erweiterte Suche
Donnerstag, 02.08.2018

Der Schiebocker Macher

Jürgen Neumann war mit einigen BFV-Vorständen auch bei der Fußball-WM 2018 in Russland und besuchte dort unter anderem das Spiel unserer Nationalmannschaft gegen Mexiko. „Wir möchten immer gern Land und Leute kennenlernen“, sagt Neumann. Als Erinnerung nahm er auch einen kleinen WM-Ball mit in den Andenkenschrank in seiner Kanzlei in Bischofswerda. Der Ball fand seinen Platz eine Etage unter dem von der WM 2014 in Brasilien.
Jürgen Neumann war mit einigen BFV-Vorständen auch bei der Fußball-WM 2018 in Russland und besuchte dort unter anderem das Spiel unserer Nationalmannschaft gegen Mexiko. „Wir möchten immer gern Land und Leute kennenlernen“, sagt Neumann. Als Erinnerung nahm er auch einen kleinen WM-Ball mit in den Andenkenschrank in seiner Kanzlei in Bischofswerda. Der Ball fand seinen Platz eine Etage unter dem von der WM 2014 in Brasilien.

© Christian Kluge

Fußball-Regionalliga. Das ein Ex-Fechter sein Herz für den Fußball entdeckt, das kommt sicher nicht so häufig vor in Deutschland. In der Oberlausitz aber schon – denn der gebürtige Zittauer Jürgen Neumann ist nun schon seit 15 Jahren Präsident des Bischofswerdaer FV 08. Und er war in seiner Heimatstadt mal Fechter, und zwar im Leistungssport. Bis die Ärzte noch im Jugendalter einen leichten Herzfehler diagnostizierten. Danach musste Neumann abtrainieren – und tat das mit Fußball, als Stürmer bei Robur Zittau und später in Großharthau. Damals entdeckte er seine Begeisterung für Deutschlands Lieblingssport.

Von 1982 bis 1986 studierte Jürgen Neumann in Jena Rechtswissenschaften. Vier Jahre später gründete er mit Partnern eine Rechtsanwaltskanzlei in Bischofswerda. Und war ständiger Gast bei den Spielen des Bischofswerdaer FV 08. Schon seit 1991 gehört er dem Präsidium des Vereins an, mit einer zwischenzeitlichen Pause. Vor dem Saisonauftakt mit dem Derby gegen Budissa Bautzen sprach die SZ mit dem viel beschäftigten 55-Jährigen.

Herr Neumann, wie kommt Ihre Familie mit dem Freizeit-Aufwand für den Fußball in Bischofswerda zurecht?

Alle unterstützen mich und stehen hinter mir. Allerdings sind meine drei Töchter Christin, Nadine und Pauline inzwischen erwachsen. Christin ist Juristin und arbeitet in Berlin im Hotel-Management. Nadine ist wie meine Frau Heike Physiotherapeutin und arbeitet bei ihr in der Praxis in Rammenau. Meine jüngste Tochter Pauline ist in der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Mein wöchentlicher Aufwand für den BFV liegt – je nach aktueller Situation – zwischen zwei und 25 Stunden pro Woche. Neben meiner aufwendigen Arbeit als Rechtsanwalt.

Zur Regionalliga. Wie haben sich denn die Eintrittspreise im Vergleich zu letzten Oberliga-Saison geändert?

Der Preis für die Tageskarte ist von sechs auf neun Euro gestiegen. Und VIP-Karten gibt es erstmals im freien Verkauf. Die Tageskarte für 30 Euro, die VIP-Jahreskarte für 450 Euro. Grund der Erhöhung der Eintrittspreise ist unter anderem die Abgabe an den Nordostdeutschen Fußballverband, die pro Spiel von 100 auf nunmehr 500 Euro gestiegen ist.

Wie viele Zuschauer fasst der Sportpark bei den Heimspielen?

Insgesamt 5 000, davon sind 1 500 im Gästefanblock.

Für die BFV-Auswärtsspiele soll es in dieser Saison einen Fanbus geben. Gibt es bei Bedarf auch mehrere?

Ja, wenn der Bedarf besteht, dann können auch mehrere Fanbusse organisiert werden. Nähere Informationen zu den Buchungsmöglichkeiten und die Kontakt-Telefonnummer gibt es auf unserer Vereinshomepage.

