erweiterte Suche
Montag, 09.09.2013

„Der Weg der roten Fahne“ hält für die Ewigkeit

Restauratoren haben das Kunstwerk am Kulturpalast untersucht. Es soll auch nach der Sanierung erhalten bleiben. Das löst Diskussionen aus.

Von Bettina Klemm

19

Das Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ am Dresdner Kulturpalast ist gut erhalten. Der Vorhang wird nicht benötigt. Foto: André Wirsig
Das Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ am Dresdner Kulturpalast ist gut erhalten. Der Vorhang wird nicht benötigt. Foto: André Wirsig

Unbequeme Denkmale. Auf das Wandbild am Kulturpalast trifft das Thema des gestrigen Tages des offenen Denkmals besonders zu. Das 30 mal 10,5 Meter große Werk hatte den Arbeitstitel: „1849 - 1969: 120 Jahre Kampf der revolutionären Kräfte der Stadt für Fortschritt und Sozialismus“ und steht unter Denkmalschutz. „Es ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Zeugnis“, sagt Bernhard Sterra, Chef des Denkmalschutzes.

Weil eine Platte herabgefallen war, wurde „Der Weg der roten Fahne“ hinter einem dunklen „Schamvorhang“ versteckt. Die Dresdner tun sich schwer mit dieser Geschichte. Schon die Entstehung ist spannend. So hat Antje Kirsch in den Archiven die Dokumente über den Wettbewerb und das Schaffen des Bildes verfolgt. „21 Künstler haben sich ursprünglich beteiligt“, sagte sie in ihrem Vortrag zum Tag des offenen Denkmals. So schlugen Rudolf Sitte und Vinzenz Wanitschke ein Betonrelief vor, das den Weg „vom Chaos zum Sieg es Sozialismus“ zeigen sollte. Doch mit dem Chaos hatte der Rat der Stadt weniger im Sinn und forderte eine Überarbeitung. Ein Entwurf stammt von Ralf Winkler, jenem Künstler, der später unter dem Namen A. R. Penck weltberühmt wurde. Sein Vorschlag für den Kulturpalast erinnert an Pharaonen. Weil die erste Runde nichts Passendes brachte, wurden 14 Künstler zusätzlich eingeladen und parallel eine Arbeitsgruppe mit Dozenten der Dresdner Kunsthochschule gebildet. Gerhard Bondzin, damals Rektor der Hochschule, hatte einen Entwurf in der Schublade, der für das Robotron-Gebäude gedacht war, sagt Kirsch.

Ursprünglich sollte das Wandbild gemalt werden. Doch aus Zeitgründen entschied man sich, die 450 Betonplatten mit einem Beschichtungsverfahren zu gestalten. Dabei wurden Glaskrösel und Keramikteile auf einen Kleber aufgebracht. Um die Urheberschaft dieses Verfahrens gibt es noch heute Streit.

Aber die Haltbarkeit des Bildes ist noch vollkommen gewährleistet. „Wir empfehlen, das Netz abzunehmen und die Oberfläche bei strenger denkmalgerechter Überwachung zu reinigen“, sagt Restauratorin Anne Hierholzer von der Hochschule für Bildende Künste. Im Auftrag des Hochbauamtes hat sie Stabilität und Sanierung des Wandbildes untersucht. Es war nur eins von über 50 Denkmalen, die gestern vorgestellt wurden. „Das Interesse daran war riesig“, schätzte Sterra ein.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 4

Insgesamt 19 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. PS

    Ich meine, wir alle sollten dieses Bild aushalten können - eben weil es ein Zeugnis unserer Geschichte ist. Die DDR hat sogar das Kyffhäuser-Denkmal ausgehalten und stehengelassen, obwohl es überhaupt nicht zu ihrem Geschichtsverständnis passte, übrigens auch nicht zu meinem heute. Es kann sich doch wohl niemand dem Vorwurf aussetzen wollen, dogmatischer zu sein als DDR-Kulturpolitik.

  2. Tolkewitz

    Das Kyffhäuser-Denkmal ist mir spontan auch eingefallen und ich habe gehört,dass die DDR-Regierung es sprengen wollte. Moskau hat es aber wohl mit der Begründujg verboten, es sei eben auch Teil deutscher Geschichte

  3. Dieter Mätzschker

    In der gesamten Menschheitsgeschichte wurde und wird leider immer noch vieles zerstört. Dazu könnte man viele Beispiele anführen. Man muß akzeptieren können, was in unterschiedlichen Geschichtsepochen geschaffen wurde. Man kann auch nicht vorausehen, was alles an Kunst noch geschaffen wird. Jeder hat unterschiedliche Meinungen. Über Kunstwerke kann und sollte man sich unterhalten, streiten, aber nicht zerstören.

  4. R. Steiner

    Wenn es nach der Ideologie der kulturmarodierenden Neonazis ginge, dann würde auch Picassos Guernica-Bild zerstört. Lassen wir es nicht zu, dass Kulturbanausen wieder zu Wort-Führern werden.

  5. Tom

    Das Mosaik gehört, wie der gesamte Kulti sowieso, abgerissen, weil es wie ein Geschwür inmittem der historischen Altstadt steht. Hat schon mal jemand irgendeinen Touristen sagen hören "Ich komm nach Dresden, weil die 60er/70er/80er Jahre Architektur so schön ist"? Ich verstehe Leute nicht, die so einen Schmand einer möglichen historischen Bebauung vorziehen. Die Stadt könnte soviele Flächen für'n Abbl und'n Ei verkaufen mit der Auflage, sie historisch zu bebauen und anteilig Raum für Sozialwohnungen zu schaffen. Die Hakenkreuze haben nichts als Leid über unser Land gebracht und wurden getilgt. Und die roten Fahne (man könnte auch die UdSSR nennen) hat ebenso Leid über unser Land gebracht. Sie steht für ein nicht funktionierendes, autoritäres Regime, das sein Volk unterdrückte! (Jetzt komm doch bitte wieder so ein Meckerossi und sage, es sei ja nicht alles schlecht gewesen blablabla) Es gehört vielleicht ins Stadtmuseum aber garantiert nicht dorthin, wo es jetzt steht.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 4

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.