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Montag, 29.01.2018

Der Tatort schenkt Dresden ein neues Bad

Am Sonntag lief der fünfte Krimi aus der Elbestadt. Eine wichtige Rolle spielte das Pirnaer Geibeltbad.

Von Annechristin Bonß

Pirna. Noch macht das Wetter keine Lust auf ein Freibad. Doch wie wäre es im Sommer mit einem Sprung ins kühle Nass im Bad Johannstadt? Günstig gelegen, mitten in der Stadt, nahe der Elbe. Diesen Gedanken hatten am Sonntag vermutlich viele Tatort-Fans aus Dresden. Da lief die fünfte Folge des Krimis aus der Elbestadt. Der Titel: „Déjà-vu“. Der Inhalt: nichts für schwache Nerven. Es ging um Pädophilie und den Mord an einem neunjährigen Jungen. Dessen Spur verliert sich nach dem Schwimmunterricht im Bad Johannstadt.

Die Kulisse für diesen wichtigen Ort im Film haben die Macher der Berliner Produktionsfirma Wiedemann und Berg nicht in Dresden gefunden. Die Location-Scouts haben sich mehrere Freibäder in Sachsen angeschaut, etwa in Prohlis und Cotta. Das Georg-Arnhold-Bad galt ebenfalls als ein Kandidat für die Szenen des Tatorts. Doch die Wahl fiel auf das Geibeltbad in Pirna. Zwei Tage lang waren dort die Außenanlagen für den Dreh gesperrt. Am Eingang wurde ein Schild montiert: „Bad Johannstadt“. Dietrich Ewers lässt der Gedanke an ein eigenes Bad in seinem Heimatstadtteil schmunzeln. Dabei ist die Idee nicht ganz so abwegig wie gedacht. „Früher hat es in der Johannstadt das Elbeschwimmbad Antons gegeben“, sagt er. Bis nach dem Krieg wurden auch an anderen Stellen entlang der Elbe große Holzkisten in den Strom gebaut. Dort haben sich die Menschen gewaschen und konnten auch schwimmen. Heute sei eine solche Einrichtung wenig realistisch, sagt Dietrich Ewers. Finanziell würde sich ein neues Elbeschwimmbad nicht rechnen, auch weil an vielen anderen Stellen das Bad im Fluss kostenlos ist.

Nicht nur in der Johannstadt hinterlässt der aktuelle Tatort seine Spuren. Als Fundort der Leiche wurde das Neustädter Elbufer nahe der Prießnitz-Mündung gewählt. Zahlreiche Gaffer filmen die Kommissarinnen bei der Arbeit. Gedreht wurde zudem im Dresdner Uniklinikum. Dafür hatte das Team im vergangenen Juli im Haus 10 Kulissen, Kamera- und Tontechnik arrangiert. Rücksicht auf das Klinik-Leben mussten die Filmleute nicht nehmen. Die ehemaligen Räume der Inneren Medizin standen damals leer. Im Institut für Anatomie entstanden die Szenen in der Gerichtsmedizin. Ein Teil der Chirurgie verwandelte sich ebenfalls in ein Set für den Film.

Auch Beate Nobis, Leiterin im Kinderhaus Leubnitz, hat gespannt auf den Tatort gewartet. Die Außenanlagen samt der Wasserpumpe der Kita an der Karl-Laux-Straße dienten als Kulissen. Über das Internet waren die Location-Scouts darauf aufmerksam geworden. Kinder und Erzieher haben die Arbeiten verfolgt. Zwei Tage lang waren die Filmleute vor Ort. „Ein spannendes Erlebnis“, sagt Beate Nobis. Dabei musste sie erst einmal überlegen, ob sie den Dreharbeiten zustimmt. Das schwere Thema des Films habe sie zögern lassen. Auch mit den Eltern wurde dies diskutiert. Viele jedoch seien stolz gewesen, dass die Leubnitzer Kita im Tatort auftaucht.

Genau wie zahlreiche Dresdner Wohnungen. Im Vorfeld der Dreharbeiten hatte das Team intensiv danach gesucht. Einige Dresdner in der Neustadt und in Striesen hatten vor Beginn der Arbeiten Zettel im Briefkasten. Gesucht werde eine Altbauwohnung, maximal im zweiten Stock mit mindestens zwei Zimmern und 60 Quadratmetern. In Prohlis und in Klotzsche wurden die Filmleute fündig. Am Hochhaus am Jacob-Winter-Platz 7 brennen im Film Kerzen für das getötete Kind. In Klotzsche wurde in einer Villa gedreht. Aus der Neustadt ist dieses Mal das Haus an der Ecke Frühling-/Nordstraße zu sehen. Das Straßenpflaster ist gut erkennbar, auch die Altbaufassaden. Nur bei der Adresse haben die Macher geschummelt. Da wird die Neustadt zur Johannstadt und die Frühlingstraße zur Holbeinstraße. Das Versteck des Täters finden die Kommissarinnen im Film unter der Adresse Holbeinstraße 70. Nur dass es in Wirklichkeit dort gar kein Wohnhaus gibt, sondern die Johannstadthalle.

In der Schlussszene wird es erneut richtig feucht. „Déjà-vu“ spielt im Sommer. Ein heftiger Regenguss kommt herunter, als Kommissar Schnabel, gespielt von Martin Brambach, an einem Teich steht. Ein weiteres Opfer wird geborgen. Die Szene ist düster, Grau in Grau. Dafür hat sich das Team das Blaue Loch ausgesucht, einen Teich, der beim Kaolinabbau in der Region um Radeburg entstanden ist. Für den Regen sorgte die Feuerwehr Radeburg. Das Wasser wurde aus dem Teich gepumpt und mit Schläuchen über das Filmset gesprüht. Ein feuchter Kraftakt für ein spannendes Filmende.