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Freitag, 15.06.2018

Deutschlands östlichster Spanier

Sergio Alechaldre hat in Görlitz ein Geschäft eröffnet. Der Computerexperte erfüllte sich damit einen langgehegten Traum.

Von Matthias Klaus

Häppchen zum Probieren gefällig? Sergio Alechaldre in seinem Geschäft am Görlitzer Wilhelmsplatz. Hier gibt es Leckereien aus kleinen traditionellen spanischen Unternehmen zu kaufen und zu essen.
Häppchen zum Probieren gefällig? Sergio Alechaldre in seinem Geschäft am Görlitzer Wilhelmsplatz. Hier gibt es Leckereien aus kleinen traditionellen spanischen Unternehmen zu kaufen und zu essen.

© nikolaischmidt.de

Probier doch mal das. Oder den Schinken. Und dieser Käse ...“ Unmöglich, den kulinarischen Köstlichkeiten zu entkommen. Sergio hat sie fein säuberlich auf Teller drapiert, jedes Häppchen mit einer kleinen Nationalflagge versehen. Hier kann gratis gekostet werden. „Die Oliven sind kleiner als die, die man ansonsten im Supermarkt bekommt“, sagt er. Aber das ist so gewollt. Denn Sergio Alechaldre bezieht seine Waren nicht aus dem Großhandel, sondern von kleinen Unternehmen aus seinem Heimatland. Heimatland Spanien? „Ja“, sagt er. Aber eigentlich sei er mehr der internationale Typ.

Seit zwei Wochen ist das Geschäft an der Konsulstraße/Ecke Gartenstraße geöffnet. Schick ist es geworden. Das Design hat sich Sergio selbst ausgedacht. „Natürlich soll es dem Charakter des Hauses entsprechen, und dem Denkmalschutz. Aber es soll auch modern sein“, sagt er. Der 51-Jährige hat gemütliche Sitzplätze eingerichtet, eine Bank in einem kleinen separaten Zimmer, wo man ungestört plauschen kann. Ein Café, so steht es außen an der Tür, soll das Geschäft sein und ist doch mehr als das. Es gibt Wein, klar, spanische Leckereien zum Mitnehmen und zum Gleichessen. Görlitz hat mitten im Zentrum ein kleines Stück Spanien mit Herrn Alechaldre bekommen. Was verschlägt einen Herrn von der iberischen Halbinsel ausgerechnet an die Neiße? Laut Sergio geht die Geschichte so: „Ich war in Prag, hab mir dort ein Auto gemietet. Dann bin ich Richtung Deutschland gefahren und kam in Zittau an, hörte von Görlitz und fuhr weiter. Und war in die Stadt verliebt.“ Vor acht Jahren kam er zum ersten Mal her.

Sergio Alechaldre, der Weltbürger. Seine Eltern stammen aus Barcelona. „Doch sie waren beruflich viel unterwegs“, erzählt er. Geboren wurde Sergio in Amerika, Alicante bezeichnet er aber als seine Heimatstadt. Im zarten Alter von einem Jahr kam er zurück nach Spanien. Sergio hat in Stockholm studiert, ist Computerexperte. Er arbeitete in Columbien, in Costa Rica, in Kalifornien und Miami. IBM war einer seiner Arbeitgeber. „Aber ganz ehrlich: Mein Traum war es schon immer, ein eigenes Café zu haben“, sagt er. Den habe er sich nun in Görlitz erfüllt. Lockte ihn nicht das große Geld, das vielleicht im Silicon Valley verdient wird? „Ach weißt du, Geld ist doch nicht alles im Leben“, lächelt Sergio Alechaldre.

Nun also Görlitz, ein Unternehmen an der Konsulstraße. Funktioniert das? In Spanien, sagt Sergio, sei touristisch doch schon alles aufgeteilt. Am Mittelmeer beispielsweise eine Bar, ein Café neben dem anderen. „Da gibt es keine Nische mehr“, sagt er. Anders hier in Görlitz. Ein Geschäft, das spanische Küche und Spezialitäten anbietet, sei schon besonders. Zwischendurch wuselt der Mann mit dem markanten Glatzkopf immer wieder in die Küche, bedient Kundschaft, die schon den Spanier als Stammgäste schätzen. Sergio hat in Görlitz in eine Immobilie investiert. In der Nähe des Bahnhofes lässt er ein Haus sanieren. Etwa 85 Prozent sind schon geschafft, schätzt er.

Privat ist er verbandelt, hat eine Freundin. Die lebt allerdings in der Ukraine. Kein Problem, winkt Sergio ab, von Görlitz durch Polen ist das ja nicht so weit. Er sei sehr zufrieden hier mit dem Leben. „Görlitz ist toll“, sagt Sergio Alechaldre. Und aus Sicht des Spaniers liegt die Stadt, wie schon oft geschrieben, eben in der Mitte Europas. „Eine tolle Lage“, sagt Sergio. Er spricht besser Polnisch als Deutsch, gesteht er. Polnisch hat der Spanier an der Volkshochschule in Zittau gelernt. Trotzdem, um mit der Kundschaft zu reden, ist sein Deutsch dann doch mehr als ausreichend.

Viel Werbung hat er für die Eröffnung seines Geschäftes nicht gemacht. „Eigentlich gar keine“, schmunzelt der Unternehmer. Er setzt auf die Öffnungszeiten, Sonntag und Sonnabend bis in den Nachmittag beispielsweise und die gute Lage des Geschäftes am Wilhelmsplatz. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt Sergio. Nach Spanien zieht es ihn allerdings auch ab und zu in den Urlaub – vor allem im Dezember, wenn es in Deutschland kühler wird.