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Freitag, 07.07.2017

Der Schiffspokal ist wieder da

Der Dresdner Ratsschatz ist in den Nachkriegswirren verschollen. Nur drei der einst 67 Teile sind bislang wieder aufgetaucht. Nun ist ein weiteres Prunkstück zurück im Stadtmuseum - nach langem Ringen mit dem Kunsthandel.

Von Christoph Springer

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Der „Schiffspokal“ während der Präsentation im Stadtmuseum.
Der „Schiffspokal“ während der Präsentation im Stadtmuseum.

© dpa

  • Der „Schiffspokal“ während der Präsentation im Stadtmuseum.
    Der „Schiffspokal“ während der Präsentation im Stadtmuseum.
  • Auf die 37,2 Zentimeter hohe Arbeit des Goldschmiedes Tobias Wolff waren Undercover-Fahnder des Bundeskriminalamtes aufmerksam geworden.
    Auf die 37,2 Zentimeter hohe Arbeit des Goldschmiedes Tobias Wolff waren Undercover-Fahnder des Bundeskriminalamtes aufmerksam geworden.
  • Medienvertreter fotografieren das Kunstwerk bei seiner Vorstellung am Freitag.
    Medienvertreter fotografieren das Kunstwerk bei seiner Vorstellung am Freitag.

Dresden. Die Dresdner Ratsherren könnten früher daraus getrunken haben. Zu vorgerückter Stunde, nachdem zuvor schon ordentlich gebechert worden ist. Dann wurden solche besonderen Stücke wie der Schiffspokal aus dem Ratsschatz der Stadt gern bei Trinkspielen genutzt, sagte am Freitag Erika Eschebach, die Direktorin des Stadtmuseums. Dabei passt in den Pokal, den die Stadt demnächst wieder in ihrem Museum ausstellen will, nicht viel mehr als ein Glas Wein. Denn das teure Stück ist winzig, es verschwindet fast in den Händen von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), der es am Freitag symbolisch zurückbekommen hat. Gisbert Porstmann, der Direktor aller städtischen Museen, überreichte es an den OB. Nur, um es gleich wieder zurückzubekommen für die kleine Ausstellung mit den Resten des ehemals 67-teiligen Dresdner Ratsschatzes, der seit Kriegsende verschollen ist. Zu dieser Sammlung gehörten bisher unter anderem zwei goldene Becher. Und nun auch der kleine Pokal in Form eines Segelschiffs.

„Wir haben ihn vor etwa zehn Tagen in Bremen in Empfang genommen“, berichtete Postmann von der letzten Etappe einer langen Reise, die das Kunstwerk aus dem 17. Jahrhundert erlebt hat. Zunächst war es vor dem 13. Februar 1945 samt allen anderen Stücken des Ratsschatzes in Kisten verpackt im Keller des Rathauses eingelagert worden, hinter Brandschutztüren. Anfang Mai 1945 übernahm die Rote Armee das Kommando in Dresden und richtete sich dazu in dem Gebäude ein. Im Februar 1946 sah ein Rathausmitarbeiter erstmals nach den Kellerräumen. Da war der Schatz bereits verschwunden.

2015 tauchte er wieder auf. Das Auktionshaus Christie’s in Londen versteigerte die Arbeit des Nürnberger Goldschmiedemeisters Tobias Wolff im Auftrag eines Schweizer Sammlers, der ihn 1960 gekauft hat. Die Galerie Neuse aus Bremen kaufte ihn und bot den Schiffspokal danach selbst auf einer Antiquitätenmesse in den Niederlanden zum Kauf an. Da wurde das Bundeskriminalamt auf das Kunstwerk aufmerksam, denn es stand mittlerweile auf einer internationalen Liste mit verschollener Kunst.

Die Stadt wollte den Pokal zurückhaben. Bei den Gesprächen mit der Galerie aus der Hansestadt vermittelte die Ernst von Siemens Kunststiftung, die schließlich die Hälfte des Betrags für den Rückkauf beisteuerte. An der Gesamtsumme, die unbestätigten Angaben zufolge knapp 150 000 Euro beträgt, beteiligten sich außerdem die Stadt, die Sparkasse, die Museen der Stadt und die Volker-Homann-Stiftung.

Bevor auch alle Dresdner das prunkvolle Stück bewundern können, muss noch Platz in den Museumsvitrinen geschaffen werden. Außerdem wird bis dahin die Beschriftung für das Kunstwerk hergestellt. Voraussichtlich in etwa einer Woche kann der Schiffspokal im Stadtmuseum bewundert werden, sagte Gisbert Porstmann.