erweiterte Suche
Montag, 05.03.2018

Die Ersten sind die Sieger

Die Volleyballerinnen des Dresdner SC werden im Pokalfinale ihrer Rolle gerecht. Das liegt auch an der Vorbereitung.

Von Alexander Hiller, Mannheim

1 Das Pokalspiel in Bildern

Spät kommt der goldige Glitterregen, doch er kommt. 40 Minuten nach dem Matchball wirkt das Freudentänzchen der DSC-Frauen aber nicht mehr ganz so ausgelassen wie noch unmittelbar nach dem letzten Punkt.
Spät kommt der goldige Glitterregen, doch er kommt. 40 Minuten nach dem Matchball wirkt das Freudentänzchen der DSC-Frauen aber nicht mehr ganz so ausgelassen wie noch unmittelbar nach dem letzten Punkt.

© Robert Michael

Mannheim. Vielleicht ist das ein Zeichen. Noch exakt eine Stunde bleibt bis zum Anpfiff des Frauenfinals um den Pokal des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Alexander Waibl sitzt da schon in der äußersten Ecke seiner langen Trainerbank und studiert detailversessen ein paar letzte Statistiken, während sich seine Schützlinge warmlaufen. Der Gegner VC Wiesbaden betritt erst zehn Minuten später den Innenraum der riesigen SAP-Arena in Mannheim. Waibls Botschaft: Wir sind hier, ihr bekommt uns hier nicht weg. Der DSC als Platzhirsch.

Das Pokalspiel in Bildern

Das wollte Waibl nach der Partie zwar nicht bestätigen. „Unser Aufwärmprogramm ist einfach ein bisschen länger als das der meisten Teams“, sagt er und grinst. Dennoch ist die Botschaft angekommen. Am Sonntagnachmittag sichert sich der Dresdner SC zum fünften Mal den deutschen Pokalsieg. Waibls Team gewinnt gegen den Tabellenvierten der Bundesliga nach nur 79 Minuten mit 3:0 (25:21, 25:22, 25:18). Der Jubel nach dem Abpfiff ist emotional und tränenrührig, allerdings nicht ganz so überbordend wie noch beim Pokaltriumph vor zwei Jahren. Was wohl auch daran liegt, dass der DVV als Veranstalter zwischen Schlusspfiff und Siegerzeremoniell etwa 40 Minuten verstreichen lässt.

Mit dem Gedanken beim Gegner

Es bleibt also genügend Zeit, damit Waibl nach seinem dritten persönlichen Pokalsieg nach 2010 und 2016 zunächst einmal über andere sprechen kann. „Meine Gedanken sind bei unserem Gegner, einer sehr jungen Mannschaft, die es heute nicht ganz auf das Parkett bringen konnte, was sie eigentlich draufhat“, sagt er. Das passt zur gebremsten Euphorie. Wobei sich der 49-jährige Schwabe damit rühmen kann, in der Vorbereitung so gut wie alles oder zumindest sehr viel richtig gemacht zu haben. So hatte er zum Beispiel seine Außenangreiferinnen Katharina Schwabe und Eva Hodanova zuletzt am Mittwoch im europäischen CEV-Pokal geschont.

Jetzt wirken beide im entscheidenden Moment frisch – körperlich und mental. „Wir haben von Anfang an stabil angenommen und konnten auch die gegnerischen Aktionen sehr gut lesen. In den entscheidenden Phasen des Spiels waren wir ein bisschen mehr da“, sagt er. Vor allem dank der Top-Scorerin Piia Korhonen (19 Punkte) und Mittelblockerin Sasa Planinsec (18).

Vor 11 354 Zuschauern – darunter
823 DSC-Fans und die aus Helsinki angereisten Eltern von Piia Korhonen – präsentiert sich der Tabellenzweite der Bundesliga als das reifere, auf den Punkt hin fitte Team. „Eva und Schwabi haben wir am Mittwoch geschont und beiden ist ein überragendes Spiel gelungen“, betont der Dresdner Coach. „Alle Entscheidungen der letzten zwei Wochen waren richtig, wir haben auf das Pokalfinale hin trainiert und dafür den Preis erhalten.“ Auch Waibl ist gegenüber seinem Trainerkollegen Dirk Groß im Vorteil. Beim erstmals angewendeten Videobeweis wird ihm dreimal recht gegeben, zweimal nicht, Groß scheitert mit seinen zwei Versuchen.

Die achteinhalb Kilo schwere, roséfarbenen Sieger-Trophäe darf Kapitän Katharina Schwabe in die Höhe stemmen. „Ich bin super zufrieden“, sagt die 24-jährige Angreiferin. Das kann sie auch sein. Wiesbaden hatte zuletzt in der Liga den Meister Schwerin mit 3:2 bezwungen. „Von uns hat keiner erwartet, dass wir hierherfahren und einfach mal so 3:0 gewinnen“, erklärt sie. So kommt es aber trotzdem. „Wiesbaden war hier für mich nicht der Underdog. Ich habe da eine ganz andere Meinung, eine ganz hohe. Weil Wiesbaden sehr, sehr gute Einzelspieler hat, die haben uns das echt schwer gemacht“, unterstreicht Schwabe. „Für mich war das aber nach langer Zeit mal wieder ein richtig schönes Spiel.“, ergänzt sie.

So kann es nach Meinung des Pokalsiegers auch im Endspurt der Bundesliga weitergehen. „Ich will noch drei Punkte gegen Erfurt holen“, blickt Schwabe direkt nach dem großen Erfolg auf das letzte Spiel der Hauptrunde, dass der DSC am Sonnabend daheim absolviert. Auch diese Fokussierung auf die sportlichen Aufgaben macht den fünffachen deutschen Champion wieder stark und womöglich in der Meisterschaft noch eine Spur unberechenbarer. „Ich werde aber heute sicher nicht nur Wasser trinken“, kündigt sie eine lange Nacht an. „Jetzt will ich auch noch einen anderen Titel holen.“

Schoot hofft auf weiteren Titel

Für die Holländerin Myrthe Schoot ist es der zweite Pokaltriumph mit dem Dresdner SC. Die 29-Jährige benutzt nach der Partie häufig das Wort unglaublich, aber durch die Decke geht auch ihre Stimmung nicht. „Alle Vorbereitungen haben geklappt, hier top spielen zu können“, sagt die Vize-Europameisterin von 2017. „Wir haben gewusst, dass wir gut drauf sind, aber das muss man auch erst mal zeigen“, betont Schoot.

Den Auftrieb für die Meisterschaft erhofft sich auch die langjährige Führungsspielerin. „Na klar ist es immer schöner, wenn man in die Endphase der Meisterschaft geht und schon einen Titel in der Hosentasche hat. Man ist als Sportler nie zufrieden. Wir haben eine gute Ausgangslage. Ich hoffe, dass das nur der Anfang ist, von dem, was wir noch vorhaben.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

Alle Kommentare anzeigen

  1. Kribü

    Herzlichen Glückwunsch zum Pokalsieg an die DSC-Volleyballerinnen und dem gesamten Team. Dieser souveräne Sieg war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Im dritten Satz zeigte sich, wie auch ein Rückstand bei entsprechender Spieleinstellung und der Abrufung des vorhandenen Leistungsvermögens ein Satz noch gewonnen werden kann. Der Sieg war verdienter Lohn. In die Meisterschaftsendphase sollte jetzt ganz entspannt gegangen werden. Vielleicht geht noch was?

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.