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Freitag, 14.09.2018

Dicke Luft im Lehrerzimmer

Radebeuler Lehrer kündigen an, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen. Doch der Protest währt nicht lange.

Von Peggy Zill

Ein Brief von Lehrern des Luisenstifts in Radebeul hat Eltern und Schüler verunsichert. Dem öffentlichen Protest folgte Schweigen – von allen Seiten.
Ein Brief von Lehrern des Luisenstifts in Radebeul hat Eltern und Schüler verunsichert. Dem öffentlichen Protest folgte Schweigen – von allen Seiten.

© SZ-Archiv/Arvid Müller

Radebeul. In den Lehrerzimmern brodelt es. Mit diesem Satz beginnen die Lehrer des Luisenstifts in Radebeul ihren Brief an die Eltern. Auf den nächsten Zeilen geht es um die Verbeamtung der jungen Lehrer, die Kürzung der Stundentafel und die Einführung des Fachs Informatik in den Klassen 9 und 10. Eine Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen würde durch das Programm des Freistaates nicht eintreten. Deshalb kündigen die Pädagogen an: „Wir werden uns auf das Kerngeschäft unserer Lehrtätigkeit konzentrieren – den Unterricht. Bis auf wenige Ausnahmen werden alle außerordentlichen Aktivitäten ohne Lehrplanbezug ausgesetzt – Wettbewerbe, Olympiaden, Konzerte, Sportcamps.“

Helfen Sie uns, die Situation in den Lehrerzimmern zu beruhigen, bitten die Radebeuler Lehrer zum Schluss ihres Anschreibens die Eltern. Für Ruhe haben hingegen andere gesorgt. Die Lehrer, die die Briefe verteilt haben, scheinen unterdessen einen Maulkorb verpasst bekommen zu haben. „Wir sind angewiesen, auf Fragen zum Elternbrief keine Antworten zu geben. Daran halten wir uns aus dienstrechtlichen Gründe“, heißt es auf eine SZ-Anfrage. Der Blog „Fairplay im Klassenzimmer“, der zum Thema geführt wurde, wurde unterdessen gelöscht. Auch die Schulleitung will sich zum Thema nicht äußern, verweist an das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub).

Dort ist das Thema bekannt. „Wir gehen davon aus, dass auch an dieser Schule alle Lehrkräfte ihre sich aus dem Lehrerberuf ergebenden Aufgaben erfüllen“, teilt Pressesprecher Roman Schulz mit. Soll heißen, Wettbewerbe und Schulausfahrten werden stattfinden. Und durch den Brief der Lehrer müssen sich die Eltern offensichtlich nicht verunsichern lassen. „Die Schulleitung vertritt die Schule nach außen! Das Schreiben der Schulleitung beinhaltet daher die verbindliche Aussage“, heißt es aus dem Lasub.

Denn als Reaktion auf den Lehrerbrief folgte einer der Schulleiterin. Darin bedauert sie, dass die Lehrer mit viel Unsicherheit, Besorgnis und Unmut verursacht haben. Die politischen Diskussionen im Lehrerzimmer dürften keine Auswirkungen auf die Arbeit mit den Kindern haben. Entgegen der Aussagen im Elternbrief werde es weiterhin außerschulische Aktivitäten geben.

Auch vom Elternrat gibt es vorerst keine Stellungnahme. Man müsse sich zunächst selbst sortieren. Am Montag treffen sich die Elternräte, da stehe das Thema auf der Tagesordnung. Die Schülersprecher ließen eine SZ-Anfrage ebenso unbeantwortet.

In einem Interview, dass vier Radebeuler Lehrerinnen, MDR Sachsen gegeben haben, erklärten sie, dass sie mit ihrer „Kampfansage“ gegen die Ungerechtigkeit vorgehen wollen, die das Handlungsprogramm mit sich bringt. Denn egal ob verbeamtet oder nicht: Alle Lehrer müssten die gleiche Arbeit leisten. Die Jungen, ohne Lebens- und Arbeitserfahrung würden mit der Verbeamtung aber mehr Geld bekommen. Eine Möglichkeit, die Nettolücke auszugleichen wäre eine monatliche Zulage für die angestellten Lehrer. Außerhalb der Arbeitszeit ohne Aufwandsentschädigung würden zum Beispiel Theaterbesuche, Weihnachtsfeiern oder der Tag der offenen Tür stattfinden.

Im August hat die Landesregierung ein Gesetz verabschiedet, mit dem die Verbeamtung der Lehrer zum 1. Januar 2019 rechtlich vorbereitet wird. In dem sogenannten Artikelgesetz wird die Altersgrenze für die Verbeamtung auf 42 Jahre festgelegt. Zudem werden Regelungen für Ausnahmen von dieser Altersgrenze in besonders begründeten Fällen getroffen. Laut Entwurf sollen zunächst nur bis zum Jahr 2023 Verbeamtungen möglich sein. In dem Gesetzentwurf geht es auch um eine höhere Vergütung für Grundschullehrer. Zu den Vorzügen des Beamtenstatus gehören erhebliche finanzielle Vorteile, eine attraktive Pensionsregelung, Unkündbarkeit sowie eine Besserstellung bei Krankheit. Die Große Koalition verspricht sich von dem 1,7 Milliarden Euro teuren Handlungsprogramm eine Lösung des Lehrermangels in Sachsen. Der Landtag muss dem Programm noch zustimmen.