Die zweite Mannschaft vom BFV ist nach der letzten Saison von der Kreisklasse in die Kreisliga aufgestiegen. Aus dem Team wird vermutlich kaum jemand für die Regionalliga-Elf infrage kommen?

Ja, der Unterschied zwischen Kreisliga und Regionalliga ist meilenweit. Aber wir haben ja auch Kooperationen mit dem Königswarthaer SV und dem SV Einheit Kamenz laufen. Und wir haben in dieser Saison auch wieder eine dritte Männermannschaft am Start. Die spielt allerdings nicht im Leistungssportbereich, sondern soll auch Freizeitkickern die Möglichkeit geben, bei uns aktiv zu sein.

Wer sind Ihrer Meinung nach die für den BFV schlagbaren Teams in der Regionalliga, und wer sind die Favoriten auf den Meistertitel?

Punkte müssen wir in den Spielen gegen Altglienicke, Auerbach, Meuselwitz, Fürstenwalde und Rathenow holen. Und gegen Budissa und den FC Oberlausitz, denn unser Ziel ist der interne Ostsachsenmeistertitel vor Bautzen und Neugersdorf. Aber allen anderen Teams ergeben wir uns auch nicht so einfach. Und im Oktober wollen wir im Heimspiel gegen den BFC Dynamo natürlich auch gewinnen. Meine Favoriten sind die Drittliga-Absteiger Chemnitz und Erfurt zusammen mit Nordhausen und Lok Leipzig.

Wie ist der Saisonetat in der Regionalliga im Vergleich zur letzten Oberliga-Saison gestiegen?

Zuletzt war der Etat 500 000 Euro, jetzt sind es 600 000 Euro. Dabei muss man berücksichtigen, dass wir keine Profis im Team haben. Alle Spieler haben auch Nebenjobs. Wir haben viele junge Fußballer und wir haben den Aufstieg in die Regionalliga mit einem Drittel der finanziellen Mittel geschafft, die damals Budissa Bautzen zur Verfügung hatte.

Ist der Kader nach der Verpflichtung von Stürmer Pavel Cermak endgültig komplett?

Erst am 31. August, wenn die Wechselphase endet. Manchmal kommen kurzfristig Spieler auf den Transfermarkt, mit denen man nie gerechnet hätte. Wir bleiben flexibel, aber ich denke, 98 Prozent der Kaderplanung ist definitiv abgeschlossen.

Wie viele Sponsoren hat der BFV eigentlich?

Rund 150 sind es, die uns unterstützen.

Was halten Sie perspektivisch von einer Kooperation zwischen dem BFV, Budissa Bautzen und Neugersdorf, um eventuell sportlich einen Drittligisten in der Oberlausitz etablieren zu können?

Ich denke, das ist nicht möglich. Die Vereinsmeierei ist da zu groß, die Konzepte zu unterschiedlich. Unsere Stärke in Bischofswerda ist die Masse der Sponsoren und deren familiäre Bindung an den Verein. So konnten wir Wege gehen, die uns vor zehn Jahren niemand zugetraut hätte.

Was wird nun aus der Kampfbahn, wenn der BFV jetzt im Sportpark seine Punktspiele bestreitet?

Die erste Frage ist, wie wir in der Regionalliga abschneiden. Die Oberligaspiele konnten wir auf der Kampfbahn bestreiten, weil die Anforderungen des Verbandes nicht so hoch sind in dieser Spielklasse. Nun ist aber dort der Rasen verschlissen und nach meiner Meinung auch nicht mehr reparabel. Bis 30. September müsste es eine Planung zur Sanierung geben, um einen Fördermittelantrag zu stellen. Aber das wäre auch eine erhebliche finanzielle Belastung für unseren Verein. Momentan ist das eher nicht denkbar.

Gespräch: Christian Kluge

Ticketvorverkauf für das Spiel BFV-Budissa: In der BFV-Geschäftsstelle auf dem Schmöllner Weg in Bischofswerda gibt es die Möglichkeit, am Donnerstag von 9 bis 19 Uhr und am Freitag von 9 bis 13.30 Uhr Eintrittskarten für das Derby zu erwerben. Für die VIP-Lounge im Sporthotel gibt es ebenfalls Karten im Vorverkauf zum Preis von 30 Euro. Die Tageskassen am Sportpark öffnen am Sonnabend ab 12 Uhr.

Das Regionalliga-Derby Bischofswerdaer FV 08 – FSV Budissa Bautzen wird Sonnabend 13.30 Uhr angepfiffen.