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Donnerstag, 12.07.2018

Der Milchmacher

Kevin Fabich gehört zu den besten Melkern im Lande. Die Begeisterung für seinen Beruf endet nicht am Betriebsgelände.

Von Jürgen Müller

Landwirt aus Leidenschaft. Kevin Fabich am Melkkarussell der Milchviehanlage in Pitschütz. Der 20-Jährige aus Wuhnitz schaffte es zum Bundeswettbewerb der Melker.
Landwirt aus Leidenschaft. Kevin Fabich am Melkkarussell der Milchviehanlage in Pitschütz. Der 20-Jährige aus Wuhnitz schaffte es zum Bundeswettbewerb der Melker.

© Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Es ist kurz vor 15 Uhr, die Schicht von Kevin Fabich in der Milchviehanlage der Agrargenossenschaft Lommatzscher Pflege in Pitschütz ist zu Ende. Doch der 20-Jährige geht nicht schnurstracks unter die Dusche und fährt nach Hause. Ein Plausch mit seinen Kollegen muss schon noch sein. Er fühlt sich wohl hier, das spürt man. Der ruhige, fast schon schüchterne junge Mann ist ein Meister seines Faches, gehörte zu den besten Nachwuchsmelkern Deutschlands. Das hat er sogar schwarz auf weiß.

Für den 35. Bundeswettbewerb im Melken im niedersächsischen Drage und Echen hat er sich als sächsischer Vizemeister qualifiziert. Insgesamt schafften das 36 Melker aus ganz Deutschland. Kevin Fabich belegte dabei einen sehr beachtlichen 20. Platz. Alle zwei Jahre ermitteln die Melker ihre Besten. Sie müssen dabei nicht nur melken können, sondern auch umfassende Fachkenntnisse in der Milchproduktion samt Hygiene-Vorschriften vorweisen.

Doch der Lommatzscher kann an diesem Wettbewerb nicht mehr teilnehmen. Zwar ist er beim nächsten Mal noch immer unter 25 Jahre alt, was ein Kriterium ist. „Es ist vorgeschrieben, dass jeder nur einmal zu diesem Bundeswettbewerb fahren kann“, sagt Steffen Zocher, Anlagenleiter der Milchviehanlage Pitschütz. Er ist stolz auf Kevin, der erst vor kurzem in dem Betrieb seine Lehre als Tierwirt abgeschlossen hat.

„Ich wollte schon immer etwas mit Tieren machen, dachte erst an eine Arbeit in einem Tierheim“, sagt der Wuhnitzer. Doch dann machte er ein Praktikum in der Agrargenossenschaft, war sofort begeistert. Und nicht nur er. „Ich habe meine ganze Familie mitgerissen“, sagt er und lacht verschmitzt. Seine Mutter, die einst in einer Sozialküche in Lommatzsch arbeitete, ist jetzt auch in der Landwirtschaft. Und sein jüngerer Bruder wird demnächst in der Agrargenossenschaft eine Lehre als Tierwirt beginnen.

„Mir macht diese Arbeit großen Spaß. Wir produzieren hier ein Lebensmittel, das fast jeder trinkt. Ich bin viel an der frischen Luft und kann mit Tieren arbeiten, was ich schon immer wollte“, sagt er. Dass er Landwirt aus Leidenschaft ist, zeigt auch, dass seine Liebe zu Tieren nicht am Betriebsgelände endet. Zu Hause in Wuhnitz züchtet er seit vier Jahren Kaninchen, Deutsche Riesen. Und demnächst möchte er eine eigene Rinderherde aufbauen. Zwei Tiere der Rassen Angus und Charolais hat er seit einigen Tagen auf dem Gelände in Wuhnitz stehen.

Die Teilnahme am Bundeswettbewerb habe ihm viel gebracht, sagt er. „Ich habe viele Leute kennengelernt und viel gelernt, beispielsweise über Tiergesundheit und Melktechnik“, so der 20-Jährige. Und er will weiterlernen, denkt über einen Meisterlehrgang nach, wenn auch noch nicht konkret.

„Jetzt möchte ich erst mal arbeiten.“ Arbeit ist genug da für die insgesamt 24 Melker, davon drei Lehrlinge. In den Ställen stehen immerhin 950 Milchkühe, die dreimal am Tag gemolken werden. Rund 9,5 Millionen Liter Milch verlassen laut Anlagenleiter Zocher jedes Jahr die Anlage, werden an die Molkerei Ehrmann in Freiberg geliefert. Eine Erhöhung des Tierbestandes auf 1 000 Milchkühe ist denkbar. Neben dem Milchcenter Prausitz und dem Milchhof Diera gehört die Agrargenossenschaft Lommatzscher Pflege in Barmenitz zu den größten Milcherzeugern im Landkreis Meißen.

Die negativen Seiten seines Berufes wie Schichtdienst und Arbeit an Sonn- und Feiertagen stören Kevin Fabich nicht. „Das habe ich doch von Anfang an gewusst, was auf mich zukommt“, sagt er. Und der Schichtdienst hat ja auch etwas Gutes. Jetzt hat er zum Beispiel vier Tage hintereinander frei. Da kann er sich voll seinen Deutschen Riesen und den Rindern widmen. Der Wuhnitzer ist eben Landwirt aus Leidenschaft.