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Donnerstag, 08.02.2018

Der Schuldenberg von RB wächst

Die Abhängigkeit der Leipziger vom Hauptsponsor Red Bull ist enorm. Das zeigen die Bilanzen.

Von Daniel Klein

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Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz (r.) leiht die Millionen, die RB-Chef Oliver Mintzlaff ausgibt.
Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz (r.) leiht die Millionen, die RB-Chef Oliver Mintzlaff ausgibt.

© dpa

Mit den Zahlen hat man es nicht so bei den Rasenballern – zumindest in der Öffentlichkeit. Bis vor zwei Jahren tappte man komplett im Dunkeln, weil die Mitglieder-versammlungen, bei denen Umsätze, Gewinne und Verluste normalerweise präsentiert werden, eher geheimen Treffen im engsten Familienkreis glichen. Da niemand Mitglied werden konnte, der nicht dazu eingeladen wurde, blieb man unter sich. Journalisten, die gerne zugehört hätten, wurden schon mal durch Security-Mitarbeiter abgewiesen.

Seit der Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Stammverein in die Rasenballsport Leipzig GmbH 2014 werden die Zahlen jedoch alljährlich im Bundesanzeiger veröffentlicht, am Dienstagabend die vom Geschäftsjahr 2016. In diese Zeit fiel der Bundesligaaufstieg. Nicht verwunderlich also, dass RB in allen Bereichen zulegte: Einnahmen, Ausgaben – und bei den Schulden. Interessant ist dabei, dass Leipzig die Kredite nicht über eine Bank finanziert, sondern über „Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht (Gesellschafter)“, wie es im Jahresabschluss der Wirtschaftsprüfer heißt. Gesellschafter gibt es nur einen: Red Bull hält 99 Prozent der Anteile an der Rasenballsport-GmbH.

Der Grund dürfte der eher marktunübliche Zinssatz sein, den der österreichische Brausekonzern seiner sächsischen Fußballtochter gewährt. Zudem hat das Unternehmen von Dietrich Mateschitz so noch mehr Einfluss auf den Klub. Zum 31. Dezember 2016 betrugen die Schulden gegenüber dem Hauptsponsor Red Bull 83,2 Millionen Euro, Ende 2015 waren es noch 52,4 Millionen Euro. „Andere Vereine haben auch strategische Partner, die denen Darlehen zur Verfügung stellen“, hatte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff vor einem Jahr erklärt. „Selbstverständlich tilgen wir unsere Verbindlichkeiten.“

Der Anstieg der Kreditsumme lässt sich vor allem mit den Investitionen in den Kader nach dem Erstliga-Aufstieg erklären. „In Abhängigkeit vom Eintritt bestimmter Faktoren (Klassenerhalt, Siegprämien, Anzahl Pflichtspiele) existieren Verpflichtungen aus abgeschlossenen Verträgen mit Spielerberatern und Klubs bis zu einer Höhe von 76,2 Millionen Euro“, heißt es in dem Papier. RB verpflichtete 2016 neben Cheftrainer Ralph Hasenhüttl die Spieler Naby Keita für 24 Millionen Euro, Oliver Burke (15) und Timo Werner (10), insgesamt gab der Verein 59,2 Millionen an Ablösesummen aus. Die Differenz von 17 Millionen Euro wurde offenbar als Prämien sowie an die Berater ausgezahlt.

Zum Vergleich: Dynamo erwirtschaftete in der Saison 2016/17 einen Umsatz von knapp 30 Millionen Euro, bei RB lag er 2016 bei 120 Millionen Euro. Die Prüfer kommen zu dem Ergebnis: „Liquiditätsengpässe sind (...) aufgrund der Sponsorenvereinbarung mit dem Hauptsponsor nicht zu befürchten.“ Das hätte auch verwundert.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Elvira

    "...Da niemand Mitglied werden konnte,..." Kurz gesagt, RB Liepzig dürfte gar nicht in der Bundesliga spielen, weil der Verein gegen das Vereinsrecht und damit gegen die Statuten des DFB verstößt.

  2. Mario P.

    ein nicht gelungener Versuch, die eigene Hofberichterstattung zu kaschieren, die (längst bekannten) Fakten über das Produkt sind ja richtig herausgearbeitet, die Schlussfolgerungen fehlen...(Financial Fair Play, DFL/DFB-Statuten...); das Konstrukt RB tritt Geist und Regeln des deutschen Fußballs mit Füßen.

  3. ausDD

    An dem Konstrukt RB Leipzig erkennt man ganz gut, das es sich nicht um einen Fussballverein im herkömmlichen Sinne handelt. Es ist eine Werbeplattform und kein Sportverein. Wenn sich die strategische Ausrichtung des Redbull-Konzerns irgendwann ändert, könnte der Verein RB Leipzig von heute auf morgen verschwunden sein. Ich will den Verein jetzt damit nicht verteufeln, aber gut muss man es noch lange nicht finden.

  4. Marc Brossmann

    Keinen Fussballverein im herkömmlichen Sinne? Ja, und? Was ist das Problem? Und natürlich geht es darum, Werbung anzubringen. Oder warum, glauben Sie, sind die Trikots ausgiebig bebildert und beschriftet, stehen Banden ums Spielfeld oder bunte Tafeln hinter Interviewzonen? Seid's doch froh, dass es im kargen Osten einen Erstligateilnehmer gibt, der wohl zudem noch ganz attraktiv spielt, was man doch vom deutschen Vereinsfußball sonst eher selten behaupten kann. Financial Fairplay und andere Regulatorien etc. sind doch das Papier nicht wert auf dem es hingemalt worden ist. Wenn man wirklich etwas für die Ausgeglichenheit des Wettbewerbs würde tun wollen, müsste man schon zu solchen Mitteln wie Salary Cap greifen, natürlich sinnvollerweise UEFA-weit. Aber das wird nicht passieren, weil Barca, Real, Man United, Bayern usw. die Regeln bestimmen und eben nicht UEFA. Man schaue sich die hiesige Liga an. Öd und fad. Und dafür ist sicher nicht das System RB die Ursache.

  5. Xperte

    RB ist der Sündenfall der DFL. Eine GmbH, die man gegen geltendes Recht zum Verein erklärt hat und die zu 100% gegen die 50+1 Regel verstößt. Da kann Herr Mitzlaff noch so lügen und von einem „strategischen Partner“ sprechen. Das ist kein Partner sondern der 100% Eigentümer. Oder wenn die Wirtschaftsprüfer was von Sponsoren faseln. Ein Eigentümer kann sein Eigentum nicht sponsern. Er kann investieren oder Vermögen hin und her schieben aber nicht sponsern. Und wer RB mit Bayern. Barca, etc. vergleicht hat vom Fußball, Vereinsrecht, DFL und europäischen Fußballrecht keine Ahnung. RB gehört abgewickelt.

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