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Freitag, 10.08.2018

Der späte Nachruf auf Thabo-Umasai

Der 2006 in Dresden geborene Elefant starb bereits vor über einem Jahr. Der Zoo erfuhr das nur durch Zufall.

Von Henry Berndt

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Als erster und bislang einziger Babyelefant in der Geschichte des Dresdner Zoos begeisterte Thabo-Umasai ab 2006 die Besucher.
Als erster und bislang einziger Babyelefant in der Geschichte des Dresdner Zoos begeisterte Thabo-Umasai ab 2006 die Besucher.

© dpa

Glücklicher Krieger – das hieß sein Name übersetzt. Doch wirklich glücklich wurde Thabo-Umasai in seinem kurzen Leben wohl nie. Wie erst jetzt offiziell bekannt wurde, starb der bislang einzige im Dresdner Zoo geborene Elefant bereits vor über einem Jahr, am 3. Juli 2017, im Zoo von Pittsburgh in Pennsylvania.

Thabo-Umasai wurde nur elf Jahre alt. „Für das Tier ist das genauso traurig wie für die Bemühungen, die der Dresdner Zoo in die Elefantenzucht gesetzt hat“, sagte der zoologische Leiter Wolfgang Ludwig. Er selbst habe nur durch Zufall von der Krankheit und dem Tod des Elefanten erfahren, der noch wenige Jahre zuvor für so viel Begeisterung bei den Dresdner Zoofans gesorgt hatte. Zunächst habe ihm ein Besucher mitgeteilt, dass Thabo-Umasai an einer seltenen Auto-Immunkrankheit leide, so Ludwig. Später habe er durch Zufall von einem Zoopfleger aus den USA erfahren, dass der Bulle verstorben sei.

Aber informieren sich Zoos in solchen Fällen denn nicht gegenseitig? Üblicherweise schon. Der Zoo in Pittsburgh allerdings gilt als nicht besonders kommunikativ. „Das kommt immer auf die Mitarbeit des Partners an“, sagt Ludwig. „Wenn wir auf unsere Anfragen keine Antworten bekommen, können wir nichts machen.“

Rückblick: Am 4. Februar 2006 feierte der Dresdner Zoo erstmals in seiner Geschichte die Geburt eines Elefantenbabys. Die erste künstliche Befruchtung in Deutschland. Die Euphorie war groß, die Besucherzahlen stiegen rasant. Auch die SZ-Leser beteiligten sich an der Namenssuche für den kleinen Bullen. Die Wahl fiel schließlich auf Thabo-Umasai. Vier Jahre lang machte der tapsige und sehr verspielte kleine große Kerl den Pflegern und Zoobesuchern viel Freude. Mutter Drumbo kümmerte sich liebevoll um ihn.

Dann kam der 27. März 2010. Auf dem Weg zurück in die Innenanlage griff der Jungbulle plötzlich seine Pflegerin an und verletzte sie lebensgefährlich am Kopf. Sie und ein anderer Pfleger wurden ins Wasserbecken geschleudert. Die Frau musste notoperiert werden. Daraufhin wurde Thabo-Umasai von den anderen Elefanten getrennt. Verzweifelt versuchte Mutter Drumbo in den Tagen darauf, zu ihrem Nachwuchs zu kommen, doch das wäre ein unkalkulierbares Risiko für die Pfleger gewesen. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Thabo nicht in Dresden bleiben würde, da kein Platz für die Haltung eines ausgewachsenen Bullen zur Verfügung stand. Bereits einige Wochen vor dem Unglück hatte Pittsburgh zugesagt.

Im August 2011 wurde Thabo-Umasai in seine Transportbox gelockt und über Luxemburg in seine neue Heimat in den USA gebracht. Dort schien er zunächst gut in der Herde aufgenommen zu werden. Zwei Jahre später zeigte er allerdings erste Anzeichen einer Krankheit. Er hatte zunehmend Mühe aufzustehen und bekam Wunden auf der Haut, die mit Antibiotika und Salben behandelt wurden. Zweimal täglich wurde er gebadet, wie es hieß. Die Behandlungen sollen zunächst gut geholfen haben. In der letzten offiziellen Meldung aus Pittsburgh hieß es im Jahr 2015, das Tier habe seine Krankheit überwunden. Offensichtlich eine Fehleinschätzung.

Sicher könnten nun neue Zuchterfolge in Dresden über Thabos Verlust hinwegtrösten. Möglicherweise wird noch in diesem Jahr ein Bulle nach Dresden kommen. Alle drei Elefantenkühe Sawu, Mogli und Drumbo kämen als Mütter infrage.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. BerndH.

    Neue Zuchterfolge?! Es ist kein Platz da für einen weiteren Bullen! Und ein Elefant gehört auch nicht in einen Zoo! Reicht es denn nicht, dass sich die Mutter Drumbo schon einmal von ihrem Nachwuchs trennen musste?!! Thabo Umasai wurde aus seinem Familienverband herausgerissen. Wie unmenschlich!

  2. Profiler

    @BerndH. „Unmenschlich“? Stimmt, Rinder gehören in den Zoologischen Garten. Dort können sie was lernen.

  3. Wildtier-Asyl

    @1 Sie gerieren sich wie eine hysterische Jungfer. Jungbullen werden auch in der Natur von der Herde verstoßen, um Inzucht zu vermeiden. Die Blödheit im Umgang mit Tieren ist erstaunlich. Natürlich sind Teenager-Elefanten-Bullen nicht ungefährlich und stellen irgendwann die Machtfrage gegenüber ihren PflegerInnen. Das ist völlig natürlich. Darauf muss man vorbereitet sein! Die Bullen bräuchten eigene Reviere innerhalb von naturbelassenen Gebirgsschluchten oder befestigten Tagebaugruben mit viel Vegetation. Die Landschaften wären damit vor dem Autobahn-und Schienentrassenbau geschützt. Damit würden auch die Anwohner vor Lärm, Unfällen, Dreck und Smog verschont. Man müßte dann noch andere bedrohte Tierarten hinzugesellen, um den touristischen Wert weiter zu steigern und nachhaltig durch Reha-/Hotels-/Pensionsansiedlungen (siehe Jobs, Gewerbesteuern), Zubrot für Bauern,Tierpfleger,Biologen, Dokumentarfilmer,Safari-Unternehmer, Tierpsychologen und Tierärzte zu profitieren.

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