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Montag, 11.06.2018

Die Ernte verhagelt

In der Lommatzscher Pflege gab es am Wochenende erneut starke Unwetterschäden. Dabei wird ein Problem sichtbar.

Von Jürgen Müller

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Verhagelt: So sah ein Rübenfeld bei Striegnitz aus, nachdem das Unwetter niedergegangen war. Die Landwirte sind aber guter Hoffnung, dass die Ernte nicht ganz verloren ist. Rüben haben eine gute Regenerationsfähigkeit.
Verhagelt: So sah ein Rübenfeld bei Striegnitz aus, nachdem das Unwetter niedergegangen war. Die Landwirte sind aber guter Hoffnung, dass die Ernte nicht ganz verloren ist. Rüben haben eine gute Regenerationsfähigkeit.

© Gerhard Schlechte

  • Verhagelt: So sah ein Rübenfeld bei Striegnitz aus, nachdem das Unwetter niedergegangen war. Die Landwirte sind aber guter Hoffnung, dass die Ernte nicht ganz verloren ist. Rüben haben eine gute Regenerationsfähigkeit.
    Verhagelt: So sah ein Rübenfeld bei Striegnitz aus, nachdem das Unwetter niedergegangen war. Die Landwirte sind aber guter Hoffnung, dass die Ernte nicht ganz verloren ist. Rüben haben eine gute Regenerationsfähigkeit.
  • Gekörnt: Hagel fiel in Lommatzscher Ortsteilen und auch in Staucha.
    Gekörnt: Hagel fiel in Lommatzscher Ortsteilen und auch in Staucha.
  • Land unter: Einen Meter stand der Müntzerplatz in Staucha unter Wasser.
    Land unter: Einen Meter stand der Müntzerplatz in Staucha unter Wasser.

Lommatzsch. Es geschah nach einem heißen Sommertag zur besten Abendbrotzeit. Vor allem für die Feuerwehrleute war die Grillparty abrupt beendet. Am Sonnabend entlud sich erneut ein starkes Unwetter über der Lommatzscher Pflege. Besonders betroffen warn zahlreiche Ortsteile von Lommatzsch und Stauchitz. Starkregen mit fast Wachteleier großen Hagelkörnern fiel in Striegnitz, Trogen, Dörschnitz, Altsattel, Scheerau und Barmenitz. Alle Ortswehren der Stadt Lommatzsch waren im Einsatz. Wieder standen Keller unter Wasser. Schlamm überströmte zum wiederholten Male Grundstücke in Scheerau. In Striegnitz lief ein Regenrückhaltedamm am Feld über und setzte den Keller eines Hauses etwa 1,50 Meter unter Wasser. „Gurgelnd suchte sich das Wasser dann den Weg im Dorf, verschlammte weitere Straße und Grundstücke, überflutete den Dorfteich und ließ einen Hang abrutschen“, so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). In Trogen schoben riesige Hagelkörner den Schlamm vor sich her, wodurch auch die Spielplatzfläche zerstört wurde. Die Felder in diesen Gebieten sind völlig kaputt, Erbsen, Bohnen, Erdbeeren sind verhagelt und weggespült worden, der Mais ist zertrümmert.

Die Feuerwehr war bis nach Mitternacht im Einsatz. Am Sonntag reinigten die Kameraden zusammen mit dem Bauhof bis gegen 15 Uhr die wichtigsten Straßen vom Schlamm. „Viele Dorfgemeinschaften hielten zusammen und halfen betroffenen Nachbarn und uns bei der Beseitigung der Schäden. Das Miteinander von Nachbarn und Freunden sowie von Feuerwehr, Stadtverwaltung und Bauhof hat gut funktioniert. Dafür bin ich allen sehr dankbar“, so Anita Maaß. Dennoch sei man bei dem Unwetter mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Personen seien durch die Wassermassen nicht zu Schaden gekommen.

Die Unwetter hätten ihr aber auch gezeigt, dass insbesondere in den Ortswehren Neckanitz, Striegnitz und Wachtnitz weitere Verstärkung nötig ist. Gerade die technischen Hilfeleistungen nähmen in den letzten Jahren zu. „Die Erwartungshaltung von Bürgern gegenüber der Feuerwehr ist in unseren Ortsteilen sehr hoch. Dabei wird mitunter vergessen, dass alle Kameradinnen und Kameraden in ihrer Freizeit selbstlos helfen. Zu Hause wartet auch die Familie. Zwei Wochenenden hintereinander im Einsatz zum Wohle unserer Bürger zu verbringen erfordert großes Engagement und verdient höchsten Dank“, sagt die Lommatzscher Rathauschefin. Sie möchte den Anlass nutzen, um an alle Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren zu appellieren, eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr ernsthaft zu erwägen.

Alle vier Ortsfeuerwehren aus der Gemeinde Stauchitz, aber auch Wehren aus Heyda, Hirschstein und Mehltheuer sowie zwei aus Riesa waren am Sonnabend in Staucha im Einsatz. Betroffen waren vor allem der Thomas-Müntzer-Platz mit dem Herrenhaus und der Markthalle, aber auch zahlreiche umliegende Grundstücke in Staucha. „Es gab in Staucha am Sonnabend rund zehn Minuten lang Hagel, es fielen insgesamt 100 Liter Regen pro Quadratmeter“, sagt der Stauchitzer Bürgermeister Frank Seifert (parteilos). Er selbst ist mit seinem Privatgrundstück betroffen, hatte Schlamm und Wasser im Keller und im Seitengebäude. „Da war nichts mit Maschinen zu machen, sondern alles Handarbeit“, sagt er. Auf dem Müntzerplatz stand zeitweise ein Meter hoch ein Gemisch aus Schlamm und Wasser. Der Schlamm ergoss sich aus dem Park und von den Feldern. „Wir liegen hier in Staucha wie in einem Trichter, das Wasser kommt von allen Seiten“, sagt F’rank Seifert.

Der Bauhof der Gemeinde war am Montag noch damit beschäftigt, den Platz zu räumen. Auch die Markthalle war betroffen, wurde grob gereinigt, m muss nun austrocknen. Erst danach kann die Endreinigung beginnen.