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Mittwoch, 11.07.2018

Die Mauer soll wieder her

Eine Gutshof-Mauer in Pesterwitz ist seit Jahren kaputt. Geld für eine Sanierung müsste doch da sein, glaubt ein Anwohner.

Von Tobias Winzer

Links eine Mauer, rechts eine Mauer. Dazwischen fehlt jedoch seit rund 15 Jahren ein Stück der Hofemauer im Zentrum von Pesterwitz. Wann erfolgt der Lückenschluss?
Links eine Mauer, rechts eine Mauer. Dazwischen fehlt jedoch seit rund 15 Jahren ein Stück der Hofemauer im Zentrum von Pesterwitz. Wann erfolgt der Lückenschluss?

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. In Pesterwitz wird bald gefeiert. Freitals ältester Ortsteil feiert in diesem Jahr sein 950-jähriges Jubiläum. Doch wenn in der Festwoche vom 7. bis 16. September Tausende Besucher nach Pesterwitz kommen und zum Abschluss am Sonntag ein großer Festumzug durch den Ort rollt, dann wird ein Makel noch immer deutlich zu sehen sein. Und das ärgert Walter Koch.

„Ich dachte, zum großen Jubiläum tut sich endlich mal etwas an der Hofemauer“, sagt der 69-Jährige, der in Pesterwitz aufgewachsen ist und seit 1996 wieder hier wohnt. Er steht an der Ecke Dorfplatz/Zum Weinberg mitten in Pesterwitz und schaut auf eine etwa zwei Meter hohe, massive Mauer aus Natursteinen. Sie führte früher einmal ringsum das ehemalige Volksgut Pesterwitz.

In den Gebäuden sind nun die Feuerwehr, eine Kegelbahn und etliche Wohnungen untergebracht. Auf dem ehemaligen Volksgut-Gelände ist auch ein Edeka-Markt entstanden. Dort in der Nähe befindet sich nun noch ein erhaltener Teil der alten, sogenannten Hofemauer. Seitdem vor etwa 15 Jahren ein Lkw in die Mauer fuhr, fehlt allerdings ein etwa zehn Meter langes Stück. Anwohner Walter Koch macht sich dafür stark, dass es wieder aufgebaut wird.

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Mauer das gesamte Volksgut umgab“, erzählt er aus seiner Kindheit und Jugend. Für ihn gehört die Mauer zur Historie von Pesterwitz dazu und ist für ihn außerdem ein Makel, der das Ortsbild empfindlich stört. „Das ärgert mich“, sagt er.

In der Hoffnung, dass sich zum großen Ortsjubiläum an dem Zustand etwas ändert, kontaktierte er im Mai den Aufsichtsrat der Freitaler Projektentwicklungsgesellschaft (FPE). Das städtische Tochterunternehmen ist Nachfolger der einstmaligen Pesterwitzer Projektentwicklungsgesellschaft und Eigentümer der Mauer. Außerdem schrieb Koch eine Postkarte an Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) – mit einem Foto des fehlenden Mauerstücks und legte jetzt noch einmal mit einer Beschwerde an den Oberbürgermeister nach.

Denn die Antwort, die Koch bislang wegen seines Ansinnens bekommen hat, ist für ihn nicht befriedigend. In einem Schreiben teilt ihm FPE-Chef Alexander Karrei mit, dass es gegenwärtig keine Planungen gebe, den Lückenschluss herzustellen. „Sollten in Zukunft freie Mittel zur Verfügung stehen, werden wir die Situation neu bewerten.“

Walter Koch kann das nicht nachvollziehen. Als Anwohner hat er hautnah beobachten können, wie große Teil der ehemaligen Ländereien des Volksgutes Pesterwitz in den vergangenen Jahren in Grundstücke für Eigenheimsiedlungen umgewandelt worden sind. „Wenn ich mir die Quadratmeterpreise anschaue, die mittlerweile dafür verlangt werden, müsste doch etwas Geld für die Hofemauer übrig sein“, sagt Koch. „Ich will, dass von dem Geld, das mit den Grundstücksverkäufen verdient wird, auch etwas im Ort verbleibt.“ Es gehe dabei nicht nur um die Hofemauer.

Was die Mauer betrifft, sagt FPE-Chef Alexander Karrei gegenüber der Sächsischen Zeitung Besserung zu. Der Lückenschluss werde in den Wirtschaftsplan der FPE für das Jahr 2019 aufgenommen. Vorausgesetzt, der Aufsichtsrat stimmt diesem Plan im Herbst zu, könnten die Arbeiten im Frühjahr 2019 beginnen. 30 000 Euro sind dafür veranschlagt.