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Donnerstag, 09.08.2018

„Die DB Netz AG zerstört uns die Fahrzeugflotte“

Die Städtebahn Sachsen droht nach einer Vielzahl von Unfällen mit Gewächsen am Gleis das Aus für die Bahn nach Kamenz an.

Der Triebwagen der Städtebahn ist am Sonnabend mit einem umgestürzten Baum zusammengestoßen. Der Schaden an Unterflur und Steuerungselektronik ist sechsstellig. Ganz abgesehen von der Gefährdung der Mitreisenden.
Der Triebwagen der Städtebahn ist am Sonnabend mit einem umgestürzten Baum zusammengestoßen. Der Schaden an Unterflur und Steuerungselektronik ist sechsstellig. Ganz abgesehen von der Gefährdung der Mitreisenden.

© Jonny Linke

Dresden/Kamenz. Die Städtebahn Sachsen hat nach den jüngsten Triebwagen-Zusammenstößen mit Bäumen im Gleis ihre Kritik an der DB Netz AG verschärft. Und muss erste Konsequenzen ziehen. Geschäftsführer Torsten Sewerin: „Aktuell sind fünf der sechzehn eingesetzten Fahrzeuge der SBS in der schweren Instandhaltung und fehlen somit für das Platzangebot.“ So seien Züge in den Werken bei Siemens und EMD Delitzsch. Die Reparaturen würden Monate dauern, da die Schäden so erheblich seien, dass die Züge komplett demontiert werden müssten. Vor allem seien dies Unterflurschäden und Schäden der Steuerungselektronik. „Da wir gegenüber dem Eisenbahnbundesamt die Sicherheit der Fahrzeuge im Eisenbahnbetrieb nachweisen müssen, sind bei derart schweren Schäden Gutachter erforderlich“, so Sewerin. „Die Kapazitäten zugelassener Gutachter aber auch zertifizierter Werkstätten sind in Deutschland erheblich eingeschränkt. Das verzögert die Reparaturdauer um Monate.“

Die Schadensquote aufgrund der Zusammenstöße belaufe sich seit der Betriebsaufnahme im Dezember 2010 mittlerweile auf 2 Millionen Euro. Allein der Schaden vom November 2017 auf der Strecke nach Kamenz und der vom vergangenen Samstag, erreichten ein Volumen von ungefähr 750 000 Euro. Beim erstgenannten Crash wurde der komplette Triebkopf des Zuges zerstört. Der Zug ist neun Monate später immer noch in der Reparatur.

Wofür wird das Geld verwendetD?

„Faktisch zerstört uns DB Netz AG zunehmend die Fahrzeugflotte, sodass der bestellte SPNV mangels Fahrzeuge nicht mehr mit den gewünschten Platzkapazitäten gewährleistet werden kann“, so Sewerin. Und dafür lege man jährlich zehn Millionen Euro Infrastrukturkosten hin! „Da stellt sich die Frage, wofür das Geld verwendet wird? Jedenfalls nicht für den Rückschnitt hiesiger Strecken.“

Gebrauchte Eisenbahnfahrzeuge seien am deutschen Markt nicht verfügbar. Bei Neubestellungen wartet der Besteller drei Jahre. „Ein Zug in unserer Größenordnung kostet etwa fünf Millionen Euro.“ Neben der Problematik der fehlenden Lokführer bei allen deutschen Eisenbahnunternehmen werde bundesweit zunehmend auch der Fahrzeugmangel durch Kollisionen dafür sorgen, dass nicht mehr ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen. „Dies vor allem auf Strecken, die von der DB nicht mehr bedient werden. Hier werden die Ausgaben und Kapazitäten der DB Netz AG massiv zurückgefahren. Ein Sicherheitsrisiko für Fahrgäste und Personal.“

Die Mitarbeiter des Eisenbahnbundesamtes (EBA) kontrollieren regelmäßig die Lokführer auf den Führerständen der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Auf den Zügen der Städtebahn fast wöchentlich. „Wir wünschen uns durch das EBA in gleicher Art und Weise Kontrollen auf den Strecken der DB Netz AG, um Unzulänglichkeiten und Betriebsgefahren festzustellen, mit der Maßgabe, diese zu beheben.“ Entsprechende Richtlinien zum Vegetationsrückschnitt gebe es, so Torsten Sewerin. „Wenn sich die Infrastrukturzustände nicht zeitnah erheblich verbessern, werden wir den Verkehr auch auf den Strecken zwischen Dresden und Kamenz sowie nach Königsbrück einstellen müssen – und zwar so lange, bis in gleicher Art und Weise wie nach Altenberg die Bäume entfernt wurden.“ Seit der Fällung im Januar habe es dort keine Kollision mit einem Baum mehr gegeben. Zuvor war diese Strecke Unfallschwerpunkt bei der Städtebahn gewesen.

Die SZ hat die DB Netz AG am Montag um eine Stellungnahme zum Thema Gleissicherheit zwischen Kamenz und Dresden gebeten. Bis Mittwochabend ist trotz Zusage keine Antwort eingegangen. szo)