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Dienstag, 12.04.2016

Der unbekannte Star aus Liegau

Curt Voigt war einer der bekanntesten Scherenschnitt-Künstler Deutschlands. Wird er nun aus dem Vergessen geholt?

Von Jens Fritzsche

Einer der zahlreichen Scherenschnitte von Curt Voigt. Der 1889 in Dresden geborene Künstler siedelte 1930 nach Liegau-Augustusbad um – und schuf hier etliche Schnitte; vor allem mit Märchenmotiven. Nun gibt es eine spannende Idee, an ihn in Liegau zu erinnern.
Einer der zahlreichen Scherenschnitte von Curt Voigt. Der 1889 in Dresden geborene Künstler siedelte 1930 nach Liegau-Augustusbad um – und schuf hier etliche Schnitte; vor allem mit Märchenmotiven. Nun gibt es eine spannende Idee, an ihn in Liegau zu erinnern.

© Online Collection Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Liegau-Augustusbad. Schon die Idee ansich hatte für reichlich Aufsehen gesorgt. Klaus Menzel vom Liegauer Heimatverein hatte während der jüngsten Ortschaftsratssitzung vorgeschlagen, den neu gestalteten Eingangsbereich zum Hof der Liegauer Kita mit nachempfundenen Scherenschnitten aus Metall zu versehen. Mit Scherenschnitten des bekannten Liegauer Künstlers Curt Voigt. Der war einer der größten Meister seines Fachs gewesen und Scherenschnitte aus seiner Liegauer Werkstatt liegen nicht nur im Depot von Schloss Klippenstein in Radeberg, sondern auch die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden besitzen etliche davon.

In Dresdner Kunstszene bekannt

Für Aufsehen sorgte bei diesem Vorschlag aber auch der Fakt, dass es einst einen solch bekannten Liegauer Künstler gegeben hatte, der heute weitgehend vergessen ist. Wer also war dieser Curt Voigt?

Seit 1930 lebte der Künstler in Liegau; am Waldeck wohnte er mit seiner Frau. Da war Curt Voigt schon ein ziemlich Bekannter in der Dresdner Kunstszene – wo er aufgewachsen war. Radebergs einstiger Museumschef Rudolf Limpach schrieb nach Voigts Tod am 25. Januar 1961 in der Zeitschrift „Radeberger Kulturleben“ davon, dass es dabei eher ein Zufall gewesen war, der Voigt bekannt gemacht hatte. Denn eigentlich verdiente er damals, in den Jahren nach 1910 als Tapetenmusterzeichner sein Geld. Aber nicht nur Malen und Zeichnen waren seine Leidenschaft gewesen, sondern auch der Scherenschnitt hatte es dem 1889 geborenen Curt Voigt angetan. Einem Bekannten, so weiß Museumschef Limpach zu berichten, einem Bekannten hatte Voigt dann einen dieser Scherenschnitte geschenkt. Und dieser Bekannte hatte das Ganze wiederum dem Gründer und Leiter des Dresdner Kunstgewerbemuseums Oskar Seyffert gezeigt. Der war so begeistert, dass er Curt Voigt überredete, eine Ausstellung auf den Weg zu bringen. Und er ließ sich überreden.

Landschaften aus dem Radeberger Land

Mit den Jahren waren dann eine Menge Motive entstanden. Zunächst vor allem Landschaften, Burgen, Städte. Auch aus dem Radeberger Land bannte Curt Voigt einiges aufs Schwarzweiße. Aber immer wieder tauchen unter Voigts Scherenschnitten auch Märchen-Motive auf, die er in seinem kleinen Arbeitszimmer unterm Dach seines Liegauer Hauses schuf. Nicht ohne Humor näherte er sich dem Thema dabei, was ihn nicht nur bei den Kindern, sondern auch den „Großen“ beliebt machte.

Unerwartet, schreibt Rudolf Limpach in seinem Nachruf, habe Voigt der Tod ereilt an jenem 25. Januar 1961. Eigentlich hatte er gerade aufbrechen wollen, um auf einer Wanderung neue Motive zu suchen. „Wir verloren in ihm einen guten Freund“, trauert Limpach. Und dass der Liegauer Künstler heute vergessen ist, hat er wahrlich nicht verdient – das wird in jedem Fall bei einem Blick auf seine Werke deutlich. Auf zahlreichen Internet-Börsen übrigens sind Voigts Scherenschnitte noch heute gefragte Objekte. Und wer weiß, vielleicht kann sich Liegau ja letztlich doch für die Idee von Klaus Menzel begeistern, Märchen-Scherenschnitte an den im Moment noch sehr nackten Betonquader zu installieren, die links und rechts der neuen Treppe hinauf zum Innenhof zwischen Kita, „Silberdiele“ und Heimatstube mitten im Liegauer Ortskern leuchten? Es wäre ein echter Hingucker – und eine wunderbare Erinnerung an einen wunderbaren Künstler.

Am 20. April trifft sich der Ortschaftsrat zur nächsten Sitzung im Obergeschoss der „Silberdiele“. Also quasi gleich nebenan. Und die Gestaltung des Bereiches wird ein Thema sein, heißt es.