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Dienstag, 13.03.2018

Die Alt-Rocker werden nicht müde

Mit einem Auftritt im „Schwan“ leiten Privileg die Konzertsaison 2018 ein. Dazu wurde extra ein neues Programm einstudiert.

Von Eric Mittmann

Von links: Hans-Jürgen Estler, Lutz Hellmuth und Rainer Krause. Die Musiker von „Privileg“ stehen auch in diesem Jahr wieder auf den Bühnen der Region. Los geht es am 24. März mit einem Konzert im Schwan.
Von links: Hans-Jürgen Estler, Lutz Hellmuth und Rainer Krause. Die Musiker von „Privileg“ stehen auch in diesem Jahr wieder auf den Bühnen der Region. Los geht es am 24. März mit einem Konzert im Schwan.

© privat

Hartha. Sie zählen zu den stabilen Größen der Region. In ihrer Anfangszeit in den 70er-Jahren war der Flemmingener Hof ihre Bühne. Später, in den 90ern, wechselten sie in den Schwan, wo sie auch nun wieder auftreten: Am 24. März sind „Privileg“ wieder auf ihrer Stammbühne zu sehen.

„Wir haben eigentlich immer im Schwan gespielt, bestimmt fünf, sechs, sieben Mal pro Jahr“, erzählt Hans-Jürgen Estler, Gitarrist und Sänger der Band. „Mit dem Konzert am 24. März wollen wir nun die neue Bühnensaison einleiten.“

Dafür haben die fünf Musiker auch ein neues Programm entwickelt und um einige Hits erweitert. Zusätzlich zu Liedern von unter anderem Creedence Clearwater Revival, Status Quo und Deep Purple gibt es nun auch einen „Block“, wie Estler es bezeichnet, den die Musiker ganz der Geschichte des Ostrock widmen. „Wir haben bereits vorher mal zwei bis drei Titel von Karat und Karussell gespielt. Das kam so gut an, dass wir uns nun gesagt haben, wir bieten dazu einen gesamten Block an“, so Estler.

Mit „Block“ ist dabei ein Abschnitt innerhalb der Bühnenshow von „Privileg“ gemeint, in der die Musiker nichts als Musik machen. Sechzig Minuten gehe dieser in der Regel. Fans und Zuschauer können sich also auf eine Stunde im Zeichen des Ostrock freuen. „Für gewöhnlich spielen wir vier bis fünf Blöcke pro Konzert. Dafür können wir mittlerweile auf ein Repertoire von 150 Titeln zugreifen“, erklärt der Gitarrist und Sänger.

Bereits Anfang der 1970er fanden sich „Privileg“ in Hartha zusammen. Die Namensfindung sei einfach gewesen, sagte Estler in einem früheren Interview. „Im Kino wurde der Film ‚Privileg‘ gezeigt. Es ging um einen jungen Rockmusiker. Das Schönste am Film war aber eindeutig die Musik.“

1976 erfolgte die Einstufung als Band, weshalb dieses Jahr auch als Gründungsjahr gesehen werde. „Nach der Einstufung kauften wir uns neue Technik und Instrumente aus dem Westen. Es ist ja heute kaum noch vorstellbar, dass wir mit der Ausrüstung aufgetreten sind, die wir vorher hatten“, sagt Estler. „Das neue Equipment haben wir über Bands bekommen, die wir bei unseren Auftritten kennenlernten. So bin ich auch an meine erste E-Gitarre aus dem Hause Gibson gelangt. Diese habe ich mir damals für 10 800 DDR-Mark gekauft. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass ich zu dieser Zeit nur 500 DDR-Mark verdient habe.“

Einer dieser Auftritte ist dem Sänger und Gitarristen noch lebhaft im Kopf geblieben. „Wir haben Freitag im Flemmingener Hof gespielt und sollten Sonntag noch anderswo auftreten. Als wir gerade dabei waren, die Technik im Flemming abzubauen, tauchten plötzlich die Gruppe Elefant und deren Sängerin Ute Freudenberg auf“, erzählt Estler. „Sie fingen an, sich zu beschweren, weil es nur eine Treppe gab und wir diese benutzten. Da meinte der damalige Veranstalter zu ihnen: ‚Passt auf, die haben Freitag bei mir gespielt und 1 000 Leute in den Saal gebracht. Wenn ihr das schafft, könnt ihr beim nächsten Mal als erstes aufbauen. Damit war das Problem letztendlich aus der Welt geschafft. Aber die Freudenberg war eine ganz schön kleine Zicke.“

Um sich weiterzuentwickeln und besser zu werden, nahmen die Bandmitglieder Musikunterricht in Leipzig und Döbeln. „Dort haben wir auch unseren Satzgesang gelernt. Neben mir singen ja auch noch Heiko Voigt an Gesang und Schlagzeug und Lutz Hellmuth an Gesang, Gitarre und Mundharmonika.“

In ihrer 42-jährigen Bandgeschichte traten „Privileg“ immer wieder in unterschiedlichen Besetzungen auf. „Das Problem der Verkleinerung hatten und haben ja auch andere. Zu unserem Glück war die Musikerszene der DDR eine sehr eng verstrickte Gemeinschaft und man hat sich immer wieder ausgeholfen, wenn mal Not am Mann war“, erklärt Estler.

Mittlerweile hat sich auch eine feste Besetzung wieder zusammen gefunden. Neben Hans-Jürgen Estler an Gesang und Gitarre wird „Privileg“ heute durch Rainer Krause am Bass, Udo Dintner am Keyboard, Heiko Voigt an Gesang und Schlagzeug und Lutz Hellmuth, ebenfalls an Gesang und Gitarre, sowie an der Mundharmonika vervollständigt.

Mit den Proben ist es dagegen nicht einfacher geworden. Statt zur Armee müssen die Musiker heute zur Arbeit. „In Vorbereitung auf das neue Programm treffen wir uns schon wöchentlich. Das ist allerdings nicht so einfach, da zwei von uns mittlerweile selbstständig sind“, so Estler.

Mit dem neuen Programm verfolgen „Privileg“ ein klares Ziel: „Es geht uns darum, dass sich die Generation von früher mal wieder trifft, einen schönen Abend hat und am Ende sagen kann: ‚Das war geil‘“, sagt der Gitarrist und Sänger. „Gerade, wenn es um Ostrock geht, reden wir hier ja von Titeln, die unsere Kinder sogar noch kennen und vielleicht sogar mitsingen können. Jeder verbindet Erinnerungen damit und hat einen Bezug dazu. “

„Privileg“ live: Die Konzertsaison 2018 leiten „Privileg“ am 24. März mit einem Auftritt in ihrem Stammsaal, dem Harthaer Schwan, ein. Beginn ist um 20 Uhr. Der Einlass startet 19 Uhr. Das nächste Konzert folgt am 1. Mai an der Talsperre Kriebstein. Auch weitere Auftritte sind laut Gitarrist und Sänger Hans-Jürgen Estler bereits in Planung.