erweiterte Suche
Dienstag, 22.08.2017

Der Preis des Elektroautos

Die Batterieproduktion treibt Kobalt- und Lithiumförderung an. Unklar ist, woher die benötigten Mengen kommen sollen.

Von Christian Mihatsch

16

Ein Arbeiter taucht in einen engen Schacht einer Kobalt-Mine in Kawama im Kongo ab. Das Material ist heiß begehrt. Die Förderbedingungen sind mies.
Ein Arbeiter taucht in einen engen Schacht einer Kobalt-Mine in Kawama im Kongo ab. Das Material ist heiß begehrt. Die Förderbedingungen sind mies.

© Michael Robinson/Getty Images

Wer vor einem Jahr sein Geld in „Kobolderz“ investiert hat, kann sich über einen Gewinn von über 100 Prozent freuen. Das nach den frechen Hausgeistern benannte Metall Kobalt hat sich innerhalb eines Jahres von 25 000 Dollar pro Tonne auf 57 500 Dollar verteuert. Dies liegt vor allem an den elektrischen Eigenschaften des Elements. Bei den meisten Lithium-Ionen-Batterien besteht die eine Elektrode aus einer Lithium-Kobalt-Legierung und die andere aus Graphit. Die Nachfrage nach diesen drei Stoffen steigt mit jeder Nachricht über Elektroautos. Der Think Tank „Bloomberg New Energy Finance“ schätzt, dass sich die globale Produktionskapazität für Batterien von heute 103 Gigawattstunden (gWh) in den nächsten vier Jahren auf 273 gWh mehr als verdoppeln wird.

Das schwächste Glied in der Lieferkette ist dabei Kobalt. Mit einem Marktanteil von knapp 60 Prozent ist die Demokratische Republik Kongo der wichtigste Lieferant von Kobalterz. Dieses wird dann in China verhüttet. China bestreitet knapp die Hälfte der globalen Produktion von 100 000 Tonnen an raffiniertem Kobalt pro Jahr. Insbesondere die Abhängigkeit von Kongo ist ein Problem: In den letzten Monaten sind dort wieder Unruhen aufgeflammt und Beobachter befürchten eine Rückkehr des Bürgerkriegs. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte bezeichnete die kongolesische Kasai-Region zuletzt als eine „Landschaft des Horrors“, nachdem dort eine Miliz Kleinkindern Gliedmaßen abgehackt und Schwangeren den Bauch aufgeschlitzt hatte. Ein weiteres Problem ist Kinderarbeit im Kleinbergbau, aus dem rund ein Fünftel der kongolesischen Kobaltproduktion stammt. Mark Dummett von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte zur Situation im Kongo: „Das glamouröse Marketing neuester Technologien steht im Kontrast zu Kindern, die Säcke voller Steine schleppen, und zu Bergleuten, die in engen Tunneln schwere Lungenschäden riskieren.“

Nur Spott für Elon Musk

Im Gegensatz dazu ist die Lithiumproduktion auf mehrere Länder verteilt, die politisch stabiler sind als der Kongo. Australien, Chile und Argentinien sind die wichtigsten Produzenten des Leichtmetalls. Doch auch dieses wird teurer: In den letzten zwei Jahren hat sich der Preis pro Tonne Lithiumkarbonat auf rund 20 000 Dollar mehr als verdreifacht. Die globale Jahresproduktion ist aus Bergbausicht allerdings winzig: Sie lag vorletztes Jahr bei 185 500 Tonnen Lithiumkarbonat respektive 35 000 Tonnen reinem Lithium. Letzteres entspricht einem Würfel mit 40 Meter Kantenlänge. Aus diesem Grund gibt es auch keinen eindeutigen Marktpreis, sondern nur Schätzungen von Marktbeobachtern. Dank des Preisanstiegs wird die Lithiumproduktion ausgeweitet. Analysten von The Lithium Spot erwarten, dass diese im Jahr 2018 auf knapp 300 000 Tonnen Lithiumkarbonat und im Jahr 2019 auf über 350 000 Tonnen steigen wird. Der Marktexperte Joe Lowry befürchtet aber, dass das nicht reicht und „mangelndes Lithiumangebot signifikante Probleme für die Batterie-Lieferkette im Jahr 2023 verursacht“.

Lowry spottet denn auch über Elon Musk, den Chef des Elektroautoherstellers Tesla: „Elon Musk scheint zu denken, dass, wenn er Autos baut, dann auch das Lithium kommt. Seine chaotische Lieferkette für Batterien sollte ihn aber davon überzeugen, sein kreatives Denken auf die banale Frage zu verwenden, wo die gigantischen Mengen an Lithium herkommen sollen, die er braucht.“ Musk baut derzeit die größte Batteriefabrik der Welt, die Gigafactory.

