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Mittwoch, 17.10.2012

Deutsche Knigge-Gesellschaft kritisiert fehlende Höflichkeit

Grafenau. Die Deutsche Knigge-Gesellschaft will die Bundesbürger zu mehr Höflichkeit animieren. Er hoffe, dass von der Jahreshauptversammlung im niederbayerischen Grafenau von Donnerstag bis Sonntag (18. bis 21. Oktober) aus der „Knigge-Impuls in die ganze Republik ausstrahlen wird", sagte der Vorsitzende Hans-Michael Klein der Nachrichtenagentur dapd. In Deutschland sei es um das Thema Höflichkeit derzeit nämlich schlecht bestellt, urteilte der Knigge-Experte: „Ich muss schon sagen, im Moment geht es wirklich in Richtung Rüpelgesellschaft", betonte er. Schuld an dem Dilemma sind seiner Ansicht nach unter anderem die anti-autoritären Erziehungsideale der 68er-Generation.

Gleichzeitig soll das Bild des „Urvaters guter Sitten", Adoph Freiherr von Knigge, bei der Versammlung in Grafenau zurechtgerückt werden. Der Aufklärer und Humanist Knigge, der mit seinem 1788 veröffentlichten Buch „Über den Umgang mit Menschen" den Grundstein für die heutige Benimmbewegung legte, sei nämlich gar kein „Benimmonkel" gewesen, betonte Klein. Die Knigge-Regeln hätten vielmehr im Laufe der Zeit eine Eigendynamik entwickelt.

Knigge wollte mit seinen Regeln Klein zufolge andere Menschen schützen und auch ein moralisches Bewusstsein ihnen gegenüber zum Ausdruck bringen. Da es im 18. Jahrhundert noch kein Urheberrecht gab, konnten Nachahmer Knigges Werk kopieren und eigene Kapitel anhängen. „Und im Laufe der Zeit wurde dieses Buch immer dicker und hinterher war es dann wirklich die Benimmfibel", erklärte der Knigge-Experte. Doch die formalen und steifen Benimmregeln hätten mit Knigges Grundideen oft nicht mehr viel zu tun.

Grafenau im Bayerischen Wald wurde von Klein und seinen Mitstreitern zur „Höflichsten Stadt Deutschlands" erkoren. Die Menschen dort seien „sehr freundlich, offen, herzlich und besonders höflich", versicherte Klein. (dapd)