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Mittwoch, 14.05.2014

Deutsche Bahn verkauft Waggonbau an Münchener Beteiligungsgesellschaft

Noch halten sich beide Seiten bedeckt. Doch der Deal soll in wenigen Wochen unter Dach und Fach sein. Die Mitarbeiter haben Angebote in der Hand.

Von Carla Mattern und Tilo Berger

Noch steht DB Waggonbau Niesky auf dem Firmenschild. Welcher neue Name hier künftig steht, ist noch nicht bekannt. Ende Mai, Anfang Juni soll es Unterschriften auf dem Vertrag zwischen der DB AG und dem neuen Besitzer und mehr Klarheit geben.
Noch steht DB Waggonbau Niesky auf dem Firmenschild. Welcher neue Name hier künftig steht, ist noch nicht bekannt. Ende Mai, Anfang Juni soll es Unterschriften auf dem Vertrag zwischen der DB AG und dem neuen Besitzer und mehr Klarheit geben.

© André Schulze

Das mehr als ein Jahr andauernde Rätselraten um die Zukunft des Nieskyer Waggonbaus ist beendet. Eine deutsche Investorengruppe übernimmt das Werk von der Deutschen Bahn AG. „Damit ist eine Schließung abgewendet“, sagt Peter Jurke, Betriebsratsvorsitzender bei der DB Waggonbau Niesky GmbH. Viel mehr ist allerdings noch nicht bekannt. Auf einer Belegschaftsversammlung am Montag wurden zwar die Mitarbeiter informiert. Aber auch sie erfuhren noch keine Details über den künftigen Besitzer.

Immerhin haben die Waggonbauer mittlerweile alle Überleitungsschreiben bekommen, so Peter Jurke. Demnach werden bei dem Betriebsübergang die Besitzstände der zurzeit knapp 270 Waggonbauer gewahrt.

Nach SZ-Informationen handelt es sich bei den Investoren um die Quantum-Gruppe mit Sitz in München. Das Unternehmen mit einer Mutterfirma in der Schweiz bezeichnet sich selbst als international agierende Beteiligungsgesellschaft. „Gerne erwerben wir Unternehmen mit deutlichen Potenzialen – insbesondere Verbesserungspotenzialen, Wachstumspotenzialen und Entwicklungspotenzialen“, wirbt Quantum auf seiner Internetseite. Offenbar sehen die Münchener diese Potenziale in Niesky. Ob das so ist und welche Konzepte Quantum im hiesigen Waggonbauwerk verfolgt, war nicht zu erfahren. Der geschäftsführende Gesellschafter Steffen Görig berief sich gegenüber der SZ auf Verschwiegenheitsklauseln in Verträgen, „so sie geschlossen worden sind“.

Aber ein Vertrag wurde geschlossen. Das bestätigte die Deutsche Bahn AG, ohne allerdings einen Namen zu nennen. „Es stehen noch Entscheidungen innerhalb der DB an, deren Abschluss für Juni zu erwarten ist“, sagte eine Bahnsprecherin auf SZ-Anfrage. Bis dahin würden keine Details verkündet.

Der Erste Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall für Ostsachsen, Stephan Hennig, äußerte sich vorsichtig optimistisch: „Der bisherige Prozess gestaltet sich schon deutlich anders, als wir das bei Betriebsübergängen auch erleben. Der neue Eigentümer wird – und das wurde auch auf der Belegschaftsversammlung bekräftigt – die bestehenden Tarifverträge mit uns als IG Metall weiterführen. Zu begrüßen ist auch die gegebene Standort- und Arbeitsplatzgarantie, letzteres für zumindest für die Mehrzahl der Nieskyer Waggonbauer.“ Um den Besitzerwechsel zu bewerten, stehe für die Gewerkschaft immer der Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund. „Insofern wird man sehen müssen, wie der neue Eigentümer, die Quantum aus München, die Auslastung und ein belastbares Konzept darstellen kann.“

Die Beteilungsgesellschaft aus der bayerischen Landeshauptstadt erwarb in den vergangenen Jahren unter anderem den Geschäftsbereich Autohupen, Hörner und Fanfaren von der Robert Bosch GmbH, einen Motorenbauer in der Schweiz sowie einen italienischen Auto-Designer mit Niederlassungen in Brasilien und China. Der geschäftsführende Gesellschafter Steffen Görig bringt mehrjährige Erfahrungen aus der Finanzbranche mit. Nach seinem Maschinenbaustudium in Stuttgart und New York hatte er mehrere Jahre bei einer amerikanischen Investmentbank in London gearbeitet.

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