erweiterte Suche
Mittwoch, 19.10.2011

Der ominöse Herr C(K)onrad vom BND

Ein BND-Mann mit dem Decknamen Gerhard Conrad vermittelte bei Schalits Freilassung.

Von Christoph Sator, Berlin

Allein schon der Name: Gerhard mit Vornamen, aber dann: Konrad oder Conrad? Mal schreibt sich der deutsche Geheimdienstler, der an der Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit mitwirkte, mit K, mal mit C. Aber was soll’s – getrost darf man davon ausgehen, dass der Herr vom Bundesnachrichtendienst (BND) ohnehin ganz anders heißt. Und bis heute existiert von dem BND-Mann, der schon seit vielen Jahren im Nahen Osten aktiv ist, kein einziges Foto. Aber das gehört in dem Job wohl dazu.

Der Mann für besondere Fälle

Auch das Aussehen wechselt: Zur Zeit trägt Konrad (oder Conrad) Schnauzbart und Brille, das Haar grau meliert. Er ist um die 50, etwa 1,85 Meter groß, kräftige Statur, ebensolcher Händedruck. Bei offiziellen Terminen kleidet er sich mit Anzug und Krawatte. Eher der Typ Manager als Geheimdienst-Beamter. Er spricht perfekt Arabisch, Französisch und Englisch. Seine Frau arbeitet ebenfalls beim BND.

Zu Beginn der BND-Jahre war er in den deutschen Botschaften in Beirut und Damaskus beschäftigt. Aus dieser Zeit stammen seine guten Kontakte zu den Palästinensern. Seit zehn Jahren arbeitet er in der BND-Zentrale, als „Mann für die besonders schwierigen Fälle“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ wissen will. Er war schon 2004 dabei, als zwischen Israel und libanesischer Hisbollah-Miliz ein Häftlingsaustausch ausgehandelt wurde. Bekannt wurde er vor zweieinhalb Jahren: 2008 wurden die Leichen zweier israelischer Soldaten gegen fünf in Israel inhaftierte Hisbollah-Männer sowie 200 tote Kämpfer ausgetauscht. Seither trug er den Namen „Mister Hisbollah“.

Nun auch „Mister Hamas“

Offiziell wird von deutscher Seite mit der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas überhaupt nicht gesprochen. Konrad (oder Conrad) war deshalb seit Sommer 2009 mit „persönlichem Mandat“ unterwegs. Profitieren konnte der Vermittler davon, dass der BND im Nahen Osten einen guten Ruf hat – was nicht überall so ist. Die Deutschen gelten als ehrliche Makler, die keine Seite übervorteilen.

Beim BND wird aber betont, dass den Ägyptern der größte Verdienst an der Freilassung gebühre. Trotzdem dankte Israels Ministerpräsident Netanjahu jetzt ausdrücklich auch dem „deutschen Vermittler“ für seine Mitarbeit. Dessen Namen nannte auch Netanjahu selbstverständlich nicht. Aber seit dem neuesten Deal heißt der Deutsche in den entsprechenden Zirkeln jetzt auch „Mister Hamas“. (dpa)