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Sonntag, 25.06.2017

Die fliegende Holländerin

Eine der weltbesten Triathletinnen gewinnt in Dresden. Die Kulisse und Preisgeld locken die Profis in und an die Elbe.

Von Michaela Widder

Fotos vom Stadt-Triathlon

Siegerin Yvonne van Vlerken in pink.
Siegerin Yvonne van Vlerken in pink.

© ronaldbonss.com

Dresden. Fast hätte es nicht geklappt mit der Premiere in Dresden. Genau vor einer Woche verbrachte Yvonne van Vlerken nach einem Radsturz bei einem Rennen in Heilbronn den Nachmittag im Krankenhaus – am Sonntag strahlt sie im Ziel als Siegerin des City-Triathlons und fällt erleichtert ihrem Freund in die Arme. „So schön, dass ich hier starten und gewinnen konnte. Auch wenn mein Körper noch immer in einem leichten Schock-Zustand ist“

Fotos vom Stadt-Triathlon

Van Vlerken, die seit Jahren zu den besten Triathletinnen auf der Langdistanz zählt, war in einer Abfahrt „so böse gestürzt ist, wie noch nie“. Das Bild der fliegenden Holländerin war kein schönes, auch wenn der Unfall glimpflich ausging. „Meine ganze rechte Seite ist lädiert, der Arm hat eine tiefe Fleischwunde“, sagt sie.

Dennoch wollte van Vlerken unbedingt in Dresden starten. „Meine Mama meinte, dass die Stadt sehr schön ist und mein Schatz kommt ja aus in Leipzig.“ Seit einigen Jahren ist van Vlerken mit dem Prof Per Bittner liiert, ein gemeinsamer Start in der Elbflorenz war lange geplant. Noch am Wochenanfang postete die 38-Jährige ein „Trainingsvideo“, wie sie im Gartenpool steht und mit dem linken Arm krault. „Da muss man mal improvisieren“, meint sie.

Weil der Heilungsverlauf „sauschnell“ ging, sieg sie am Sonntagmittag mit einem Verband am rechten Arm am Blauen Wunder in der Elbe. Seit 17 Jahren ist van Vlerken Triathletin, in einem Fluss mit Strömung sei sie aber noch nie geschwommen. Den Rückstand auf die deutlich jüngeren Schwimmerinnen holte sie Runde für Runde auf dem Rad am Käthe-Kollwitz-Ufer auf. „Ich habe nebenbei das Rennen von meinem Freund verfolgt, Per lag gut. Das hat mich motiviert.“

Schon vor dem Wechsel zum Laufen hatte van Vlerken die Führung übernommen und gewann die Olympische Distanz vor der Leipzigerin Caroline Pohle. Wichtiger als Dresden ist jedoch der Start in zwei Wochen bei der Challenge Roth. „Das ist mein Lieblingswettkamp. Aber ich merke den Sturz schon noch sehr, daher bin ich verunsichert.“ Van Vlerken stellte 2008 in Roth mit 8:45:48 Stunden die Weltbestzeit über die Langdistanz auf, bis diese ein Jahr später von der Britin Chrissie Wellington unterboten wurde.

Dresdnerin auf Platz drei

Wie für van Vlerken steht auch für eine Dresdner Profitriathletin in zwei Wochen ein großes Rennen an. Annett Finger, die nach ihrer Hochzeit in diesem Frühjahr jetzt Jalowi heißt, startet am selben Wochenende bei der Langdistanz-EM in Frankfurt. Den Wettkampf vor der Haustür wollte sie aber unbedingt mitnehmen, bestritt den City-Triathlon daher aus dem vollen Training und wurde Dritte. „Es war heute sehr hart, aber mit dem Platz bin ich zufrieden“, sagt Jalowi: „Viele Leute an der Strecke, die ich kenne, haben mich echt motiviert, als es schwer ging. Das ist natürlich schöner, als einsam in Texas zu laufen.“

Manche Zuschauer, die eigentlich einen Familien-Radausflug an der Elbe geplant hatte, waren durch die Sperrung am Fährgarten und am Käthe-Kollwitz-Ufer zufällig auf dem Triathlon in der Stadt aufmerksam geworden. Der Wettkampf, bei dem rund 350 Teilnehmer am Start waren, hat sich bislang eher unter den Profis rumgesprochen. Das liegt vor allem an dem verlockenden Preisgeld für die jeweils ersten Fünf bei den Frauen und Männern. 2 000 Euro für zwei Stunden „Vollgas“, wie Männer-Sieger Christian Kramer aus Leipzig sagt, seien natürlich ein Anreiz. „Wenn man eine Frau und zwei Kinder zu Hause hat, ist es schon ganz schön, nicht nur mit einem Pokal nach Hause zu kommen“, meint der 33 Jahre alte Profi, der vor Marcus Herbst siegte. Van Vlerkens Freund Per Bittner steuert als Dritter immerhin noch 800 Euro zu Familienkasse bei. „Ohne den Hauptsponsor Bike24 können wir so ein Preisgeld nicht bezahlen“, erklärt Veranstaltungschef Uwe Jeschke, der bei der dritten Auflage damit „ wohl das beste Teilnehmerfeld in Mitteldeutschland“ am Start hatte.

Was dagegen schleppend vorangeht, sind die Teilnehmerzahlen, es fehlt die breite Masse an Hobbyathleten. Manchen ist das Startgeld zwischen 43 und 90 Euro für eine Sprint- bzw. Olympische Distanz schlichtweg zu teuer. Anderen fehlt etwas die familiäre Atmosphäre, wie sie sie zum Beispiel aus Moritzburg kennen. Der Chef der Kölner Veranstaltungsagentur liefert eine andere Erklärung: „Um weiter zu wachsen, müssen wir auch eine Mitteldistanz anbieten. Damit es sich auch für Auswärtige lohnt, für ein Wochenende nach Dresden zu reisen“, meint Jeschke. Der Plan für eine Strecke mit 90 km Rad Richtung Radeberg und einem Halbmarathon liege bereits in der Schublade. „Allerdings sind die Kosten für Absperrungen in Dresden extrem hoch.“