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Montag, 13.08.2018

Die Monarchs setzen einen Big Point

Von Alexander Hiller

Glen Toonga tankt sich durch. Der Brite sorgte mit seinen bulligen Sprints für Akzente. Foto: Jürgen Lösel
Glen Toonga tankt sich durch. Der Brite sorgte mit seinen bulligen Sprints für Akzente. Foto: Jürgen Lösel

© loesel-photographie.de

Die Footballer der Dresden Monarchs sind ihrem ersten großen Saisonziel einen wichtigen Schritt nähergekommen. Im ersten Spiel nach der insgesamt fünfwöchigen Sommerpause setzten sich die Sachsen am Sonntagnachmittag vor 2 940 Zuschauern im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion mit 20:18 (10:3) im Spitzenspiel gegen die Berlin Adler durch.

Damit festigten die Schützlinge von Trainer Ulrich Däuber mit nunmehr 18:4 Punkten ihren zweiten Tabellenplatz in der Nordstaffel der zweigleisigen German Football League (GFL) hinter Spitzenreiter und Europacupsieger Braunschweig (18:2) – Berlin ist weiterhin Dritter (16:6). Der zweite Tabellenplatz in der Endabrechnung nach der Normalrunde würde reichen, um im Play-off-Viertelfinale ein Heimspiel absolvieren zu dürfen. Das ist jetzt für die Dresden Monarchs nach dem Auftritt vom Sonntag zunehmend realistischer geworden. Und das ausgerechnet gegen den Rivalen, der die Elbestädter im Hinspiel mit 30:7 regelrecht vorgeführt hatte.

Dass die Anhänger der Gastgeber buchstäblich bis zur letzten Sekunde um den Heimsieg zittern mussten, lag freilich nicht einzig und allein am bärenstarken Kontrahenten aus der Hauptstadt. Dresdens Quarterback Trenton Norvell erwischte keinen guten Tag, fiel mit dem einen oder anderen erschreckenden Fehlpass auf und verlor bei einem eigenen Lauf zudem das Spielgerät aus den Händen beziehungsweise ließ es sich entreißen. „Trenton hätte ein, zwei Entscheidungen anders treffen müssen, andererseits hat er wieder viele gute Entscheidungen getroffen“, schützt Trainer Ulrich Däuber seinen Spielmacher.

Wegen dessen Fehler geriet die zwischenzeitlich scheinbar sichere Führung (17:3) noch einmal erheblich ins Wanken. Nach zwei Touchdowns waren die Gäste wieder dran – und die Hausherren konnten von Glück reden, dass die Berliner ihre jeweiligen Zusatzversuche nach dem Sechs-Punkte-Touchdown nicht nutzen und so drei Punkte verschenkten. Die gelangen jedoch nur wenig später bei einem Fieldgoal – drei Punkte gibt es dafür. Die Adler lagen plötzlich mit 18:17 vorn – und lediglich 1:37 Minuten blieben den Monarchs, um noch eine Antwort zu finden. Neun Sekunden vor Schluss erspielten sich die Dresdner die richtige Ausgangsposition für einen Fieldgoal-Versuch aus etwa 20 Metern. Jetzt musste der dafür eingeteilte und trainierte Kicker Florian Finke nur noch zwischen die hohen Torstangen treffen. Und Finke traf: 20:18 – unbeschreiblicher Jubel im Stadion. In den restlichen vier Spielsekunden passierte nichts mehr.

„Wir sind einfach nur glücklich, weil wir als Team zusammengespielt haben, weil wir gezeigt haben, wie gut wir spielen können. Hätten wir im ersten Duell gegen Berlin so gespielt, dann wäre das gar keine Frage, ob wir heute hier gewinnen“, sagte Ulrich Däuber.

Wahrscheinlich war der Sieg auch deshalb so wertvoll, weil am Dienstag im Training ausgerechnet Team-Kapitän William James verletzt ausgefallen war und im Spitzenspiel nicht auflaufen konnte. „Wir haben Jugendspieler reingestellt, das war natürlich der Wahnsinn“, sagt Däuber. In den Startformationen standen deshalb mit Florian Zur Nieden und Maximilian Mederski zwei U-19-Spieler auf dem Feld. „Die wussten noch nicht einmal, wo wir hier einlaufen“, räumt Ulrich Däuber nach der Partie lachend ein. Wie lange der Schwede nun ausfalle, konnte oder wollte der 47-Jährige nicht kommentieren. „Wir haben noch mehrere Spiele vor uns, stehen jetzt aber auf jeden Fall in den Play-offs. Wir wollen ihn nicht reinstellen, nur damit er auf dem Feld steht“.

Däuber sei sich trotz der überschlagenden Ereignisse jederzeit sicher gewesen: „Dass das, was wir machen, auch klappt“. Letztlich lag es aber auch an der Nervenstärke eines Spielers, der sonst trotz zuverlässiger Leistungen nicht sonderlich im Vordergrund steht: Kicker Florian Finke. „Flo war Wahnsinn. Er ist einer der besten Kicker der Liga und hat gezeigt, dass er mit Recht auch dorthin gehört. Er kann sich aber nicht darauf ausruhen“, sagt sein ehrgeiziger Trainer, der immer wieder betont: „Bei uns gibt es keinen, der wichtiger oder weniger wichtig ist. In dem Moment war es Florians Job, das Fieldgoal zu kicken. Das hat er hervorragend gemacht“.

Wie sich der wichtige Sieg auf den weiteren Saisonverlauf auswirkt, vermag auch Däuber nicht zu sagen. Immerhin: beide Mannschaften müssen auch noch gegen Braunschweig ran, die Berliner aber eher. „Die Adler müssen da gewinnen, um noch Zweiter werden zu können. Für uns heißt das Spiel, dass wir jedes weitere Spiel noch gewinnen wollen. Wir sind jetzt im Vorteil – und müssen das jetzt auch hinkriegen“.