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Mittwoch, 04.01.2017

Der neue Ehrenbürger

Manfred Schober ist ein unermüdlicher Heimatforscher. Keiner kennt die Geschichte der Sebnitzer Region so gut wie er.

Von Dirk Schulze

Sebnitzer Neujahrsempfang

Ein eigens angefertigter Ring weist Manfred Schober jetzt als Ehrenbürger der Stadt Sebnitz aus. Seine Schwester Marianne Hohlfeld war bei der Verleihung während des Neujahrsempfangs in der Sebnitzer Stadthalle dabei.
Ein eigens angefertigter Ring weist Manfred Schober jetzt als Ehrenbürger der Stadt Sebnitz aus. Seine Schwester Marianne Hohlfeld war bei der Verleihung während des Neujahrsempfangs in der Sebnitzer Stadthalle dabei.

© Dirk Zschiedrich

Sebnitz. Als ihn Museumschef Robert Rösler in seiner Laudatio auf eine Stufe mit dem berühmten Historiker Alfred Meiche stellt, hebt Manfred Schober wie zur Abwehr beide Hände und winkt ab. Schon als ihm der Sebnitzer Oberbürgermeister im Dezember mitteilte, dass die Stadt ihn zum Ehrenbürger ernennen möchte, hatte er zunächst gezögert. Nicht etwa, weil er die Auszeichnung nicht zu schätzen wüsste, sondern weil sie ihm zu groß erschien. Es sei aber gerade diese Bescheidenheit in Verbindung mit seinem immensen Wissen und Forscherdrang, die Manfred Schober zu der wertvollen Persönlichkeit machen, die alle schätzen, sagt Laudator Rösler. Beim Neujahrsempfang der Stadt Sebnitz am Montagabend wurde Manfred Schober die Ehrenbürgerschaft verliehen. Es ist das erste Mal seit 1979, dass die Stadt diese Auszeichnung vergibt.

Sebnitzer Neujahrsempfang

Manfred Schober, der am 28. Dezember seinen 75. Geburtstag feierte, kommt als Kind mit seiner Familie aus Schlesien in die Sächsische Schweiz. Schon in seiner Jugend befasst er sich mit Natur- und Heimatgeschichte und entwickelte ein großes Interesse an den Traditionen, Sitten und Gebräuchen der Menschen in der Region. Als 1972 ein neuer Leiter für das Sebnitzer Heimatmuseum gesucht wird, fällt die Wahl auf den damals 31-jährigen Manfred Schober. Eine wegweisende Entscheidung, heißt es in der Laudatio. Denn schon damals kennt sich kaum ein anderer so gut mit der Sammlung aus und hatte so profundes Wissen zur Heimatgeschichte wie er. In den ersten Jahren als Museumsleiter absolviert er parallel ein Volkskunde-Studium an der Humboldt-Uni Berlin.

Manfred Schober erweitert die Sammlung des Museums immens. Unter seiner Leitung finden bedeutende Bestände ihren Weg in das Haus. Dazu gehören die Nachlässe des Sebnitzer Heimatforschers Alfred Meiche und des Gründers der Hohnsteiner Puppenbühne Max Jacob. Für die Sammlung zur Kunstblumenindustrie, die wesentlich unter Schobers Regie entsteht, durchforstet er sogar Altpapierstapel. Auch Originalschriften von Wilhelm Leberecht Götzinger sowie Bilder von Hanns Georgi und Ilse Ohnesorge werden dank seiner Initiative im Sebnitzer Museum für die Nachwelt bewahrt. Zum Beginn seiner 32-jährigen Laufbahn als Museumsleiter zählt der Bestand des Museums rund 3 000 Objekte. Bei seiner Pensionierung im Jahr 2004 sind es 12 000 – und damit viermal so viele.

Spezialist für die Sebnitzer Geschichte

Mit unzähligen Veröffentlichungen hat sich Manfred Schober zudem einen Namen als Heimatforscher gemacht. Zu den wichtigsten zählen das Buch „Sebnitz“ von 2003, seine Reihe zu den Mühlen im links- und rechtselbischen Gebiet sowie die Titel zum Maler und Grafiker Hanns Georgi. Allein die Auflistung all seiner Artikel für Zeitungen und Zeitschriften sowie der von ihm herausgegebenen Hefte und Bücher füllt 120 Seiten.

Bis heute ist Manfred Schober als Autor und Heimatforscher aktiv. Er veröffentlicht, hält Vorträge und ist als Spezialist für die Geschichte von Sebnitz und der umliegenden Orte gefragt. Besonders verdient gemacht hat er sich um das kulturelle Erbe des Sebnitzer Historikers, Volkskundlers und Sprachforschers Alfred Meiche. Dieses Erbe hat Manfred Schober jedoch nicht nur bewahrt. „Er verkörpert es geradezu“, sagt der aktuelle Leiter des Heimatmuseums, Historiker Robert Rösler.