erweiterte Suche
Freitag, 18.05.2018

Die guten Sitten haben gelitten

Sachsens oberster Radlobbyist erklärt, worauf er Unfälle zurückführt, die Radfahrer verursacht haben.

5

Konrad Krause vom ADFC
Konrad Krause vom ADFC

© André Wirsig

Könnte ein Fahrrad-Führerschein für Erwachsene Unfälle verhindern? Eine knappe Mehrheit der Deutschen spricht sich zumindest dafür aus, dass nicht nur Autofahrer eine Prüfung ablegen sollten, wie eine Umfrage des Meinungs-forschungsinstituts Forsa für das RTL/NTV-Trendbarometer ergeben hat. 52 Prozent der Befragten finden diesen Vorschlag gut. Konrad Krause ist der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen. Im SZ-Gespräch sagt er, was er von einer Führerscheinpflicht für Radfahrer hält, und was möglicherweise sinnvoller sein könnte.

Herr Krause, brauchen Radfahrer einen Führerschein?

Ich halte das für eine populistische Forderung. Die Mehrheit der Fahrradunfälle wird von anderen Verkehrsteilnehmern verursacht. Und die haben einen Führerschein. Außerdem sind viele Radfahrer gleichzeitig auch Autofahrer. Sie haben damit schon eine Fahrprüfung absolviert. Nicht zu vergessen: Bereits in der Grundschule machen alle Kinder einen Fahrradführerschein.

Trotzdem wird ein Drittel der Radunfälle von Radfahrern verursacht. Wie könnte man diese sonst verhindern?

Ich habe den Eindruck, dass die Achtsamkeit und die guten Sitten gelitten haben. Es gibt Radfahrer, die fahren wie Schweine. Für mich ist das eine Folge der wenigen Verkehrskontrollen der Polizei. Da helfen nur härtere Strafen und eine stärkere Polizeipräsenz.

Unfälle mit Autos und Lkw bilden die Mehrheit. Haben Sie eine Idee, wie man das Radfahren in Dresden sicherer gestalten könnte?

In Leipzig gibt es mehr Radfahrer als in Dresden. Die Zahl der Unfälle ist aber geringer. Der Unterschied zwischen beiden Städten ist die Infrastruktur. Ein großes Problem sind die gemeinsamen Rad- und Gehwege. Autofahrer, die aus einer Hauseinfahrt oder Nebenstraße kommen, rechnen dort mit Fußgängern. Sie denken aber nicht, dass ein schnellerer Radfahrer über den Weg fahren könnte, und sind überrascht.

Halten Sie Radwege auf einer Höhe mit der Straße für gefährlich?

Nicht wirklich. Hier spielt eher die gefühlte Sicherheit beziehungsweise Unsicherheit eine Rolle. Natürlich ist es nicht angenehm, wenn neben mir ein schwerer Lkw hält oder vorbeifährt. Dieses Sicherheitsgefühl sollte man zwar nicht unterschätzen oder außer Acht lassen. Doch ebenerdige Radwege sind nicht das größte Infrastrukturproblem für Fahrradfahrer in Dresden.

Das Gespräch führte Sandro Rahrisch.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Teilnehmer

    Die Journalisten hier haben eine verquere Weltsicht. Wer sich über den Radfahrer-Anteil von Verursachern bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung wundert, dem ist wohl noch lange nicht aufgefallen, wie erschreckend hoch der Autofahrer-Anteil der Verursacher von Unfällen mit Kfz-Beteiligung ist! Werden da von Journalisten auch so dämliche Fragen gestellt? Bitte in Zukunft mal den ADAC sowas blödes Fragen. Dass die Verursacherquote sogar unter 0,5 liegt, spricht doch dafür, dass eher Kfz-Leute zur Nachschulung müssen, als dass die große Lösung bei dem kleineren Anteil der Radfahrer-Verursacher zu suchen wäre.

  2. PS

    Die Arbeit des ADFC in Ehren! Ich würde mir aber wünschen, dass er mehr tut zur Schulung der eigenen Mitglieder und Sympathisanten - vor allem auch in Richtung vorausschauendes, vorbeugendes Verhalten. Das aktuelle Faltblatt des ADFC zur Verkehrssicherheit sollte um ein Kapitel dazu ergänzt werden. Ganz besonders: Wie vermeide ich Unfälle mit rechtsabbiegenden Kfz., indem ich versuche deren Fehler rechtzeitig zu erkennen.

  3. @PS

    Volle Zustimmung. Und nicht nur bzgl. rechtsabbiegender KFZ, sondern auch über sich öffnende Türen, tatsächliche KFZ-Geschwindigkeiten usw.

  4. Dieter

    #PS »Wie vermeide ich Unfälle mit rechtsabbiegenden KFZ...« Ich lernte schon vor 48 Jahren in der Fahrschule: wenn ein Auto in der Nachbarspur direkt vor oder neben einem fährt, immer auf dessen Vorderräder achten, da sieht man zuerst, wohin es will. Das hilft natürlich nicht immer, aber immer wieder. Zumal zu viele Deutsche unter der viel gepredigten Freiheit verstehen, ob Blinken vorm Abbiegen oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

  5. FO

    "Es gibt Radfahrer, die fahren wie Schweine. Für mich ist das eine Folge der wenigen Verkehrskontrollen der Polizei." vermeint der Herr Krause. Auf die Idee, dass es vielleicht eine Folge der Ideologisierung des Fahrradfahrens nach dem Motto "Ich fahre Rad, also bin ich per se ein guter Mensch, also gelten für mich keine Regeln." sind, darauf kommt er offenbar nicht. Wir sind früher einfach so mit dem Rad gefahren, zur Schule, zur Arbeit, ein Ausflug am Wochenende, oder mal aus Spaß die Grundstraße runter. Ohne Helm und ohne viel Tam-Tam, mitten im Berufsverkehr, trotz Busverkehr und Straßenbahnen. Wir haben uns an die Regeln gehalten, und es ist nie jemandem etwas passiert. Wer sich ein wenig doof angestellt hat, ist zwar mal über den Lenker abgestiegen und hatte halt zwei Wochen wunde Knie. Aber ist ist nie etwas ernsthaftes passiert, weil wir uns an die Regeln gehalten haben und "Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme" für jeden galt. Auch ohne ideologische Wichtigtuer eines ADFC.

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.