erweiterte Suche
Mittwoch, 08.08.2018

Der Matsch von gestern

Das Altenberger Raupennest stellt eine traditionelle Behandlung um – nicht die einzige Neuerung.

Von Mandy Schaks

Physiotherapeutin Anke Riesing hat es jetzt leichter. Bislang musste der Heilschlamm, der in Eimern angeliefert wird, beim Patienten mit der Hand aufgetragen werden. Jetzt geht das mit Kompressen (re.). Diese lassen sich einfacher verwenden, und die Schlepperei mit den 20-Kilo-Eimern fällt weg.
Physiotherapeutin Anke Riesing hat es jetzt leichter. Bislang musste der Heilschlamm, der in Eimern angeliefert wird, beim Patienten mit der Hand aufgetragen werden. Jetzt geht das mit Kompressen (re.). Diese lassen sich einfacher verwenden, und die Schlepperei mit den 20-Kilo-Eimern fällt weg.

© Egbert Kamprath

Altenberg. Optisch erinnert die braune Pampe immer ein bisschen an Kuhfladen. Aber viele Patienten im Altenberger Raupennest schwören auf den Naturheilschlamm, der extra aus einem See bei Brandenburg kommt. Und im Gesundheitszentrum selbst sind die Pelose-Packungen nicht mehr aus dem Programm wegzudenken. „Sie sind für uns ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Klinik-Leiterin Anke Gundel. „Das gab es schon, als ich 1977 hier angefangen habe“, erinnert sich Marina König. Sie ist inzwischen die leitende Physiotherapeutin.

Frau König weiß natürlich um das Geheimnis, das dieser Matsch in sich trägt. „Das ist ein natürlich gewachsener Schlamm“, erklärt sie, „der Mineralstoffe enthält.“ Erwärmt, entfaltet er seine besondere Wirkung dort, wo es schmerzt. „Das Moor wurde direkt auf die Haut aufgebracht“, erläutert Frau König. Das tue zum Beispiel gut bei degenerativen Erkrankungen wie Rückenschmerzen.

Aber ehrlich, das war auch immer eine ganz schöne Manscherei. Oder wie Anke Gundel schmunzelnd sagt: „Ein bisschen von gestern.“ In jedem Quartal rollte ein Lkw an und brachte die kostbare Fracht aus Brandenburg. Summa summarum wurden im Jahr 2016 immerhin rund 18 000 Kilogramm Pelose nach Altenberg geliefert – in 20-Kilo-Eimern. „Das war für die Mitarbeiter körperlich anstrengend“, sagt Marina König, die dann mit den Eimern hantieren mussten.

In einem alten Ofen wurde die braune Masse für mehrere Patienten warm gemacht, die in Einzelkabinen auf ihre Behandlung warteten. Die Therapeuten schmierten dann einen nach dem anderen mit dem Heilschlamm ein, wickelten sie in Decken und nach etwa 20 Minuten wieder aus. Dann musste der inzwischen angetrocknete Schlamm wieder runter, abgekratzt und abgeduscht werden. „Das war sehr aufwendig“, sagt Frau König. Außerdem wurde eine Menge Wasser verbraucht. Deshalb überlegten die Mitarbeiter, ob das nicht auch einfacher und angenehmer für Patienten wie für Therapeuten geht – ohne die Wirkungsweise der Pelose zu reduzieren. Sie probierten und testeten gemeinsam mit dem Lieferanten und stellten im Frühjahr schließlich auf durchlässige Kompressen um, eine Art Vlies, der die Pelose ummantelt. „Der Schlamm wird nun nicht mehr direkt auf den Körper aufgetragen“, erläutert Marina König. „Der ist mit den Kompressen besser zu verabreichen.“

Um das wohlige Gefühl zu erzeugen und die Wirkung zu entfalten, werden sogenannte Wärmeträger eingesetzt und in zwei speziellen Öfen erhitzt. Die kommen dann auf die Kompressen und ergeben die Packung. „Das bleibt länger warm, ist sauberer und zeitsparender“, schätzt Klinik-Chefin Anke Gundel nach den ersten Monaten ein. Zudem sind die Therapeuten flexibler. Sie können einzelne Kompressen fertig machen, falls sich doch mal ein Patient verspätet, und auch in kleineren Gruppen die Packungen verabreichen. Die Umstellung hat nach Einschätzung vom Raupennest gut funktioniert. „Vor allem ist die Wirkungsweise der Pelose nach wie vor erhalten“, betont Anke Gundel. Diese Investition ist in diesem Jahr bislang die Sichtbarste, wenn auch mit rund 10 000 Euro eher eine der Kleinsten.

Insgesamt etwa 800 000 Euro – wie schon im Vorjahr – will das Raupennest auch 2018 in eine bessere Ausstattung und Qualität seiner Angebote stecken. So wird gerade der Umbau der kompletten Bäderabteilung geplant. In dem Zuge gibt es auch neue Kabinen für die Pelose-Behandlung. Es entstehen zudem Räumlichkeiten für die Massage, der Bäderbereich wird erneuert und mit modernen Technik ausgerüstet. Selbst eine Boulderstrecke, also eine Kletterwand, ist vorgesehen. Geschätzte Kosten: etwa 300 000 Euro. Die Bauleistungen sollen Ende September ausgeschrieben werden. „Wir hoffen, dass wir regionale Firmen finden, die den Ausbau im Dezember/Januar machen können“, sagt Anke Gundel.

Andere Arbeiten indes können schon starten. So wird nun nach 21 Jahren auch die Sanierung der Gebäudesubstanz fällig. Am ersten Bettenhaus soll begonnen werden, Abdichtung und Drainage auf Vordermann zu bringen. Los geht es am 15. August. Zudem ist geplant, weitere 20 Zimmer zu modernisieren. „Außerdem wollen wir den Fachbereich Orthopädie stärken“, sagt Frau Gundel. Das sportmedizinische Angebot wird für knapp 60 000 Euro ausgebaut.