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Donnerstag, 25.08.2011 Im Blickpunkt

Der Verbindungsmann

Der deutsche Diplomat Dietrich Becker ist seit Ende Mai in Bengasi fürdie Kontakte mit den Gaddafi-Gegnern zuständig.

Von Mey Dudin, Berlin

Die Stellenbeschreibung für den Job im libyschen Bengasi könnte so ausgesehen haben: Flexibler und krisenerfahrener Karrierediplomat für verantwortungsvolle Pionierarbeit in äußerst volatilem und schwierigem Umfeld gesucht. Seit Ende Mai hat Deutschland ein Verbindungsbüro in der Rebellenhochburg. Leiter ist der Diplomat Dietrich Becker.

In provisorischen Räumen des schwedischen Konsulats wohnt und arbeitet der 49-Jährige, unterstützt von einem weiteren Diplomaten, einer Arabisch-Übersetzerin, Fahrer und Personenschutz – darunter auch Mitglieder der Eliteeinheit der Bundespolizei GSG-9. Becker hält den Kontakt zum nationalen Übergangsrat, der größten Oppositionsgruppe gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi, die Deutschland als legitimen Ansprechpartner des libyschen Volkes offiziell anerkannt hat. Auch mit Büros anderer europäischer Staaten oder Hilfsorganisationen steht er ständig in Verbindung.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis war die deutsche Botschaft hingegen seit März verwaist, Botschafter Matthias Meyer abgezogen. Rechts- und Konsularangelegenheiten wurden auf die deutsche Vertretung in Ägypten übertragen. Personell und logistisch wäre diese Aufgabe für die Zweigstelle in Bengasi – wo das Satelliten-Telefon das wichtigste Arbeitsinstrument ist – gar nicht zu schaffen.

Becker ist das, was man unter Diplomaten heutzutage einen „Laptop-Botschafter“ nennt – jemand, der ohne großen Stab mit Aufbauarbeit beschäftigt ist, zumeist in einem Land, das noch keine ordentlichen Strukturen hat. Aber so ganz trifft das nicht: Einen tragbaren Computer hat er zwar, aber Botschafter ist er nicht, sondern bislang eben nur „Leiter des deutschen Verbindungsbüros“.

Becker soll sich in seinem Zimmerchen in dem Betonklotz aus Gaddafis besseren Zeiten auch um die Kontakte zu Hilfsorganisationen kümmern. Bislang hat die Bundesregierung einige Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung gestellt. Außerdem hoffen die Aufständischen auf Geld von den beschlagnahmten Konten Gaddafis.

Außenminister Westerwelle lobte Becker als „erfahrenen Diplomaten“. Tatsächlich kennt der sich mit den Besonderheiten von Staaten aus, die erst noch im Werden sind. Seit 1991 ist er im diplomatischen Dienst, unter anderem im Kosovo. Weitere Stationen waren Moskau und die Hauptstadt von Mali, Bamako. Zuletzt war er stellvertretender Botschafter in Bulgarien. (dapd/SZ)