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Samstag, 14.07.2018 WM-Kolumne „Sdrasdwuitje!“

Die Jugend, verdorben wie nie

In Watutinki haben die Jungs bis in die Nacht gezockt. Jetzt knöpft sich Philipp Lahm den Jogi vor.

Von Sven Geisler

Sven Geisler
Sven Geisler

© [M] Federico Gambarini/dpa/SZ

Von wegen, die deutschen Stars hätten keinen Biss gehabt, kein Durchhaltevermögen gezeigt. Sie haben gespielt wie die Weltmeister! Allerdings nicht unbedingt auf dem Rasen, sondern auf ihren Betten in der Sportschule Watutinki an der Playstation. Die Bild-Zeitung hat den Skandal aufgedeckt. Weil einige von Jogis Jungs bis in die frühen Morgenstunden von Zimmer zu Zimmer oder mit ihren Kumpels zu Hause gezockt haben, wurde ihnen das W-Lan abgedreht. Das also hatte Thomas Müller gemeint, als er sagte, man habe ihnen den Stecker gezogen.

Dabei wollten sie sich mit „Fifa 18“ sicher nur einspielen oder bei „Fortnite“ mal kurz die Welt retten. Hat dann eben etwas länger gedauert, ist ja auch nicht so einfach. Wenn man Kindern das Spielzeug wegnimmt, reagieren sie bockig – das weiß doch wirklich jeder aus eigener Erfahrung. Der Jogi wahrscheinlich nicht. Der ist ja immer lieb. Also gewesen. Zu lieb sogar, meint sogar der Philipp, also unser Weltmeister-Kapitän Lahm. Ja, der hat sich tatsächlich kritisch geäußert. Als Experte bei der ARD konnte er sich noch nicht zu einer klaren Meinung durchringen, jetzt hat er sie der Nation mitgeteilt – natürlich via Internet. LinkedIn heißt das Netzwerk.

Lahm schreibt also, Löw müsse seinen kollegialen Führungsstil ändern, sonst werde es schwierig, mit einer ganz neuen Spielergeneration voller Ich-AGs wieder Erfolg zu haben. Bei dieser trete nämlich der Blick für das Ganze, die Verantwortung des Einzelnen für die Mannschaft als Leistungsmotiv in den Hintergrund. Peitsche statt Zuckerbrot! Jungprofis bedürften heutzutage einer deutlich strafferen Führung als die Generationen vor ihnen, erklärt Lahm, einer aus der Generation vor ihnen.

Irgendwo hab ich das doch schon mal gehört. „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Sokrates, griechischer Philosoph, 470-399 vor Christus. Die Jugend ist schon immer verdorben wie nie.