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Donnerstag, 17.05.2018

Die Neuen sind da

15 Weine umfasst die aktuelle Kollektion des Weinguts Schuh. An ihren Nachfolgern wird intensiv gearbeitet.

Von Ines Scholze-Luft

Edle Tropfen, die sich sehen lassen können. Katharina Pollmer und Matthias Schuh vom Weingut Schuh in Sörnewitz beim Verkosten im Weinkeller.
Edle Tropfen, die sich sehen lassen können. Katharina Pollmer und Matthias Schuh vom Weingut Schuh in Sörnewitz beim Verkosten im Weinkeller.

© Norbert Millauer

Sörnewitz. Sie können sich freuen – Katharina Pollmer und Matthias Schuh, die das Weingut Schuh in Sörnewitz leiten. Sie haben gerade die jüngsten Arbeitsergebnisse, ihre aktuelle Kollektion, vorgestellt. Goldriesling vom Klausenberg, Riesling vom Kapitelberg, Elbling, Weißen, Roten und Rosa Schuh – 15 Weine insgesamt. Und dafür viel Interesse unter Liebhabern und Experten gefunden.

Katharina Pollmer spricht von einer sehr gut besuchten Jahrgangspräsentation für die Weinfreunde. Diese spezielle Einladung, Winzer, Wein und Kellerei näher kennenzulernen, gibt es, seit die Geschwister das Weingut vom Vater übernommen haben. Nun zum dritten Mal.

Auch das Fachpublikum, vornehmlich Gastronomen, nutzt die Gelegenheit zum Jungweintest. Darunter die Coswiger Thomas Kretschmer von der Kulturbetriebsgesellschaft Meißner Land mbH und Peter Jäpelt vom Restaurant Börse. Sächsische Weine von Wackerbarth bis Winzergenossenschaft dürfen in ihrem Haus nicht fehlen, immer wieder auch Schuh-Produkte. Thomas Kretschmer braucht die Sachsentropfen für die Villa Teresa bei Hochzeitsfeiern, für Weinfahrten mit dem Fährschiff Bosel, für Events in der Börse, wenn überregionale Künstler gastieren. Das Restaurant hat aus Sachsen fünf offene und zehn Flaschenweine im Angebot.

Im Handel sind die Weine aus dem 1990 gegründeten Weingut Schuh seltener zu finden. Nur in wenigen Fachgeschäften in Meißen und Dresden, sagt Katharina Pollmer. Die Kunden kommen gern in die Vinothek nach Sörnewitz, viele nutzen auch die Onlinebestellung. Kein Wunder, dass manche Spezialität schnell ausgetrunken ist. Wie der Orange-Wein. Nach nur vier Monaten ausverkauft.

Eigentlich habe man von der 2016er-Grauburgunder-Spätlese Orange so viel produziert, dass es für zwei Jahre reichen sollte, sagt Betriebsleiter Matthias Schuh. Doch die Nachfrage nach dem Naturwein – den Namen verdankt er seiner kräftigen Farbe – war groß. Nun ist Warten nötig bis zur nächsten Chance. Nur bei 100 Prozent gesundem Lesegut, bei optimaler Reife der Trauben lässt sich ein solcher Wein erzeugen. Weil sich der vergangene Herbst wettermäßig schwierig gestaltete, wird es Orange-Wein erst wieder von 2018 geben.

Wobei im vergangenen Weinjahr nicht nur der Herbst den Winzern zu schaffen machte. Matthias Schuh erinnert an die kleinen Feuer, mit denen im April Reben gegen morgendlichen Bodenfrost geschützt werden mussten – erstmals in der Geschichte des Familienbetriebs. Er denkt an die Trockenheit im Sommer. Und eben an den Regen Anfang September – mit mehrfach umorganisierten Ernteterminen, um Fäulnis zu verhindern.

Trotz des schwierigen Starts gelingt ein gutes Resultat. Betriebsleiter Schuh nennt die Jungweine ausdrucksstark und strukturiert. Erfreulich auch die Erntemenge mit 15 Prozent über dem Durchschnitt. Ebenso beachtlich: Der Wein, der noch auf seinen großen Auftritt wartet: Riesling Kabinett, der 2017er Jahrgang ist der erste seiner Art im Weingut Schuh, er soll im Juli in den Verkauf gehen. Von der Mosel stammend, hat er nur 8,5 Prozent Alkohol und wird – mit gewissem Restzuckergehalt samt Säure – als leicht, erfrischend und finessenreich bezeichnet.

Der Riesling zählt übrigens wie der Burgunder zu den Lieblingsweinen der Schuh-Geschwister. Traditionelle, ausdrucksstarke Sorten, die zu dem zurückführen, was schon die Vorfahren wollten – zeigen, was die Böden können, herausarbeiten, was sie ausmacht, die Lagen. Davon bewirtschaftet das Weingut Schuh mit Klausenberg und Kapitelberg zwei herausragende in Sachsen. Wo die Winzer aktuell damit zu tun haben, die Triebe der Weinstöcke zwischen die Drahtpaare zu heften. Ziemlich zeitig im Jahr, bei zwei Wochen Vegetationsvorsprung, sagt Betriebsleiter Schuh. Sein Motto: Der Wein wird im Weinberg gemacht, im Keller darf er vor allem Zeit zum Reifen haben.

Auch das Leben im Weinberg soll sich natürlich entwickeln, ohne Herbizide, ohne synthetischen Dünger. Deshalb werden künftig vier Kamerunschafe zwischen den Reben weiden, sagt Matthias Schuh.

Natur pur, über die auch die Kräuterwanderung informiert, vom Weingut dieses Jahr erstmals angeboten. Allerdings bereits ausgebucht, wie Katharina Pollmer sagt. Für die Veranstalter ein Grund zur Freude, Interessenten müssen sich allerdings bis nächstes Jahr gedulden.