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Dienstag, 18.07.2017 Gut zu wissen

Der Stahlmax rollt wieder!

Ein massiver Motorschaden hatte im Frühjahr die Stadtbahn lahmgelegt. Doch die Macher gaben nicht auf.

Von Christoph Scharf

Endlich wieder am Steuer: Busfahrer Alexander Wagner sitzt schon mal Probe. Dienstag muss die Stadtbahn noch mal zum Tüv, Mittwoch soll der Stahlmax erstmals seit dem Frühjahr wieder regulär auf Tour gehen.
Endlich wieder am Steuer: Busfahrer Alexander Wagner sitzt schon mal Probe. Dienstag muss die Stadtbahn noch mal zum Tüv, Mittwoch soll der Stahlmax erstmals seit dem Frühjahr wieder regulär auf Tour gehen.

© Sebastian Schultz

Riesa. Es ist geschafft: In weniger als drei Monaten ist es dem Stadtbahn-Verein gelungen, mehr als 11 000 Euro Spenden einzuwerben. Vom großen Unternehmen bis zum Schulkind gaben Riesaer Geld dazu, um den Stahlmax wieder zu reparieren. „Am Mittwoch soll die Bahn wieder regulär auf ihre Tour starten“, sagt Kurt Hähnichen vom Stadtbahn-Verein. Von allen Seiten sei Hilfe gekommen – vierstellige Beträge von Firmen, kleine Scheine in der Sammelbüchse. „Erst am Montag kam eine Frau zu uns, die zwar selbst gar nicht Stadtbahn fahren will – aber verhindern möchte, dass der Stahlmax aus dem Stadtbild verschwindet“, sagt Hähnichen.

Tatsächlich hätte dem blauweißen Gefährt dieses Schicksal gedroht. Denn ein Motorschaden im Frühjahr entpuppte sich als viel schlimmer, wie gedacht. Ging man zunächst davon aus, dass sich der Saisonstart nur kurz verzögert, war bald klar, dass nur noch ein Motorwechsel hilft – und für den wurden 12 000 Euro Reparaturkosten kalkuliert. So viel würde man in einen 16 Jahre alten Pkw wohl kaum investieren. Bei einer Stadtbahn aber liegen die Dinge anders: Neu würden solche in Kleinserie gefertigten Fahrzeuge laut einem westdeutschen Hersteller 330 000 Euro kosten.

Da konnte man von Glück reden, dass ein passender Ersatzmotor in den USA zu organisieren war. Dabei handelt es sich um ein überholtes Exemplar – gebaut wird das passende Modell schon seit 20 Jahren nicht mehr. Nun hofft man, dass für die nächsten Jahre Ruhe ist. „Der alte Motor hat 14 Jahre lang gehalten“, sagt Kurt Hähnichen.

Die Schwierigkeit in Riesa ist, dass die Bahn auf ihrer Runde durch die Stadt meist nur im zweiten Gang unterwegs ist – dafür oft mit Vollgas. Anders ginge es bei den steilen Anstiegen etwa an der Breiten Straße nicht. Das ist natürlich eine starke Belastung für den Motor, der mit Benzin und Gas betrieben wird. Robuster wäre sicherlich ein Dieselmotor, den man aber wegen der Abgase nicht im Innenstadtverkehr haben wollte.

So hat sich jetzt das Autohaus Pohlmann um den neuen Motor gekümmert, der Kfz-Betrieb Karsten Böhme um die Gasanlage. Am Dienstag steht noch ein Tüv-Termin an. Am Mittwoch um zwölf Uhr soll der Stahlmax vor dem Rathaus dann wieder auf seine reguläre Route starten. „Besonders wichtig ist, dass dann auch die Sonderfahrten wieder möglich sind“, sagt Kurt Hähnichen. Denn für Klassentreffen, Geburtstage, Hochzeiten oder Firmenveranstaltungen werde die Stadtbahn häufig gebucht. „Der Stahlmax wird fast jedes Wochenende gebucht.“ Zum Glück half die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) zuletzt mit historischen Bussen aus, damit bereits gebuchte Fahrten nicht ausfallen mussten.

Ab Mittwoch gehört das markante blauweiße Gefährt dann wieder zum Stadtbild – weil ganz viele Einwohner und Firmen gemeinsam an einem Strang zogen und insgesamt genau 11 278 Euro für die Reparatur spendeten. „Dafür muss man die Riesaer loben!“, sagt Matthias Mückel vom Stadtbahn-Verein.

Die Bahn pendelt ab Mittwoch, 12 Uhr, wieder regulär zwischen Rathausplatz und Riesenhügel. Die Fahrtzeiten sind dann wieder Mittwoch bis Freitag, 10-18 Uhr, 13-14 Uhr ist Pause.

Die Abfahrt an den zwölf Haltepunkten erfolgt im 30-Minuten-Takt. Durch Behinderungen oder Sonderfahrten kann es zu Abweichungen kommen.