erweiterte Suche
Mittwoch, 16.05.2018

Deutscher stirbt bei Tesla-Unfall

Von Christiane Oelrich, Andrej Sokolow und Alvise Armellini

Der Fahrer dieses Tesla war nicht zu retten.
Der Fahrer dieses Tesla war nicht zu retten.

© Feuerwehr Bellinzona

Bellinzona. Ein 48-jähriger Mann aus Baden-Württemberg ist in der vergangenen Woche bei einem Autounfall mit einem Tesla im schweizerischen Kanton Tessin ums Leben gekommen. Laut Polizei war er auf der A2 nahe des Monte-Ceneri-Tunnels in nördlicher Richtung unterwegs. Dort habe er aus noch ungeklärter Ursache die Kontrolle über das Elektrofahrzeug verloren und sei in die Mittelleitplanke geprallt. Der Wagen habe sich überschlagen und Feuer gefangen. Der Fahrer konnte nicht gerettet werden.

Schweizer Feuerwehrleute haben nun die Diskussion um die Sicherheit der Batterien von Elektroautos mit einem brisanten Facebook-Text angeheizt. Bei dem tödlichen Unfall mit einem Tesla könnten die Akkus den Brand beschleunigt haben, der das Auto weitgehend zerstörte, schrieb die Feuerwehr Bellinzona.

Tesla bedauerte den Unfall, bezeichnete die Äußerungen zu den Akkus aber als reine Spekulation. Die Feuerwehr löschte ihren Facebook-Post kurz darauf. Zuerst hatte die Schwäbische Zeitung über den Vorfall berichtet.

Die Kollision der Lithium-Ionen-Batterien hätten wahrscheinlich eine schnelle und unaufhaltsame Temperaturerhöhung verursacht, schrieb die Feuerwehr. Sie verwies auf eine sich selbst verstärkende chemische Reaktion, „thermisches Durchgehen“ genannt. Dabei entstehen schnell sehr hohe Temperaturen.

Tesla betonte, man müsse das Ergebnis des Untersuchungsberichts durch die Polizei abwarten. Die Ermittlungen dauerten an, teilte die Polizei in Bellinzona mit. Sie könne zunächst keine näheren Angaben machen. „Wir sind tief betrübt über den Unfall“, teilte ein Tesla-Sprecher mit. „Wir arbeiten daran, alle Fakten zu diesem Fall zusammenzutragen und arbeiten vollumfänglich mit den örtlichen Behörden zusammen.“ Tesla konnte zunächst auch keine Angaben dazu machen, ob das Autopilot-Assistenzsystem zum Zeitpunkt des Unfalls eingeschaltet war. Derzeit werden mehrere Unfälle mit dem Autopilot-System in den USA untersucht.

Nicht der erste Brand

Warum die Feuerwehr ihre ursprüngliche Facebook-Mitteilung löschte, blieb unklar. Die Pressestelle manage die Facebook-Seite nicht, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Statt dem ursprünglichen Post schrieb die Feuerwehr neu, der Brand sei dank der online verfügbaren Anleitung des Herstellers für Notfälle sicher gelöscht worden.

In den USA werden mehrere Brände von Tesla-Fahrzeugen untersucht. Ermittler legen dabei ein besonderes Augenmerk auf die Batterien. Für Aufsehen sorgte ein Unfall im kalifornischen Silicon Valley. Das Wrack wurde gelöscht, aber die Batterien fingen nach Angaben der Feuerwehr drei Mal erneut Feuer, zuletzt sechs Tage später. Vor einer Woche gab es einen Unfall in Florida, bei dem ein Tesla in Brand geriet. Auch dieser Fall wird von US-Behörden untersucht.

Die Akkus heutiger Elektrofahrzeuge bestehen aus vielen Lithium-Ionen-Zellen, die zu großen Batterie-Packs gebündelt werden. Die Gefahr ist, dass sich ein Feuer schnell ausbreitet, wenn auch nur wenige Zellen in Brand geraten. Zugleich gelten Lithium-Ionen-Akkus grundsätzlich als empfindlich – es gab bereits Probleme mit Batterien von Smartphones, Notebooks sowie in der Boeing 787.

Tesla-Chef Elon Musk hatte wiederholt erklärt, ein Feuer in einem der Elektrofahrzeuge der Firma sei deutlich weniger wahrscheinlich als bei Autos mit Verbrennungsmotoren.

Laut Bildzeitung soll es sich bei dem Tesla-Fahrer um den Geschäftsführer eines Unternehmens in Tettnang und des slowakischen Furnierplattenherstellers Europlac handeln. Er war am 10. Mai mit seinem Auto auf der Rückfahrt von einer Geschäftsreise aus Mailand in Bellinzona/Schweiz tödlich verunglückt. Dies hat Europlac gegenüber der Initiative Furnier+Natur (IFN) bestätigt, in dessen Vorstand der Manager saß. Der europäische Wirtschaftsdienst (Euwid) hat die Meldung des Unternehmens veröffentlicht. Der Manager hinterlässt Frau und drei Kinder. (dpa/SZ)