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Montag, 13.08.2018

Die letzte Pilotin von Oberbärenburg

Von Stephan Klingbeil

Die Olympia-Vierte Stephanie Schneider wird sich auch in der neuen Saison Tipps von ihrem Coach Gerd Leopold holen. Foto: Robert Michael
Die Olympia-Vierte Stephanie Schneider wird sich auch in der neuen Saison Tipps von ihrem Coach Gerd Leopold holen. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Ein Termin jagt den nächsten. Bobpilotin Stephanie Schneider vom BSC Sachsen Oberbärenburg will zurück in die Erfolgsspur. Die Rückenverletzung aus dem olympischen Winter ist noch nicht hundertprozentig auskuriert. Bis zum Saisonstart samt Weltcup-Selektion im Herbst möchte die Olympia-Vierte von Pyeongchang wieder topfit sein.

„Ich bin praktisch noch in der Reha“, erklärt Schneider. Sie ist viel unterwegs. Mit ihren neuen Anschieberinnen Ann-Christin Strack und Lisette Thöne war die 27-Jährige zuletzt im Trainingslager in Berchtesgaden. Dann zurück nach Dresden, und immer wieder auf die Anschubstrecke und zum Training bei ihrem Coach Gerd Leopold in Riesa. Anders als weitere sächsische Bob-Asse sei sie am Freitag jedoch nicht ins Olympische Trainingszentrum nach Kienbaum mitgereist. Momentan gibt es außer ihr am sächsischen Bundesstützpunkt keine aktive Bobpilotin. Sabrina Duljevic vom BSC Sachsen soll laut Stützpunkttrainer Andreas Zschocke in der anstehenden Saison pausieren. „Sie wird diesen Winter nicht Bob fahren“, erklärt er. Vielmehr soll die 21-jährige Dresdnerin ihren Fokus auf ihre Ausbildung bei der Bundespolizei legen und möglichst bis zum Frühjahr 2019 ihre langwierige Rückenverletzung auskurieren.

Zuletzt war die Bobpilotin, die 2016 bei der Junioren-WM Bronze gewann, noch auf der Suche nach einer neuen Anschieberin. Vereinskollegin Lavinia Pittschaft aus Augustusburg kam dafür nicht mehr infrage. Sie fährt nun auch nach ihrem studienbedingten Umzug nach Leipzig weiter mit der Winterberger Pilotin Laura Nolte. Das Duo war Ende Januar Vize-Juniorenweltmeister und U-23-Champion geworden

Kooperationsvertrag mit Hessen

Weitere vielsprechende Talente vom Altenberger Stützpunkt, wie die für Halle startende Vivian Hanusch, Kathleen Heidel und die jüngste Bobcasting-Gewinnerin Lilly Lützner aus Dresden sollen noch Schritt für Schritt weiter aufgebaut werden. Seit Kurzem trainiert aber auch die Deutsche Vize-Meisterin von 2017 in Altenberg. Die 21-jährige Jungpilotin Kim Kalicki von Eintracht Wiesbaden soll künftig häufiger dort zu sehen sein. Das Bundestrainerteam hält große Stücke von dem Talent. Sie soll künftig vom Know-how der Oberbärenburger profitieren. Ein Vereinswechsel der hessischen Landespolizistin in spe sei aber aktuell nicht geplant. Zschocke bestätigt allerdings, dass es jetzt einen Kooperationsvertrag zwischen den Landesverbänden von Hessen und Sachsen gibt, der es der U- 23-Weltmeisterin von 2017 ermöglichen soll, sich hier weiterzuentwickeln.

Den Vorsprung zu den „Großen“ verringern, soll in diesem Winter ebenfalls der Oberbärenburger Nachwuchsbobpilot Richard Oelsner. Mit dem Chemnitzer Nils Dabrust, der an seiner Pilotenausbildung feilt, und dem Ex-Rennrodler Max Illmann aus Zwickau stehen zwei weitere Talente des BSC Sachsen in der Spur. Doch die größte Erfahrung und die meisten Erfolge kann bislang der Altenberger Oelsner vorweisen. Gleich mehrmals wurde der 23-jährige Sportsoldat bisher Junioren-Weltmeister. Doch vereinsintern hat er mit Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich aus Pirna und Vize-Olympiasieger Nico Walther zwei der weltbesten Piloten vor der Nase. Nichtsdestotrotz soll in diesem Herbst auch Oelsner eine Chance bekommen, bei den Weltcup-Selektionsrennen auf sich aufmerksam zu machen – genauso wie die vielen anderen deutschen Talente. Bleibt Fünffach-Weltmeister Friedrich nach Doppel-Gold bei den Winterspielen in Pyeongchang auch in der neuen Saison gesetzt, müssen Walther und der für Stuttgart startende Bayer Johannes Lochner samt ihrer Teams – anders als zuletzt – wohl wieder um ihre Weltcup-Tickets kämpfen. Ob Oelsner und Talente wie der Bad Feilnbacher Christoph Hafer jedoch den Rückstand auf das deutsche Spitzentrio aufholen können, muss sich erst einmal zeigen.

Nach Tests in Oberhof und den dortigen Deutschen Anschubmeisterschaften Ende September wird es im Oktober für die Bob-Asse richtig ernst. Die Deutschen Titelkämpfe in Winterberg bilden zeitgleich die ersten von zwei Ausscheidungsrennen um die Weltcup-Tickets, die dann im November bei der zweiten Selektion in Altenberg gelöst werden können. Anschließend geht es für die weiteren Bobteams am Königssee noch um die Teilnahme am Europa-Cup. Zu den Top-Kandidaten bei den Frauen für die drei deutschen Startplätze in Weltcup und bei der WM 2019 im kanadischen Whistler zählt Stephanie Schneider. Auch Mariama Jamanka gehört zu den Favoritinnen. Ohne bisherigen Weltcup-Erfolg hatte die Bobpilotin vom BRC Thüringen mit Schneiders Ex-Stammanschieberin Lisa Buckwitz bei Olympia in Pyeongchang sensationell Gold geholt. Die Potsdamerin Buckwitz ist an die Lenkseile gewechselt. Und Jamankas Team steht noch nicht. „Das ist noch unklar, da müssen wir gucken, wie es sich während der Saison ergibt“, erklärt die 27-Jährige.