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Mittwoch, 03.01.2018

Diagnose: Neustart

An diesem Mittwoch übernimmt Sascha Ifflaender die Kinderarztpraxis von der fast schon legendären Medizinerin Ljudmila Bartz.

Von Julia Vollmer

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Eine neue Kinderarzt-Praxis wird auf der Theresienstraße 20 eröffnet: Kinderkrankenpfleger Christian Förster (l.) und Arzt Sascha Ifflaender legen los.
Eine neue Kinderarzt-Praxis wird auf der Theresienstraße 20 eröffnet: Kinderkrankenpfleger Christian Förster (l.) und Arzt Sascha Ifflaender legen los.

© Sven Ellger

Eine Internetseite geschweige denn eine Mailadresse war nicht zu finden. So entschied sich Sascha Ifflaender am Ende für einen Brief. Handschriftlich – so etwas hatte er schon ewig nicht mehr geschrieben. Die Empfängerin ist in Dresden generationsübergreifend bekannt: Mit 80 Jahren verabschiedete sich Ljudmila Bartz nach Jahrzehnten von ihrer Praxis auf der Theresienstraße am Albertplatz und suchte einen Nachfolger. Ljudmila Bartz antwortete – ebenfalls per Brief – und lud den jungen Arzt zum Kennenlernen ein. „Ich traf mich mit ihr, besichtigte die Praxis und wir verstanden uns auf Anhieb“, erzählt der 38-Jährige. Als er dann noch seinen kleinen Sohn mitbrachte, war das Eis endgültig gebrochen und die Ärztin sagte: „Wir machen das so, da muss ich mir keine weiteren Bewerber mehr ansehen.“

Ljudmila Bartz empfahl ihren Nachfolger bei der Kassenärztlichen Vereinigung, denn diese Kommission entscheidet letztendlich über eine Nachbesetzung. Doch in der Regel folgen sie dem Vorschlag des Vorgängers. Gute Nachrichten für die Stadt, denn Dresden steht bei der Versorgung mit Kinderärzten sehr gut da. Stadtweit gibt es 56 vertragsärztlich tätige Kinderärzte. „Der Bedarf ist damit gedeckt mit einem Versorgungsgrad von 113,8 Prozent“, so Michael Rabe, Geschäftsführer der Kassenärztliche Vereinigung Sachsen. Damit gibt es eine leichte Überversorgung. Die Zahl hat sich damit in den letzten Jahren kaum verändert. 2012 waren es 55 vertragsärztlich tätige Kinderärzte. Ob der Bedarf in der kinderreichen Neustadt mit fünf Kindermedizinern gedeckt ist, kann die Kassenärztliche Vereinigung nicht einzeln aufschlüsseln. „Die Bedarfsplanung unterscheidet in Dresden, genau wie in anderen Großstädten Sachsens nicht nach Stadtteilen oder Ortsämtern“, so Rabe. Im Rahmen einer Anfrage sei durch den Zulassungsausschuss Ärzte Dresden als Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen eine Auswertung aktueller Daten zur kinderärztlichen Versorgung der Neustadt durchgeführt worden. Das Ergebnis: es gäbe zwar Unterschiede in der Versorgung zwischen den einzelnen Stadtteilen. „Doch schlechter versorgte Stadtteile sind umgeben von gut versorgten Stadtteilen“, betont der Geschäftsführer. Dafür gibt es Gründe: gut organisierte Praxen mit attraktiver Verkehrsanbindung würden von Patienten mehr frequentiert. Daher komme es punktuell zu lokalen Unterschieden in der kinderärztlichen Versorgung.

Sascha Ifflaender musste nicht lange überlegen, ob er den Neustart wagt oder nicht. „Den Traum von der Niederlassung träumte ich schon lange“, sagt er. Nach zehn Jahren Schichtdienst in der Uniklinik hatte er Lust auf eine neue Herausforderung und auf familienfreundlichere Arbeitszeiten. Seine Frau, die als Kinderkrankenschwester arbeitet, und er sind Eltern eines kleinen Sohnes. Familiär und gemütlich – so soll es auch in der Praxis künftig ablaufen. Auch Erfahrung kann der Neue vorweisen. Sascha Ifflaender, gebürtiger Berliner und heute eingefleischter Neustädter, studierte an den Universitäten in Berlin und Innsbruck Medizin. 2008 kam er an die Dresdner Universitätskinderklinik. Seit 2013 ist er Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren die Arbeit mit schwerstkranken Kindern und Frühgeborenen auf der Intensivstation sowie die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. Er engagiert sich außerdem ehrenamtlich unter anderem als Kurator der DSKN – Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene und für die Integration von Flüchtlingen.

Mit seinem Team, zu dem neben zwei anderen Kinderkrankenpflegern auch seine Frau gehört, möchte er den Eltern und Kindern eine vertrauensvolle Atmosphäre bieten. Mit dem Online-Terminkalender will er den Eltern das Leben erleichtern. Statt entnervt mit dem eigenen Terminkalender vor der Nase mit der Praxis einen gemeinsamen Termin finden zu müssen, können sie bequem vom Computer aus einen ausmachen, wenn es für sie passt. Vorsorge- und Impftermine werden auch außerhalb der normalen Sprechzeiten angeboten. So soll es für alle entspannter laufen.

Alles ein wenig entspannter zu sehen, rät Sascha Ifflaender auch den Eltern seiner kleinen Patienten, wenn zum Beispiel ein Kind mit zwölf Monaten noch nicht laufen kann oder einen Schnupfen hat. „Auch wenn es kitschig klingt: Liebe hilft am besten. Und das meiste kommt von ganz allein.“ An diesem Mittwoch öffnet die Praxis und der Kalender ist schon gut gefüllt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Leserin

    Ich wünsche viel Glück und Erfolg. Es klingt alles sehr gut. Ich freu mich auf die neue Praxis.

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