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Mittwoch, 13.06.2018

Der ZDF-Filmemacher aus Zodel

Ekkehard Kuhn machte Görlitz bekannt, als es noch nicht die „schönste Stadt Deutschlands“ war. Jetzt wurde er 80 Jahre alt.

Von Sebastian Beutler

Ekkehard Kuhn mit dem Buch „Reisen nach Schlesien“
Ekkehard Kuhn mit dem Buch „Reisen nach Schlesien“

© privat

Zwei Themen bewegten den ZDF-Filmemacher und Buchautoren Ekkehard Kuhn zeit seines Lebens: Europa und die Deutschen. Das hatte biografische Wurzeln. Geboren 1938 in Zodel, kannte er das Elend der Vertriebenen, weil die Familie Wurzeln im Kreis Waldenburg hatte. Später musste er nach dem Abitur aus der DDR fliehen, um einer Verhaftung aus politischen Gründen zuvorzukommen. Im Westen studierte er an der Münchner Universität Publizistik, Theaterwissenschaft, Slawistik und Osteuropäische Geschichte.

Beim ZDF stieg er bis zum stellvertretenden Leiter der Redaktion Zeitgeschichte auf. Gerade in den Jahren des politischen Umbruchs konnte er zusammen mit seinem Kollegen und Freund Guido Knopp wichtige Filme zu seinen beiden Lebensthemen drehen: Er reiste noch zu Zeiten des Kalten Krieges mehrmals nach Russland, traf sich schließlich mit Michail Gorbatschow zweimal für seinen Film „Gorbatschow und die deutsche Einheit“. Und er bereiste das alte Schlesien für zwei große zweiteilige Filme. Für ihn begannen diese Reisen immer in Görlitz. Die Stadt besuchte er häufig, und noch heute verbinden ihn Freundschaften aus Jugendtagen mit ihr. Und so machte er die Stadt bereits in den 1990er Jahren deutschlandweit bekannt, als ihr Renommee als „schönste Stadt Deutschlands“ noch nicht so weit verbreitet war. In Kuhns Filmen klang die Schönheit der Stadt bereits da an, obwohl die Sanierung noch nicht so weit vorangeschritten war wie heutzutage.

Nie wieder Krieg und die deutsche Einheit nannte Kuhn einst seine beiden Lebensträume. „Es ist sehr befriedigend zu erleben, dass beide Ziele, die man hatte, durch glückliche Umstände in der Politik erfüllt werden konnten“, schreibt er auf seiner Internetseite. „Wenn aus Träumen Wirklichkeit wurde. Wenn Biografie und Geschichte sich so zusammenweben.“ Daran wird er auch am Wochenende gedacht haben, als er seinen 80. Geburtstag beging.

Zuletzt legte Kuhn seine Lebenserinnerungen vor. Auch darin blieb er seiner Herkunft verbunden. Auch wenn er seit Jahren am Rhein lebt, so haben ihn Schlesien und die Oberlausitz immer in ihren Bann gezogen. Weil sie auch zu seiner Heimat gehören.