Graphit gibt’s auch in Deutschland

Der dritte Rohstoff für die Herstellung von Batterien ist kein Metall, sondern besteht aus Kohlenstoff. Der mit Abstand größte Produzent ist China mit einem Marktanteil von 80 Prozent. Graphitvorkommen sind allerdings besser über die Welt verteilt: In der Türkei und in Brasilien gibt es größere Reserven als in China. Selbst in Deutschland wird Graphit abgebaut, im bayrischen Kropfmühl. Die globale Jahresproduktion liegt bei 2,2 Millionen Tonnen. Davon wird nur ein kleiner Teil zur Herstellung von Batterien verwendet. Benchmark Mineral Intelligence (BMI) schätzt, dass der Graphitverbrauch für Batterien von 80 000 Tonnen (2015) auf 250 000 Tonnen im Jahr 2020 steigen wird. Für Batterien geeignetes Graphit kostet derzeit 3 000 Dollar pro Tonne und BMI erwartet einen Preisanstieg auf gut 4 000 Dollar. Die Buchhalter der Batteriefabrikanten wird also nicht das Graphit in ihren Bleistiften reuen, sondern die Menge an Kobalt und Lithium in ihren Produkten.

Leser-Kommentare

Seite 2 von 4

Insgesamt 16 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Rüdiger Hune

    Ein wichtiger Rohstoff wurde übrigens vergessen: auch Tantal wird für unsere Elektrifizierung des Verkehrs benötigt. Das Erz, aus dem es gewonnen wird, nennt sich Coltan - und kommt zum Teil auch wieder aus dem Kongo, wo es unter verheerenden Bedingungen für Mensch und Umwelt abgebaut wird. Wann wachen endlich die Politiker auf? Fortbewegung nur auf Strom zu setzen wird kurz- und mittelfristig nicht funktionieren - zumindest wenn wir den Planeten schützen wollen, auf dem wir leben. Als Alternative schlage ich CNG vor: Allein aus dem deutschen Ernteabfall Stroh liessen sich über 5 Mio CNG-Fahrzeuge betreiben, wenn man sie in Methan umwandelt (Quelle: verbio.de), eine Infrastruktur ist vorhanden, wenn auch noch nicht befriedigend ausgebaut. Vor allem ist es eine jetzt vorhandene, alltagstaugliche und umweltschonende Alternative!

  2. Marcus S.

    CNG-Fahrer sind fairer: Unser Antrieb benötigt keine Kinderarbeit und ökologische Ausbeutung. CNG (Compressed Natural Gas) lässt sich in Deutschland regenerativ über sämtliche organische Stoffe (also Biomüll, Fäkalien, landwirtschaftl. Abfälle) und auch als sog. eGas aus überschüssigem regenerativem Strom erzeugen. Arbeitsplätze hier werden damit gesichert und das, was an CO2 aus dem Auspuff kommt ist genau das, das beim natürlichen Verrottungsprozess der organischen Masse auch angefallen wäre. Stickoxide und Partikel spielen beim CNG-Motor keine Rolle. Weitere Informationen zu CNG gibt es beim CNG-Club.de und auch bei Gibgas.de Über die Umweltprämie gibt es beim Tausch eines Diesels bis zu € 7.000,- beim Kauf eines sauberen CNG-Fahrzeugs. Mit unserem Müll Auto fahren - es geht! Mobilitätswende? Einfach selber machen und CNG fahren ;-)

  3. jk

    "in engen Tunneln schwere Lungenschäden" - und die grünen Fantasten regen sich über 40 Mikrogramm NOX am Neckartor in Stuttgart auf - das ist die typische linksgrüne Doppelmoral. Was hier noch keiner angesprochen hat: wenn alle Verbrennungsmotoren verboten sind, brechen dem Staat die Spritsteuer-Einnahmen komplett weg, so dass er sie sich über die Verteuerung des Stroms wieder reinholt. Damit wird der Strom dermaßen teuer, dass es wehtun wird und außerdem müssen dann auch Menschen diese Steuer mitfinanzieren, die zum Beispiel gar kein Auto fahren. Das ist erst eine Ungerechtigkeit, gelle?

  4. mp

    Die Wirtschaft gibt den Weg vor und die Politiker schließen die Augen und dackeln hinterher. Die Ausbeutung ist echt traurig und macht mich wütend weil immer noch der Kolonialstatus Bestand hat, die Dritte-Welt-Länder werden brutal durch die westliche Welt ausgebeutet. Hauptsache die grüne Insel D ist schön sauber, wie die Anderen leben und arbeiten ist egal. Das nennt sich verantwortungsvolle Politik mit grüner Verantwortung? Eine riesen Scheinheiligkeit und Ignoranz! Da kommt mir das Kotzen!

  5. zugezogener

    @mp: Da müßte Ihnen aber bei allen Parteien das Kotzen kommen, denn dieses hier angesprochene Problem hat niemand auf dem Schirm. Und was nun? Ein "weiter wie bisher" geht ja aber auch nicht. Immerhin hinterfragen die Grünen die Notwendigkeit des massenhaften Individualverkehrs (und da sollten wir erst mal anfangen), was ich bei einer CDU z.B. total vermisse.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 2 von 4

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.