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Freitag, 09.11.2018

Der Papa fliegt wieder

Skispringer Severin Freund steht nach zwei Kreuzbandrissen vor der Rückkehr auf die Schanze. Der Weltcup-Auftakt dürfte für ihn zu früh kommen.

Von Erik Roos

Severin Freund fühlt sich bereit für den Winter.
Severin Freund fühlt sich bereit für den Winter.

© dpa

Er hat zwei Jahre gelitten, manchmal sogar nachts. „Ich habe häufig vom Skispringen geträumt – sehr oft sogar“, sagt Severin Freund über seine Leidenszeit, die einfach nicht enden wollte. Zwei Kreuzbandrisse zwangen ihn zum Zuschauen. Seit Januar 2017 ist er nicht mehr im Weltcup gestartet. Jetzt steht der Weltmeister von 2015 vor seiner Rückkehr, auch wenn er den exakten Zeitpunkt offen lässt.

Bereits nächste Woche reisen die deutschen Adler zum Weltcup-Auftakt am 17. und 18. November im polnischen Wisla – ob mit oder ohne ihn, das steht noch nicht fest. „Er soll nicht auf einem 36. Platz zurückkehren. Wir setzen ihn erst ein, wenn realistische Chancen auf die Top 15 oder 20 bestehen“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. Grund zur Eile besteht letztlich keine nach all der Plackerei.

Zwei Jahre sind im Skispringen eine lange Zeit. Das weiß auch Freund. Während er seine Bachelor-Arbeit schrieb und im Oktober erstmals Vater wurde – für ihn „ein herausragendes Erlebnis“ –, feilten die Gegner an ihrer Technik. „Die Springer kommen inzwischen noch schneller in die Flugposition“, sagt der 30-Jährige, der beinahe alle Wettbewerbe von der Couch aus verfolgte. „Aber ich glaube, dass ich mit einem guten Sprung weiter konkurrenzfähig bin. Daher mache ich mir keine Sorgen.“

Jahrelang war er es, der das deutsche Skispringen über Wasser hielt. „Ohne ihn wäre ich vielleicht nicht mehr da“, sagt Schuster. 2011 sorgte Freund für den ersten deutschen Weltcuperfolg nach vier Jahren. Später wurde er Weltmeister, Mannschafts-Olympiasieger, Gesamtweltcup-Gewinner und Zweiter der Vierschanzentournee. In seinem Windschatten bekamen Richard Freitag und Andreas Wellinger die notwendige Zeit, um auch zu Stars zu reifen.

„Wir wissen alle, was Severin in den vergangenen Jahren geleistet hat“, sagt Wellinger, der im Februar in Pyeongchang Einzel-Olympiasieger wurde. Diese Goldmedaille fehlt Freund noch. Wellinger zieht daher den Hut von seinem Kollegen. „Ich habe Severin in der Therapie gesehen und weiß, wie hart er an seinem Körper arbeitet. Deswegen freut es mich, dass er wieder fit ist“, sagt der 23-Jährige.

Freund fühlt sich fit und auch frei von Angst. „Die Freude überwiegt. Wenn du beim Springen ans Knie denkst, läuft etwas falsch“, sagt er. Nach dem ersten Kreuzbandriss kehrte der Bayer im Juli 2017 zu früh auf die Schanze zurück. Im zweiten Sprungtraining verletzte er sich erneut – kein Wunder, dass Freund sich dieses Mal Zeit lässt. Ihm ist es daher nicht so wichtig, wann genau er wieder im Weltcup startet. „Wenn es erst die Vierschanzentournee ist, dann ist es eben so.“ Sein großes Ziel bleibe ohnehin die WM im Februar in Seefeld. Wer weiß, was bis dahin alles passiert.

Schuster hat jedenfalls noch einen Traum, genau wie Freund: „Severin noch mal zu einer Siegerehrung begleiten zu dürfen – das wäre eine tolle Geschichte.“ Der Bundestrainer sieht seine langfristige Zukunft als vollkommen offen an. „Es gibt keinen klaren Karriereplan“, sagt er. „Ich habe das immer alles ein bisschen spontaner entschieden.“ Viele Dinge in seinem Leben hätten sich auch größtenteils positiv ergeben. Der Österreicher arbeitet seit März 2008 als Bundestrainer. Sein Vertrag endet im März 2019. „Das Projekt Deutschland ist ein Erfolg – egal, wie und wann es endet“, sagt er. „Ich habe viel erleben dürfen und immer noch das Gefühl, dass es nicht vorbei ist.“ Für diese Wintersaison sieht der 49-Jährige seine Mannschaft so breit aufgestellt wie noch nie. (sid mit dpa)

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