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Dienstag, 12.04.2011

Der neue Tierparkchef kommt aus der Wüste

Sven Hammer hat nach elf Jahren Naturschutz-Arbeit in Katar Lust auf mehr Grün. Im Oktober fängt er in Görlitz an – zusammen mit seiner Frau Catrin.

Von Ingo Kramer

Mit den Trampeltieren hat sich Sven Hammer bei seinem gestrigen Tierparkrundgang schon einmal angefreundet. Und nicht nur mit ihnen. Bevor die Tiere den 41-Jährigen und seine drei Jahre ältere Frau Catrin zu Gesicht bekamen, durften die Mitarbeiter im Görlitzer Naturschutz-Tierpark ihren künftigen Chef kennenlernen. Als Nachfolger von Axel Gebauer, der den Tierpark Ende 2010 nach fast 30 Jahren verlassen hat, wird Sven Hammer zum 1. Oktober als neuer Direktor anfangen. Den Vertrag hat er gestern unterschrieben.

Eines kann der studierte und promovierte Tierarzt, der mit einer eigenen Praxis ins Berufsleben startete, schon versichern: Einen radikalen Kurswechsel soll es mit ihm nicht geben. „Ich weiß, welches Erbe ich antrete“, sagt er mit Verweis auf seinen von allen Seiten geschätzten Vorgänger. An den wichtigsten Bausteinen, die den Park auch von anderen abheben, will Hammer nicht rütteln: Die Schwerpunkte bei Naturschutz, Tibet und der Zoopädagogik bleiben auf jeden Fall erhalten. Ändern sollen sich die Besucherzahlen: „Wir wollen weiter an der Attraktivität arbeiten, um mehr Besucher anzuziehen.“ In den Vorjahren schwankte die Zahl stets um die 100000er Marke.

Konzept steht noch nicht

Ansonsten will sich der gebürtige Heilbronner, der seinen schwäbischen Akzent nie abgelegt hat, im Moment mit Ideen noch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen: „Ich kann noch kein fertiges Konzept präsentieren, denn dafür braucht es erst einmal eine Einarbeitung.“ Ein halbes Jahr nach dem Start in Görlitz, also nächsten Frühling, will er mit einer Strategie aufwarten. Bei der Erstellung soll ihm seine Frau helfen: Die Zootierpflegemeisterin wird gemeinsam mit ihm im Naturschutz-Tierpark anfangen.

Die gemeinsame Arbeit hat bei dem kinderlosen Ehepaar schon Tradition. Kennen gelernt haben sie sich im Zoo von Rheine, in dem beide tätig waren, nachdem Sven Hammer seine Praxis abgegeben hatte. Vor elf Jahren folgten sie dem Ruf eines Scheichs nach Katar. Dort baute Sven Hammer ein privates Zuchtzentrum für stark bedrohte Wildtierarten auf und leitet es bis heute. Catrin Hammer ist als Kuratorin für Säugetiere dabei. „Angefangen haben wir allein, inzwischen hat das Zentrum 45 Mitarbeiter aus 15 Nationen“, erklärt der leidenschaftliche Fotograf.

Ab August müssen sie ohne den Gründer auskommen, denn „nach elf Jahren Wüste und Hitze kommt irgendwann der Gedanke, wie schön grün es in Deutschland ist.“ Bei seiner Rückbesinnung auf Mitteleuropa hat Sven Hammer für sich und seine Frau zunächst eine Arbeit in der Schweiz gefunden. Dort ist er – parallel zur Aufgabe in Katar – als Vertretung eines Lehrstuhlinhabers an der Uni Zürich wissenschaftlich tätig. Die Stelle ist aber auf sechs Monate befristet und läuft am 30. September aus.

Deshalb freuen sich die beiden, dass es in Görlitz geklappt hat. Hier wollen sie ihren Hauptwohnsitz haben – zusammen mit ihren zwei Wüstenhunden, die noch nie in Deutschland waren. Und sie wollen keinen zweiten Job parallel haben: „Hier sind wir voll ausgelastet.“ Daraus, dass er Görlitz bisher nicht kannte, macht der Schwabe keinen Hehl. Entscheidend für ihn sei „die ideale Symbiose aus Öffentlichkeitsarbeit und Philosophie“. Während die Zuchtstation in Katar nämlich eher ein Privatzoo des Scheichs ist, kann er in Görlitz der Öffentlichkeit den Naturschutz präsentieren. „Und die Philosophie trägt der Görlitzer Naturschutz-Tierpark ja schon im Namen“, sagt Hammer.

30 Bewerber um die Stelle

Der Natur- und Artenschutz war für den Trägerverein auch der ausschlaggebende Grund, warum er sich unter 30 Bewerbern für Hammer entschied. „Darin hat er viel Erfahrung“, begründet Vereinschef Ulf Großmann. Die Auswahl habe sich der Vorstand nicht einfach gemacht: Mit acht Bewerbern habe er sich intensiv befasst und diese auch nach Görlitz eingeladen. Dass derjenige, auf den die Entscheidung gefallen ist, nicht schon zeitiger nach Görlitz kommen kann, sei dabei zweitrangig. Bis Ende September bleibt Tierinspektorin Karin Riedel kommissarische Chefin. Daran haben auch die Trampeltiere nichts auszusetzen: Sie sind längst mit ihr vertraut.