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Dienstag, 12.09.2017

Der Rückkehrer

Steve Hanusch läuft immer wieder bei seinen alten Klubs auf. Jetzt spielt der Lausitzer erneut für die Dresdner Eislöwen.

Von Maik Schwert

Bei diesem Termin hat er die Eislöwen-Kabine quasi ganz für sich allein. Als einer der wenigen Profis lässt der Neu-Dresdner Steve Hanusch seine Schlittschuhe so trocknen. „Da bleiben sie elastisch“, sagt er.
Bei diesem Termin hat er die Eislöwen-Kabine quasi ganz für sich allein. Als einer der wenigen Profis lässt der Neu-Dresdner Steve Hanusch seine Schlittschuhe so trocknen. „Da bleiben sie elastisch“, sagt er.

© kairospress

Der Mann ist wieder da, wo er schon einmal war. In der Saison 2009/2010 spielte Steve Hanusch bei den Dresdner Eislöwen in der 2. Bundesliga – mit einer Förderlizenz von den Eisbären Berlin aus der Deutschen Eishockey-Liga. Damals lernte der Lausitzer seine Freundin aus Dresden kennen und lieben. Seitdem gehen sie zusammen quer durch Deutschland: zu den Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau, Landshut Cannibals und Kassel Huskies sowie zu den Krefeld Pinguins aus der DEL.

Jetzt, sieben Jahre nach seiner ersten Serie in Dresden, kehrt er zu den Eislöwen und Patricia damit in ihre Heimatstadt zurück. Im Januar erwarten sie erstmals Nachwuchs. „Bis dahin wollen wir die Zeit zu zweit noch genießen“, sagt der 26-Jährige. Er weiß bereits von den Vätern aus seiner Mannschaft, dass sich dann alles ändert: „Weniger Ruhe und Schlaf, besonders mittags“, erwartet der Verteidiger. Das Zimmer für den Jungen haben er und seine gleichaltrige Partnerin schon fertig.

„Erst dachte ich bloß: Hauptsache gesund“, sagt Hanusch. „Nun finde ich es umso cooler, dass es ein Junge wird.“ Er freut sich auf den neuen Abschnitt. „Wir sind beide noch jung. Uns ist klar, dass es keinen perfekten Zeitpunkt fürs Elternwerden gibt. Es sollte wohl so sein, dass wir in unsere Heimatregion zurückkehren und eine Familie gründen.“ Auch für ihn ist Dresden der Lebensmittelpunkt – und Weißwasser nah.

„Das ist ein angenehmer Nebeneffekt. Er macht das Gesamtpaket nahezu perfekt.“ Nur fast? „Wenn meine Eltern noch bei uns wohnen würden, dann wäre es ideal.“ Hanusch hätte ja auch wieder bei den Füchsen spielen können.

Der Vater als Vorbild

Er entschied sich für Dresden – wegen der besseren Aussichten und doch auch schweren Herzens. „Ich bin noch nicht so bereit für die Lausitz. Natürlich gibt es Feuer von Freunden. Schließlich hat mein Vater jahrelang in Weißwasser gespielt und arbeitet seitdem als Nachwuchstrainer bei den Füchsen, aber er hat keine Probleme mit meinem Wechsel, und das ist das Wichtigste für mich.“

Torsten Hanusch ist für seinen Sohn auch Vorbild. „Er hat Zeit für seine Familie gehabt, uns ein schönes Leben geboten, mich als kleinen Junge auf diesen Weg gebracht und mir alles ermöglicht“, sagt
Steve Hanusch. „Er hat mir Tipps gegeben – als Vater, nicht als Trainer, besonders für die Phasen des Lebens, in denen nicht alles rosarot ist.“ Der Sohn dankt es ihm auf seine Art. Er trägt, wo immer es geht, das Dress mit der Nummer vier – so wie Torsten Hanusch. „Das ist für unsere Familie eine Glückszahl“, sagt Steve Hanusch. Bei den vergangenen Stationen war die Vier nicht immer frei, gehörte aber bei der Trikotnummernwahl stets dazu: in Kassel als 40, in Krefeld bei der 42 und das erste Mal in Dresden mit der 44. „Daher bin ich umso glücklicher, dass ich unsere Vier jetzt wieder auf dem Jersey trage. Mein Vater hat mich mit seiner Hilfe dahin gebracht, wo ich jetzt bin.“

Bis 2006 durchlief Hanusch in der Lausitz alle Stationen. 2013 kam er wieder nach Weißwasser. Nach einem Teileinriss des Syndesmosebandes am Sprunggelenk ließ Hanusch sich mit einer Förderlizenz von Krefeld zu den Füchsen ausleihen. „Ich bin heimatverbunden, wollte Spielpraxis sammeln und den Lausitzern helfen. Sie waren in einer schlechten Situation.“

Damals stand er mit Profis wie Stefan Mann auf dem Eis, die noch mit seinem Vater zusammen gespielt hatten. Der Junior bekam den gleichen Spitznamen wie der Senior: Otto. „Es gab keinen anderen, besseren.“ Beide sind auch Verteidiger. Einen Unterschied gibt es aber: Steve Hanusch ist Rechtsschütze, Torsten Hanusch schoss mit links. Schon damals beeindruckten Dirk Rohrbach, der die Füchse von 2009 bis Ende 2015 trainierte und seitdem die Geschäfte führt, die Geradlinigkeit und Zweikampfhärte des Juniors. Daher bot er jetzt bis zur Schmerzgrenze mit und musste sich seinem Dresdner Kollegen Volker Schnabel geschlagen geben. Der Eislöwen-Geschäftsführer hebt Hanuschs „Qualitäten von der blauen Linie“ heraus.

Er bevorzugt zwar das Offensivspiel, konnte das aber in der DEL nicht so zeigen. Er macht einen Haken dran. „Das Ding ist durch. Die Tür ging zu und eine andere auf.“ Hanusch wechselte im Dezember 2016 von Krefeld nach Kassel. „Das war für mich kein Rück-, sondern ein Fortschritt – hin zu mehr Eiszeit.“

Seitdem kennt er auch die Hessenderbys zwischen Kassel und Frankfurt/Main. „Das waren geile Duelle, vor allem die Halbfinalserie vor gut 6 000 Besuchern.“ Dennoch geht für ihn nichts über die Partien zwischen Dresden und Weißwasser. „Da habe ich als kleiner Junge meinen Vater spielen sehen, und jetzt bin ich dabei. Es mögen weniger Fans in die Arenen passen, aber es gibt mehr Emotionen.“ Die Rivalität sei ungleich höher. „Ich habe mit Kassel ein erfolgreiches Viertelfinale gegen die Füchse bestritten und daher auch ein gutes Gefühl, gegen sie zu spielen.“

Auf die ersten Sachsenderbys muss Hanusch noch bis zum Oktober warten. Die Eislöwen starten am Freitag in Kassel. Damit schließt sich für ihn der Kreis – wieder eine Rückkehr, aber nur für einen Abend.

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