Beachtraining einsteigen, um bei der Heim-WM in Hamburg im Sommer 2019 mit ihrer Partnerin Kira Walkenhorst wieder topfit zu sein. „Laura und Kira bleiben, wenn sie gesund sind, unser Topteam für Tokio 2020“, sagte Niclas Hildebrand, seit Februar beim Verband als Sportdirektor für Beachvolleyball verantwortlich, dem Hamburger Abendblatt. Das Duo war 2017 Weltmeister geworden, obwohl es im Vorfeld wegen verschiedener Verletzungen kaum zusammenspielen konnte. „Das allein“, betont Hildebrand, „zeigt schon ihre außergewöhnliche Klasse.“

Walkenhorst hat nach langer Verletzungspause am vergangenen Wochenende bei der Techniker Beach Tour in Münster ihr Comeback gegeben. Beim Debüt mit Ersatzpartnerin Leonie Körtzinger musste die 27-Jährige zwei Niederlagen hinnehmen, war aber froh, überhaupt wieder spielen zu können. „Die Hüfte ist komplett schmerzfrei. Die Schulter merke ich bei großer Belastung noch leicht, aber das ist kein Vergleich zum letzten Jahr“, meint Walkenhorst, die sich zwei Operationen unterzogen hatte.

Weil Talent Körtzinger mit 1,89 Metern noch fünf Zentimeter größer ist als die Hamburgerin, wechselte sie vom Block in die Abwehr. Auf der Position muss sie weniger springen, was ihre Gelenke nach den vielen Eingriffen schonen soll. Die neue Rolle sei „noch etwas ungewohnt“, meint sie: „Manchmal zucke ich immer, um nach vorne ans Netz zu laufen. Aber das wird in zwei Wochen in Düsseldorf hoffentlich kein Thema mehr sein.“

Nationalteams in Dresden dabei

Die zweite Station der ranghöchsten nationalen Beachserie am Wochenende in Dresden wird Walkenhorst wie geplant auslassen. „Kira steht erst seit sechs Wochen im Training. Es ist keine Entscheidung gegen Dresden, sondern für die Gesundheit“, erklärt Tour-Pressesprecher Axel Annink. Die junge Körtzinger (21) wird mit Annika Krebs auf dem Altmarkt aufschlagen. Nach Wunsch des neuen Sportdirektors soll die Blockerin „behutsam als mögliche Nachfolgerin mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 und 2028 aufgebaut werden.“ Da ihre vorgesehene Partnerin Julia Großner nach Verlust des Kaderstatus die Karriere beendet hatte, bot sich für Körtzinger die Interimslösung an der Seite einer Weltklassespielerin geradezu an.

In Dresden sind die Nationalteams Victoria Bieneck/Isabel Schneider und Karla Borger/Margareta Kozuch dabei. Die Weltranglistenzweiten, Chantal Laboureur und Julia Sude, bereiten sich schon auf die World Tour eine Woche später im tschechischen Ostrava vor. Die WM-Fünften und EM-Dritten gehören neben Ludwig/Walkenhorst als einziges Team zum Olympiakader, der in Zukunft höhere Zuschüsse erhält. Die restlichen National-Duos stellen den sogenannten Perspektivkader.

Eine WM-Medaille und einmal Edelmetall bei den Sommerspielen 2020 sind das Ziel für die Beach-Abteilung im Verband. Davon will Sportdirektor Hildebrand trotz erster zum Teil ernüchternder Gespräche nicht abrücken. „Angesichts eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten haben wir ein leistungsfähiges Fördersystem, um Spieler und Spielerinnen in die Top 20 der Welt zu bringen. Alles darüber hinaus ist für uns im Augenblick nicht mehr planbar oder basiert auf privaten Initiativen.“

Wie das aufgeht, hatten Ludwig/Walkenhorst bewiesen, die mit ihrem genialen Trainer Jürgen Wagner ein eigenes größtenteils vom Verband unabhängiges Expertenteam aus Physiotherapeuten, Sportpsychologin und Vermarkter aufbauten. Auch Borger und Kozuch gehen weitestgehend ihren eigenen Weg und trainieren im Winter auf eigene Kosten drei Monate lang auf Teneriffa mit anderen europäischen Spitzenteams.

Bei den Männern sieht es dagegen düster aus. Sechs Jahre nach dem Olympiagold durch Julius Brink und Jonas Reckermann dürften sich die männlichen Beachkollegen wohl eher im Sand vergraben wollen. Das beste Team auf Platz 28 in der Welt ist international noch namenlos. (mit sid)