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Donnerstag, 11.08.2011 Kommentar

Der Zynismus der SED-Erben

Dieter Schütz über die Haltung der Linken zum Mauerbau

Die Mitglieder der Linken in Ostdeutschland hören es nicht gerne, wenn ihre Organisation als SED-Nachfolgepartei bezeichnet wird. Doch die historischen und juristischen Tatsachen sind eindeutig: Um einen großen Teil des umfangreichen SED-Vermögens zu retten, löste sich die einstige Staatspartei nicht etwa auf, sondern änderte mehrmals ihren Namen – und nennt sich heute „Die Linke“.

Die eigene Vergangenheit holt die Linkspartei dabei immer wieder ein. Das zeigt sich im laschen Umgang mit ehemaligen Stasi-Spitzeln in den eigenen Reihen oder jetzt zum Jahrestag des Mauerbaus am 13. August. Es ist jedenfalls blanker Zynismus, wenn einige Linke den Bau der Mauer mit dem Hinweis verteidigen, dass nur dadurch die massenhafte Abwanderung aus der DDR gestoppt und die politische Lage zwischen Ost und West stabilisiert werden konnte.

Der Bau der Mauer und der Grenzanlagen war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das mehreren hundert DDR-Bürgern das Leben kostete. Den wirtschaftlichen und politischen Bankrott der DDR konnte er vielleicht hinausschieben, aber letztlich nicht verhindern. Mit dieser Erkenntnis tun sich nicht alle, aber ein großer Teil der SED-Erben noch heute schwer.